Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
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in der Schenkungsurkunde der Mark Heppenheim v. J. 773(resp. 795) vor und wären demnach als bereits bestehende, ältere Siedelungen anzusprechen. Meitzen hält dem entgegen, dass in der erwähnten Urkunde die Namen nur als Berg- und Flussnamen anzusehen seien. Bei einigen, wie Steinach(Steinaha), mag dies seine Richtigkeit haben, für andere aber muss es entschieden bestritten werden. Die ersten Bestandteile, die Bestimmungsworte der Ortsnamen Gammels- bach und Igelsbach sind Personennamen, im ersten Fall Gamman, Gammanulf oder Gamenolf, im zweiten Igilo oder Egilo(Igilesbach). Wo sich aber Personennamen in Verbindung mit-bach finden, kann doch füglich nur an eine Niederlassung gedacht werden.

Winterkasten soll der Namen eines Berges sein. Ein solcher wird aber nirgends er- wähnt und ist im Odenwald unbekannt, es erscheint auch höchst zweifelhaft, ob sich für einen Berg die Bezeichnung Kasten finden lässt, während doch so viele andere Bezeichnungen zu Gebote standen. Jedenfalls ist sie für die ältere Zeit nicht nachweisbar. Das ahd. und mhd. chasto bedeutet Speicher, Scheune. Kasten ist in diesem Sinne heute noch in Schwaben gebräuchlich; vielleicht haben wir in dieser Zusammensetzung einen Hinweis auf eine alaman- nische Siedelung. Winterkasten bedeutet daher eine Scheune, die zur Aufbewahrung der Winterfrucht diente. Wahrscheinlich ist darin eine Zehntscheune zu sehen. Die zurückgebliebenen Alamannen sowohl als die zugewanderten und als Königsleute angesiedelten Franken hatten einen Zehnten an den König zu zahlen.

Die drei erwähnten Namen scheinen daher zu den älteren oder ältesten Ortsnamen zu gehören und besonders Winterkasten wenig glücklich als typisch für die von Meitzen angenommenen grundherrlichen Waldhufen gewählt zu sein.

Wie mit den drei angeführten mag es sich übrigens auch noch mit anderen in diesem Zusammenhang erwähnten Niederlassungen verhalten. Hiltersklingen z. B. heisst in der Urkunde über die Heppenheimer Mark Hiltigersbrunno, vom Personennamen Hiltiger, Hildeger, und bezeichnet ebenfalls eine sehr alte Siedelung.

Es ist daher, wie aus diesen PErörterungen hervorgeht, kaum möglich, aus dem Flurbild die Datierung einer Siedelung herzuleiten. Eine solche ist annähernd sicher nur an der Hand der Urkunden möglich; aber auch diese lassen uns häufig im Stich, denn sie gehen nicht über die 2. Hälfte des 8. Jhd. zurück.

Ebensowenig lässt sich natürlich aus dem Flurbild ein Schluss ziehen, ob wir es mit einer fränkischen oder alamannischen Niederlassung zu tun haben.

II. Kapitel.

Die Ortsnamen.

Nachdem wir im vorausgehenden Kapitel gesehen, wie seit der fränkischen Invasion am Ende des 5. Jahrhunderts der Odenwald teils von Franken, teils von zurückgebliebenen Alamannen bewohnt wurde, wäre es sicherlich vom grössten Interesse, den Umfang des beider- seitigen Besitzstandes festzustellen, um mit einiger Gewissheit erklären zu können, wo wir es mit fränkischen, wo mit alamannischen Siedelungen zu tun haben.