Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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drücklich ward das Feuer erwiedert, ein Theil des feindlichen Geſchützes zum Schweigen gebracht. Am 5. Aug. ſprengte eine Bombe ein Pulvermagazin in die Luft, beſchädigte einen großen Theil der Stadt. Aber die Ruhr wüthete unter den kaiſ. Truppen, die kaum 70,000 M. zählten. Auch die Hälfte der Pferde war gefallen. Die Türken rückten mit ihren Laufgräben immer näher; bemächtigten ſich einer Höhe an der Save, konnten, ohne ihre große Armee zu ſchwächen, leicht ein Corps jenſeits des Fluſſes aufſtellen und dadurch die kaiſ. Armee im Fall eines Rückzugs in die größte Gefahr bringen; man wußte, daß der Vezier täglich den Tartar⸗Chan mit 30,000 M. erwarte; mußte ihm zuvorkommen, mußte handeln, ungeſäumt. Am 15. Aug. Nachmittags vertheilte E. an die Generäle die Dispoſition für die am andern Morgen zu liefernde Schlacht. Um Mitternacht ſtellte ſich die Armee auf, in feierlicher Stille, die Infanterie im Centrum, die Kavallerie auf beiden Seiten. E. blieb die ganze Nacht zu Pferde, wiederholte mündlich auf allen Punkten die gegebenen Befehle. Mit ganzer Seele hing die Armee an dem geliebten Feldherrn. Voll Vertrauen zu ihm, brannten die Soldaten vor Begierde, gegen den Feind geführt zu werden. Dichter Nebel lag auf der ganzen Gegend. Schon um 1 Uhr traf die Kav. des rechten Flügels auf den Feind. Unterſtützt von der Inf. des rechten Centrums, warf ſie ihn nach heftigem Kampf zurück. Bald darauf hatte das Gefecht auf der ganzen Linie begonnen. Auf dem linken Flügel erſtürmte die Inf. die feindlichen Laufgräben, füllte ſie mit den Leichen der Türken. Aber der Nebel ward immer dichter. Der rechte Flügel(die Kav. unter FM. Palffy, die Inf. unter FZM. Max Starhemberg,) verirrte ſich, gerieth in Unordnung. E. befahl der Inf. des linken Centrums(unter FM. Pr. Würtemberg und FZM. Gr. Harrach), ſich an ihn anzuſchließen und die Anhöhe im Mittelpunkt der feindlichen Stellung mit den darauf befindlichen Batterien wegzunehmen. Aber Berg und Batterien waren in Nebel gehüllt; dieſe Kolonne zog ſich zu weit rechts; es entſtand eine gefähr⸗ liche Lücke in der Mitte der kaiſ. Linie. Augenblicklich warf ſich der Feind in dieſe Lücke; aber auch ihn hinderte der Nebel, dies mehr zu benutzen. Gegen 8 begann der Nebel zu ſinken. Jetzt erſt konnte man die Stellung überſehen. Der Feind, der ſich im Centrum am ſtärkſten geſammelt hatte, drang nun mit ganzer Macht in die Flanken der heldenmüthig kämpfenden Truppen der FM. Gr. Palffy und Pr. Würtemberg. Gefährlich war die Lage; das Centrum durchbrochen, der rechte Flügel in die Flanke genommen, von der übrigen Armee getrennt. E. eilte, ſich ſelbſt an die Spitze des(vom FZM. Pr. v. Bevern kommandirten) zweiten Treffens der Inf. zu ſtellen; zog dem vordringenden Feind entgegen. Standhaft, ſiegesfreudig kämpften die Janitſcharen, wichen nicht zurück. Aber E. warf ſich mitten in die Gefahr; eine Elite von Deutſchen und Franzöſ. Freiwilligen umgab ihn, und die Truppen, den geliebten Feldherrn in den Reihen des Feindes erblickend, ſtürzten unaufhaltſam vor. Kav. kam zu Hülfe, warf ſich in die Flanken des Feindes. Er wich zurück; die Verbindung der kaiſ. Linie ward hergeſtellt, der Feind aus ſeinen Laufgräben vertrieben. Eine Batterie im Centrum der feindlichen Stellung hielt ſich noch; 20,000 Janitſcharen und 10,000 Spahi vertheidigten ſie. E. ließ 10 Grenadierkompagnien und 4 Bataillone, die Flanken durch 2 Regimenter Kav. gedeckt, gegen ſie marſchiren. Ganz geſchloſſen, mit klingendem Spiel, rücken ſie vor; halten das mörderiſche Feuer des Feindes aus, dringen mit dem Bajonet in die Batterie, werfen den Feind nach dem tapferſten Widerſtand zurück. Aus allen Laufgräben und Batterien vertrieben, leiſtete der Feind nur beim äußerſten linken Flügel und auf den Anhöhen gegen die Save noch Widerſtand. E. befahl dem linken Flügel, nur langſam vorzurücken, um ſich der Gefahr der Trennung oder eines Flankenangriffs nicht noch einmal auszu⸗ ſetzen. Mit dem Bajonet gingen ſie vor, nöthigten auch hier den Feind zu weichen. So auf allen Punkten ge⸗ worfen, verließen die Türken in Eile ihr verſchanztes Lager. Nach 9 Uhr Vormittags ſtellte E. die Armee auf den erſtürmten Anhöhen auf. Nur die leichten Truppen ließ er dem Feind nachſetzen. Unüberſehbar war die Beute. Eugen nahm für ſich wieder das Zelt des Veziers; alles Uebrige, außer den 131 Kanonen, 30 Mörſern, 51 Fahnen, 9 Roßſchweifen, gehörte den Soldaten, die der Reihe nach, in Kolonnen, in's Lager gelaſſen wurden. Die Türken verloren 13,000 Todte, 5000 Gefangene. Am 17. ſteckte die Beſatzung von Belgrad die weiße Fahne auf, am 18. ward die Kapitulation abgeſchloſſen. Die Türken zogen ab, ließen 535 Kanonen, 60 Mörſer in der Feſtung zurück. §. 10. Letzte Lebenszeit. Im J. 1733 begann der Polniſche Erbfolgekrieg. Eugen war lebhaft dagegen, daß der Kaiſer ſich dabei betheilige. Vergebens. Er erhielt das Kommando der Armee, machte die Feldzüge von 1734, von 1735; ward dann nach Wien berufen, um über die Friedensvorſchläge mit zu berathen. Anfangs April 1736 ward er ſehr krank; ward wiederhergeſtellt; ſo ſchien es wenigſtens. Am 20. April fuhr er Nachmittags zu ſeiner Freundin, Gräfin Batthyany; nichts zu Nacht, als er nach Hauſe kam. Ruhig lag er da, als am andern Morgen der Bediente in ſein Zimmer trat. Nach einer Stunde kam dieſer wieder. Regungslos war er noch immer. Er lebte nicht mehr.