Elbe, zumteil auch noch vom rechten Elbufer, aus der Umgebung von Stassfurth, Wilsleben, Aschersleben und Aken.
Als Zeit ihrer Entstehung ist die erste Zeit der festen Ansiedelung anzunehmen, die ungefähr mit dem Beginn unserer Zeitrechnung zusammenfällt. Dies wird durch die Beigaben, die sich in den Gräbern fanden, vollauf bestätigt.
Alle weisen trotz ihrer rundlichen Urnenform auf eine länglich-viereckige Grund- form hin. Fenster sind nicht vorhanden. Die Türöffnung ist stets in der Mitte der einen Langseite angebracht.
Sie ist rundlich ausgeschnitten und konnte durch ein Vorsatzbrett verschlossen werden. Dieses wurde durch einen Vorstecker festgehalten, der durch zwei zu beiden Seiten der Türe angebrachte hervorspringende Leisten hindurchging.[Vgl. Abb. I u. III.] Die beiden Löcher über der Tür auf Abb. III lassen vermuten, dass das Vorsatzbrett in ihnen durch Holz-
pflöcke befestigt oder so angebracht war, dass es sich in die Höhe klappen und wieder herunterlassen liess.
Bei Abb. III sehen wir ferner unter der Tür eine Art Schwelle, auf der vielleicht das Vorsatzbrett aufsass. Bei Nr. II wurde dies von innen vor die Offnung gesetzt, bei Nr. IV von einem die ganze Tür umfassenden Rahmen festgehalten.
Das Dach bestand bei Nr. II offenbar aus Stroh, Ruten oder Schilf. Die übrigen lassen deutlich Dachsparren erkennen, deren Endpaare auf jeder Seite des Firstes diesen wie Hörner überragten.
Auf einer bei Achersleben gefundenen Urne zieht sich allem Anschein nach(Meitzen III Nachträge S. 590 f.) über dem Firstbalken ein zweiter hin, auf welchem zwei liegende Pferde, die Köpfe nach aussen gerichtet, angedeutet sind; der untere Rand des Daches ist mit acht hinreichend erkennbaren Pferdegestalten verziert.
Hören wir nun weiter, dass bei einer anderen, in der Gegend von Aken gefundenen Hausurne, die ihrer Form nach den unter I— III abgebildeten gleicht, unter dem Dachsims sich ein breites, durch Bemalung mit Kreide oder Kalk(ꝛ) hergestelltes weisses Band hinzog, so springt doch unwillkürlich die frappante Khnlichkeit in die Augen, die diese älteste und ursprüngliche Form des suevischen Hauses mit dem von Tacitus(Germania c. 16) geschilderten germanischen Hause aufweist. Und tatsächlich ist es auch das Haus der zwischen Rhein und Elbe wohnenden suevischen Herminonen, das Tacitus bei seiner Schilderung im Sinne hatte und
das ihm nach den Berichten seiner Gewährsmänner, römischer Offiziere und in Rom lebender Germanen, bekannt geworden war.
Nach dem Taciteischen Bericht und den in den Hausurnen gegebenen Grundlinien ent- wirft Stephani folgendes Bild des gemeingermanischen Hauses:
Die Germanen bewohnten, nachdem sie ihr Nomadenleben und Halbnomadenleben auf- gegeben hatten, teils in Einzelfarmen, teils in Haufendörfern die von der Natur am meisten begünstigten Landstriche. Zur Aufrichtung ihrer Wohnungen wurde unter Ausschluss jedweden gebrochenen oder gebrannten Steines lediglich Stammholz, und zwar in unbehauenem Zustande, verwendet. Die das Dach tragenden Ständer stellte man meist direkt in die Erde oder gab ihnen wohl auch in Gestalt eines erratischen Blockes, Feldsteines und dergleichen einen Fuss, seltener eine Unterlage in Form einer Schwelle; die Zwischenräume füllte man dann durch Lehmstaken aus, ihre Aussenfläche aber glättete man ab und verzierte sie an einigen Stellen,


