Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
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reicht tief bis in die Täler herab, hauptsächlich aus Buchen und Eichen bestehend, malerisch durchbrochen von leuchtenden Birken. Dazwischen Odland, von Brombeergesträuch überwuchert, aus dem das bunte Gestein hervorschimmert.

In den finsteren Wäldern haust noch der gewaltige Ur, Rudel von Hirschen und Rehen äsen in den Lichtungen. Herden von Wildschweinen suhlen sich in den Morästen und dringen zur Nachtzeit, wenn der Ruf der Eule die Stille des Tales unterbricht, in das urbargemachte Land der Ansiedler. Diese sind daher genötigt, gegen jene und andere ungebetene Gäste Gehöft und Feld mit einem Dornenzaun zu sichern. Ausgedehnter als der Ackerhau ist die Viehzucht. Rinder und Rosse finden in den Wiesengründen reiche Nahrung.

So mag es im frühen Mittelalter im Odenwald ausgesehen haben, dessen liebliche Täler und waldbekränzte Höhen heute den Wanderer unwiderstehlich locken und seine Wanderlust reichlich lohnen.

III. Kapitel.

Geschichte des Odenwälder Bauernhauses.

Zugleich mit der ihnen eigentümlichen Siedelungsweise brachten die Franken sicherlich auch ein Haus mit, das in seinen Grundformen bereits vollständig charakteristisch ausgebildet war.

Sicherlich fanden sie aber auch schon in dem verlassenen Gebiet und bei den zurück- gebliebenen Alamannen eine Hausform vor, die ebenfalls charakteristische Eigentümlichkeiten und Unterschiede aufwies.

Mit Bestimmtheit lässt sich annehmen, dass sich schon sehr früh, mit Beginn der festen Siedelung nach Aufgabe des Nomadenlebens, im Hausbau je nach der Stammesart und den durch Ort und Lebensweise bedingten Verhältnissen ausgeprägte Unterschiede entwickelten, die sich mit der Zeit zu festen Typen gestalteten.

Henning bezeichnet in der Einleituug zu seinemDeutschen Haus als den eigentlichen Kernpunkt der Hausforschung die Frage, ob es gelingt, eine gemeinsame Grundform zu ent- decken, durch welche alle späteren Formen des deutschen Hauses ihre Erklärung finden, ähn- lich wie die verschiedenen Sprachzweige sich auf eine Grundform zurückführen lassen. Nachdem aber der Nachweis erbracht scheint(Meitzen, II 688 f), dass das sächsisch-friesische Haus auf keltischen Ursprung zurückgeht, scheint die Verwirklichung dieses Henningschen Ideales ausgeschlossen.

Für das fränkische und alamannische Haus dagegen muss eine gemeinsame Grundform angenommen werden. Dies geht mit Gewissheit nicht nur aus der Khnlichkeit der beiden in den charakteristischen Grundideen hervor, sondern wird auch durch die Volksgeschichte bestätigt. Denn die unter dem Gesamtnamen Alamannen zusammengefassten Stämme sowohl, Semnonen und andere suebische Völkerschaften, als auch die chattischen Franken haben dieselbe Heimat, sie sind aus den Herminonen hervorgegangen.