Aufsatz 
Prinz Eugen von Savoyen / von Johann Heinrich Hennes
Entstehung
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über den Rhein. Dem Kurf. von Baiern blieb nichts übrig, als ihnen zu folgen. Fünf Tage nach der Schlacht ſchrieb Marlborough an ſeine Gemahlin:In den verfloſſenen 4 oder 5 Tagen war ich in ſolcher Wallung, daß ich nothgedrungen dieſen Morgen mir eine Ader öffnen ließ. Nun, hoffe ich, ſoll das Blut ſich wieder legen. Es würde mir unendlich ſchwer fallen, wenn ich nicht dem gegebenen Stoß nachdrängen könnte, der mit jedem Tage ſich erfolgreicher zeigt; denn bereits finden ſich 11,000 Gefangene vor. Heute ſind Abgeordnete der Stadt Augsburg bei mir eingetroffen, die berichteten, daß geſtern früh die Franzoſen auszogen und ſomit das Baierland geräumt haben. Der Befehl iſt ſchon ertheilt, gemeinſchaftlich mit den Kaiſerlichen die Beſetzung vorzunehmen. Sind wir ſo glücklich, den Feind, der nun zuſammengeballt bei Ulm ſteht, von dort wegzudrücken, ſo muß er unbezweifelt auf das jenſeitige Ufer des Rheins. Dann wird uns die Welt das Zeugniß ertheilen, daß wir Alles gethan haben, was in ſo kurzer Zeit zu thun war. Heute hat das Geſammtheer ſeinen feierlichen Dank dem Allmächtigen für den jüngſt verliehenen Sieg abgeſtattet. Ich ſtimmte mit hocherhobenem Herzen bei, denn nie war ein Sieg voll⸗ ſtändiger. Beim Beginn des Feldzugs nach Baiern hatte er(am 29. Juni) an ſie geſchrieben:Du wirſt mir glauben, daß ich mit voller Seele und ganzem Herzen an dieſer Unternehmung hänge; weil nach aller Wahrſchein⸗ lichkeit der gute Erfolg mir das Glück verſchaffen wird, an Deiner Seite meine Tage ruhig und ehrenvoll zu enden. Glänzend über alle Erwartung ging M.'s Wunſch,ehrenvoll ſeine Tage zu enden, in Erfüllung. An allen Orten tönte nach der Schlacht bei Höchſtädt ſein Name in Liedern wieder. Der Kaiſer belehnte ihn mit dem Fürſtenthum Mindelheim, machte ihn zum Reichsfürſten, wie ihn die Königin von England ſchon früher zum Herzog erhoben. Die Königin und das Parlament ließen ihm in Woodſtockpark ein in jeder Weiſe großartig ausgeführtes Schloß, Blenheim(Blindheim) genannt, erbauen, worin auf Gemälden und Tapeten die Schlacht dargeſtellt. Laut und lebhaft ward ihm nicht blos vom Hof und Parlament ſondern in ganz England der Dank der Nation ausgeſprochen. Und wie viel Glorie, wie viel neue Lorbeeren warteten ſeiner noch!

§. 7. Caſſano. Turin. Toulon. Eugen und Vendome ſtanden einander wieder in Italien gegen⸗ über. Am 16. Aug. 1705 kam es am linken Ufer der Adda, Caſſano gegenüber, zur Schlacht. E. wollte Sa⸗ voyen zu Hülfe ziehen und den Uebergang über die Aoda erzwingen, die verſchanzte Schiffbrücke erſtürmen, die nach Caſſano führt. Im Rücken die Adda, vor ſich den mit ihr parallel laufenden großen Ritorto⸗Kanal, waren die Franzoſen aufgeſtellt. Durch den Kanal mußte man waten, um ſie anzugreifen. Nur an der rechten Seite führte eine Brücke hinüber. Zweimal ward dieſe erobert und verloren. Beim zweiten Angriff fiel der Gen. d. K. Gr. Leiningen. E. eilt herbei, ſtellt die Ordnung her, geht ſelbſt mit den Truppen vor. Der Feind weicht; bis zur Adda⸗Brückenſchanze dringen die Deutſchen. Aber friſche Truppen kommen aus Caſſano; Vendome iſt mitten unter ſeinen Soldaten, entflammte ihren Muth; die Deutſchen werden wieder zurückgetrieben. E. ſammelt die Weichenden, führt ſie von neuem zum Angriff. Vendome's Rock war von Kugeln durchlöchert, 2 Pferde unter ihm niedergeſtürzt, ein Theil ſeines Generalſtabs gefallen oder verwundet; ruhig und gelaſſen gab er ſeine Befehle, durch ſein Beiſpiel zu ſtandhafter Tapferkeit ermunternd. Blutig, hartnäckig war der Kampf; Eugen ward am Halſe, gleich darauf am Knie verwundet, mußte weggetragen werden. Lebhaft wird unterdeß auch auf dem linken Flügel gefochten, wo 8000 Preußen unter Leopold von Deſſau mit einem Theil der Truppen des Centrums trotz des feindlichen Feuers den Kanal durchwaten. Aber die Munition iſt nun durchnäßt, die Gewehre verſagen; ſie ſind im Nachtheil gegen die, welche ſie zurückgetrieben, die nun ihr Feuer verdoppeln. Zum Glück war es gelungen, Brücken zu werfen, ſo daß ſie den Rückzug über den Ritorto, der unvermeidlich geworden, antreten konnten. 4 Stunden hatte der Kampf gedauert. Die Deutſchen, nachdem ſie als Helden gekämpft, weichen von der Wahlſtatt, in guter Ordnung, vom Feind nicht verfolgt. Vendome hat die Addabrücke behauptet. Aber die Franzoſen zählten mehr Todte und Verwundete als die Deutſchen. Beide ſchrieben ſich den Sieg zu. Am Tage nach der Schlacht bezog E. bei Treviglio ein verſchanztes Lager. Beinah 2 Monate ſtanden ſich die beiden Heere gegenüber, einander be⸗ obachtend und nur auf den kleinen Krieg ſich beſchränkend. Den Winter war E. in Wien. Am 20. Apr. 1706 kam er wieder zur Armee. Den Tag vorher war FMéL. Gr. Reventlow, der unterdeß das Kommando geführt, bei Calcinato von Vendome überfallen und gänzlich geſchlagen worden. E. ließ ſich die Liſten jedes Regiments, jeder Compagnie geben; es fehlten 3000 M. Zu ſchwach, Vendome die Stirne bieten zu können, zog er ſich über die Etſch zurück, nahm eine feſte Stellung bei S. Martino unweit Verona, ſehnlich die Verſtärkungen erwartend. Unterdeß war der Herzog von Savoyen in der größten Gefahr; alle ſeine Feſtungen, die Hauptſtadt allein ausgenommen,