Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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an ſteile Höhen. Um halb 5 ſollte angegriffen werden; aber durch Stürme, losgeriſſene Windmühlen waren die beiden Schiffbrücken ſehr beſchädigt und die vom linken Donauufer nachrückende Kolonne des FZM. Pr. Aler. v. Würtemberg aufgehalten, ſo daß der allgemeine Angriff erſt um 7 Uhr ſtattfinden konnte. Die 6 Bat. des Pr. v. Würtemberg gingen zuerſt vor, drangen bis an die ihnen gegenüberſtehende Batterie und nahmen ſie. Auf der ganzen Linie ward nun angegriffen. Schon begann der Feind zu weichen und leicht erkauft ſchien der Sieg, als auf einmal die Infanterie des rechten Flügels durchbrochen ward, die Unordnung ſich gegen den linken verbreitete und es den Türken möglich machte, wieder vorzudringen, die kaiſ. Infanterie nach den Verſchanzungen zurückzu⸗ drängen und letztere ſogar theilweiſe zu überſteigen. Eben durch die Verſchanzungen, aus deren Oeffnungen die Infanterie getheilt, in 8 Kolonnen, marſchiren mußte, war dieſe um ſo mehr gehindert geweſen, ſich raſch zu entwickeln, da die vorgeſchobenen Werke der Türken ihr ſo nahe waren. Dies hatte die Unordnung herbeigeführt. Aber Eugen ſah die Gefahr, ließ raſch die auf dem rechten Flügel ſtehende Kavalleriekolonne auf die vordringenden Janitſcharen einen Flankenangriff machen. Unterdeß hatte ſich an der feſten Haltung der Kavallerie des linken Flügels der Ungeſtüm der Spahi gebrochen; feſt geſchloſſen waren dieſe Deutſchen Reiter vorgedrungen, unauf⸗ haltſam, Alles vor ſich niederwerfend. Auch in der linken Flanke angegriffen, mußten die Janitſcharen an ihre Vertheidigung denken. Die Infanterie ordnete ſich wieder, warf den Feind auf ſeine eigenen Linien zurück. Die Türken wichen. Zweimal ſtellten ſie ſich noch auf den Höhen, wo ihr Lager war, wurden aber auch hier aus ihrer Stellung zurückgeſchlagen. Die Kavallerie floh zuerſt. Die verlaſſenen Janitſcharen folgten. Nach 5 Stunden, um Mittag, war die Schlacht entſchieden. Als der Großvezier, der bisher unbeweglich vor ſeinem Zelt bei der heiligen Fahne geſtanden, die Spahi fliehen ſah, ſtürzte er an der Spitze ſeiner Aga's den Feinden entgegen, ſank, von einer Kugel an der Stirne getroffen, vom Pferde; ward von den Fliehenden mitweggeführt, ſtarb am andern Tage in demſelben Karlowitz, wo der Friede mit den Venetianern geſchloſſen worden, den er muthwillig gebrochen. Reiche Beute fanden die Sieger. Das Zelt Ali's nahm Eugen; alles Andre ward den Truppen überlaſſen. Ge⸗ fallen waren die FML. von der Lanken und Baron Wallenſtein, als ſie vergebens bei den Verſchanzungen die weichende Infanterie zu ordnen verſuchten, und die Gen.⸗Wachtm. Grafen Honsbruck und Geulen; 3 andre Ge⸗ neräle waren verwundet. Auch den Tod des FML. Breuner hatte man zu betrauern., Mit Ketten an Hals und Füßen an des Großveziers Zelt angeſchloſſen, ward er von den Türken, als ſie die Schlacht verloren ſahen, in Stücke gehauen. Im Ganzen belief ſich der Verluſt der Kaiſerlichen auf 8000 M., der des Feindes auf 30,000. In der Nähe des mit Todten bedeckten Schlachtfeldes Krankheiten befürchtend, ließ Eugen am 6. die Arinee über die Donau in das frühere Lager zurückgehen. Im Kriegsrath ward die Belagerung von Temeswar beſchloſſen. Am 26. kam die Armee dort an; am 1. Sept. wurden die Laufgräben eröffnet. Am 12. Okt. verlangte die Be⸗ ſatzung zu kapituliren, verließ am 17. die Feſtung, die die Türken 164 Jahre lang behauptet. Eugen war den Winter über in Wien. Die Pforte machte große Rüſtungen für den Feldzug des J. 1717. Unweit Peterwardein ſammelten ſich wieder die kaiſ. Truppen. Seit dem 27. Mai war hier Eugen's Hauptquartier. Belgrad wollte er belagern. Am 15. Juni begann unweit Panczowa der Uebergang über die Donau; auf den gegenüberliegenden Höhen, bei Wisnitza, 1 ½ St. von Belgrad, lagerten die Truppen. Der Großvezier Chalil⸗Paſcha war mit 200,000 M. von Adrianopel her in Anzug. Man durfte nicht ſäumen. Am 19. rückte die Armee in 4 Kolonnen gegen Belgrad; bezog hier ein Lager, das rechts an die Donau, links an die Save ſtieß. An beiden Flanken waren Batterien, die dieſe Flüſſe beſtrichen; auf der rechten legte ſich die kaiſ. Flotille vor Anker. Mangel an Schanzzeug, namentlich an Holz, und eine ermattende Hitze erſchwerten und verzögerten die Eröffnung der Lauf⸗ gräben, den Fortgang der Belagerungsarbeiten. Erſt am 23. Juli war das Geſchütz in den Batterien. Jetzt ſpielten am Tag die Kanonen, Nachts die Mörſer, und bis zum 28. lag ſchon ein großer Theil der Waſſerſtadt in Aſche. Was aber den Muth der Belagerten aufrecht erhielt, war die Hoffnung auf die nahe Hülfe. In der That ſah man ſchon am 28. die erſten feindlichen Streifparteien. Am 1. Aug. näherte ſich das Heer des Veziers, ſchlug ½ Stunde von den kaiſ. Verſchanzungen ſein Lager auf, mit der rechten Flanke bis an die Donau, die linke gegen die Save, jedoch in beträchtlicher Entfernung von der letztern, ſo daß hier die Communikation fort⸗ während ungeſtört blieb und es im kaiſ. Lager an Proviant und Fourage nicht fehlte. Im Uebrigen waren die Belagerer jetzt Belagerte, hatten zugleich die Angriffe des 200,000 M. ſtarken Heeres und der Beſatzung abzu⸗ wehren, die 30,000 M. zählte. Von beiden Seiten ward auch das kaiſ. Lager ununterbrochen beſchoſſen. Nach⸗

Hennes, Prinz Eugen. 4