Ortsnamen zu geben. Immerhin dürfte ein kurzer Überblick von Interesse sein. In erster Linie fällt eine kleine Gruppe von Ortsnamen auf, deren Prägung an die der ältesten Periode im fränkischen Stammland erinnert und die, in die neue Heimat mit herübergenommen, gewissermassen Reminiscenzen an die alte bilden.
Es sind Zusammensetzungen mit den in der Sprache längst erloschenen Worten aha (aqua), loh(lucus). und tar(Baum). Dahin gehören Lautern(Luddera-Ludderaha, am hellen Bache), Mossau(Mos-aha; ahd. mos= Moor, Sumpf), Rodau(Rotaha= roter Bach), Steinau(Steinaha), Bullau(urkundl. Buoloha aus Buochloha= zum Buchenwalde). Affolterbach und Affhöllerbach(beide von ahd. aphal, aphul= Apfel und tar= Baum gebildet), Mitlechtern uud Altlechtern(ersteres urk. Middelecdrun aus lac, lach— vgl. lachbuocha Cod. Laur. I, 153 und Lackbaum= Grenzbaum; lachus= incisio— und tar= Baum gebildet).
Eine weitere Gruppe von Ortsnamen bezieht sich auf Bodenbeschaffenheit und Lage der Siedelungen. Auch unter ihnen findet sich eine grosse Anzahl von solchen, die offenbar einer frühen Zeit angehören, wie Flockenbach(ahd: fluah, fluoch= Fluh, Flühe), Grein(mhd. grien= Gries, Sand. Kies), Hammelbach(mhd. hamel= abschüssiger Ort, Anhöhe), Kröckelbach(mhd. kreckel= kleine, krüppelige Waldung), Reisen (urk. Rüssen von mhd. ruzze= steiler Abhang), T raisa und Trösel(von ahd. mhd. treis, Triesch, Driesch= wüstes, unbebautes Land), Spachbrücken(ahd. spacha, spach= Reisig, Pfahl- und Flechtwerk), Zeilhardt(ahd. zil= Grenze).
Viele alte Wortbildungen weisen auch die Ortsbezeichnungen auf, die auf Tier- und Pflanzenwelt bezugnehmen, wie Auerbach(Urebach), Bieberau(Biberaha= Biber- bach), Beerfurth(ahd. ber= Schwein), Rimbach und Rimhorn(ahd. hrint= Rind), Birkert(Birkunhart), Aschbach(ahd. asc= Esche), Haisterbach und Hetsch-„ bach(ahd. mhd. heister= junge Buche), Höllerbach(mhd. holder= Hollunder).
Dasselbe ist der Fall bei den zahlreichen Ortsnamen, die auf die Bewässerung des Landes hinweisen, wie Hornbach(ahd. horo= Sumpf), Lauerbach(ahd. lura, mhd. lure= Schlamm, Morast), Modau(urk. Modach von mhd. mêot= Sumpf), Schlierbach (ahd. slier= Schlamm), Schöllenbach(mhd. schellen= tönen, tosen) u. a.
Bei weitem am zahlreichsten sind die Ortsnamen, die mit Personennamen zusammengesetzt sind; sie weisen in der Mehrzahl auf jüngere Siedelungen hin, jedoch sind auch alte nicht ausgeschlossen, wie Alsbach(urk. 805. von Altolf, Aldolf), Hiltersklingen(urk. 773 von Hiltiger und Klingen= Klingenbach von ahd. klingen= tönen) Liebersbach(urk. 877 von Liubheri) u. a.
Zusammensetzungen mit— kirchen und— rod zeigen Orte an, die von Kirchen, Klöstern und weltlichen Herren erst in späterer Zeit gegründet wurden, so Bedenkirchen, Neun- kirchen, Kirch-Brombach, Herchenrode, Nonrod, Bockenrod, Hassenrod u. a.
An der Hand der älteren Ortsnamen lässt sich übrigens ein ziemlich anschauliches Bild des Odenwaldes zur Zeit des frühen Mittelalters entwerfen. Augenfällig ist sein Wasserreichtum. Von allen Höhen, durch alle Schluchten eilt es sprudelnd und schäumend den Tälern zu. Diese können die Überfülle nicht fassen. Es bilden sich zahlreiche Sümpfe und Moräste, die stellen- weise an Furten überschritten werden können. Erlen, Eschen und Ulmen umsäumen Bäche und Moore. In den klaren Fluten des Gebirgswassers errichtet der Biber seinen kunstvollen Bau, huscht die muntere Forelle von Stein zu Stein. Dichter Wald bedeckt noch alle Höhen und


