gewinnt Kalliſto, eine Nymphe und Begleiterin der Diana, für ſich, ihr in Geſtalt der Diana nahend. Sie gebar ihm den Arkas, den Stammvater der nach ihm genannten Arkadier. Von Zeus, um ſie der eiferſüchtigen Hera zu verbergen, in eine Bärin verwandelt, ward ſie von Artemis erſchoſſen und von Zeus unter dem Namen Arktos unter die Geſtirne verſetzt: das Sternbild des großen Bären (AOrrοο εμμεανν⁷).
Am Waldſaum ſitzt links Kalliſto auf einem roten Tuch, mit der Rechten ſtützt ſie ſich auf den neben ihr liegenden Köcher, mit der Linken hält ſie ein weißes Tuch über den Schoß. Rechts neben ihr halb knieend Juppiter in Geſtalt der Diana mit einem violetten Tuch um die Lenden. Er ſchmeichelt ihr, und ſie blickt ihn halb miß— trauiſch, halb überredet an. Rechts hinter ihm der Adler mit flammenden Donnerkeilen; den Hintergrund bildet eine baumreiche Landſchaft.— Wir beachten beſonders, wie ſcharf gezeichnet und ſchön ſich der weiße Körper der Kalliſto von den dunkelgrünen Bäumen des Hintergrundes abhebt. Man denke an die Schwäne in der Aue, wenn wir ſie uns gegenüber an dem Ufer des großen Baſſins ſehen, oder hell gekleidete Geſtalten uns gegenüber an einem Waldſaum. Wir beachten dann die Geſtalt Juppiters und ſeine Hautfarbe. Obgleich er in Geſtalt der Diana ſich zeigen will, tritt doch in den Formen(ſeht z. B. die Füße) und in der Hautfarbe noch deutlich der Mann hervor. Ich mache dann noch aufmerkſam auf die Fein⸗ heit im geiſtigen Ausdruck beider Geſtalten.
Wir haben in der Galerie noch zwei Darſtellungen desſelben Vorwurfs, die eine angeblich von Mytens aus Brüſſel, einem älteren Zeitgenoſſen von Rubens, der haupt⸗/ ſächlich in Italien thätig war, in Kabinet 6, die ander in Kabinet 17 von unſerem Joh. Heinrich Tiſch wnend der vom Landgrafen Wilhelm VIII. zum Hofmaler er⸗ nannt wurde(† 1789). Beide ſind weniger natürlich und tragen einen anderen Charakter. Hierher gehört auch die Entdeckung des Fehltrittes der Kalliſto in Kabinet 4 von Cambiaſo, der in Genua und Madrid thätig war († c. 1585), ein in der Karnation wenig anſprechendes Bild.
Nun betrachten wir das gegenüberhängende Bild: Meleager überbringt der Atalanteden Kopf des kalydoniſchen Ebers. Die zu Grunde liegende Sage iſt folgende. Meleager war der Sohn des Oeneus von Kalydon und der Althäa. Als er 7 Tagage alt war, traten die Schickſalsgöttinnen herzu und ſagten, er werde ſterben, wenn das auf dem Herde brennende Scheit verbrannt ſei.
Deshalb riß Althäa das Scheit vom Herde weg, löſchte
es und verwahrte es in einem Kaſten. Nun hatte einſt Oeneus der Artemis zu opfern vergeſſen, weshalb dieſe einen gewaltigen Eber(den kalydoniſchen Eber) in die Fluren von Kalydon ſandte, um ſie zu verwüſten. Als auf der Jagd gegen dieſen Atalante dem Tiere die erſte Wunde beigebracht und Meleager, der es erlegt hatte, der von ihm geliebten Jungfrau den Preis, Kopf und Haut desſelben, übergeben hatte, entriſſen ihr die Oheime des Meleager, die Brüder ſeiner Mutter, die auch am Kampfe beteiligt geweſen waren, den Siegespreis. Meleager erſchlug ſie dafür, Althäa aber, zornig über den Tod ihrer Brüder, zündete jenes Scheit an, und Meleager ſtarb auf der Stelle.
Von rechts naht Meleager, mit einem dunkel⸗ blauen Tuch umgürtet, und überreicht Atalante den Kopf des Ebers, mit der Linken einen Jagdhund ſtreichelnd, der an ihm hinaufſtrebt. Atalante, in hellrotem Gewand, beugt ſich nach vorn und faßt mit beiden Händen den Kopf des Ebers, während ſie ihren leiſe beſchatteten Kopf mit freundlichem Blick zu Meleager aufrichtet. Meleagers Blick aber iſt ernſt und ſorgenvoll: er ahnt die Folgen ſeiner That. Dieſe deutet auch die hinter beiden aus einer Wolke auftauchende Erinnye an, die drohenden Blicks mit der Linken in ihr Schlangenhaar greift. Links hinter der Atalante ein derber Jagdgeſelle, der mit vollen Backen in ein Jagdhorn ſtößt: der Triumph über die gelungene Jagd. Auch dieſer Gegenſtand iſt wiederholt von Rubens behandelt worden, weil er ihm die gern geſuchte Gelegenheit bot durch die Nebeneinanderſtellung weiblichen Reizes und männlicher Kraft zu wirken(Knack⸗ ß S. 35).
Auch hier die lebhaften Farben blau und rot, die L. afte und lerſchiedene Karnation, die nach faſt 300
Tahreit Rinch Jo ffriſch erhaltenen Farben.
Saal IV enthält kein Bild von Rubens. Doch habe ich früher geſagt, daß er ſich in Italien hauptſächlich an Tizian und Paul Veroneſe bildete. So will ich wenigſtens auf die von dieſen herrührenden einzigen Originale unſerer Galerie in dieſem Saale aufmerkſam machen. Der Hauptthüre gegenüber hängt das einzige Original von Tizian(† zu Venedig 1576, alſo ein Jahr vor der Geburt des Rubens), das Bildnis eines Edelmannes(Nr. 488) in den beſten Mannesjahren, ganze Figur in Lebensgröße, links Amor, der nach dem auf einer Bodenerhöhung liegenden Prachthelm des Kava⸗ liers greift, rechts ein vortrefflich ſchön gemalter Jagdhund. Rechts vom Haupteingang oben von Paul Veroneſe († zu Venedig 1588, alſo 11 Jahre nach Rubens Geburt):


