aber damit hatte der römische Einfluss im ehemaligen Zehntland auf dem rechten Rheinufer sein Ende erreicht.
Unter der Römerherrschaft hatte sich dort ein reges, vielgestaltiges Leben entwickelt.
Die bunte Mannigfaltigkeit der Bevölkerung konute einer raschen Romanisierung nur günstig sein, und im Anschluss an die militärische Okkupation entwickelte sich ein reger Handel, es entstanden zahlreiche bürgerliche Niederlassungen, römische Villen und Bäder erhoben sich in stattlicher Anzahl, römische Veteranen bauten sich auf den ihnen angewiesenen Grundstücken an, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass selbst germanische Ansiedler unter römischem Schutz in volkstümlicher Siedelungsweise geschlossene Ortschaften anlegten. Von diesem regen Leben blieb der Odenwald selbst fast unbeeinflusst. Die römische Besiedelung beschränkte sich im ganzen auf das in gallischer Zeit bewohnte Gebiet, wenn auch die Limesanlagen da und dort im Innern des Gebirges einige Ansiedelungen hervorriefen, wie wir schon in vorrömischer Zeit vereinzelte Spuren hier angetroffen haben. Der eigentliche Gebirgsstock, im Norden etwa- durch die Linie Bensheim-Erbach-Amorbach, im Osten durch die Linie Amorbach-Eberbach begrenzt, zeigt aber so gut wie keine Besiedelungsspuren.(K. Schumacher, die Besiedelung des Odenwaldes und Baulandes in vorrömischer und römischer Zeit. Neue Heidelberger Jahr- bücher VII. 1897).
Am längsten ist offenbar der Westabhang des Odenwaldes mit dem röm. Reich in Ver- bindung geblieben. Das beweisen die vier ungeheuren Granitsäulen der Basilika, die Konstantin d. Gr.(324— 337) in Trier erbauen liess. Die Übereinstimmung in Farbe, Korn und Festigkeit beweisst, dass diese nirgends wo anders herstammen können, als aus den Granitbrüchen des Felsbergs im Odenwald, wo noch eine fünfte, genau entsprechende, aber nicht ganz fertig behauene Säule liegt, im Volksmund die„Riesensäule“ genannt.
Daraus geht hervor, dass die Römer noch im ungestörten Besitz dieser Steinbrüche sowohl, als auch des Transportweges nach dem Rhein gewesen sein müssen, denn, wie Meitzen(I, 400) richtig bemerkt, hätte an das Aufsuchen, Anfertigen und Transportieren so kolossaler Baustücke im Feindesland kein Baumeister denken können. Offenbar sind dann die Römer mitten im Be- trieb gestört worden, davon zeugt nicht nur die unfertig zurückgelassene Säule, sondern auch zahlreiche Felsblöcke, welche deutliche Bearbeitungsspuren durch Steinsäge und Meisel aufweisen.
Die Kämpfe der Römer mit den Alamannen spielten sich in den Ebenen des Mains und des Neckars ab, es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, dass unterdessen in den Tälern und auf den Höhen des Gebirges, wohin die Römer nicht vorzudringen wagten, die alamannische Besiedelung seit dem 3. Jhd. ungestört vonstatten ging. Bildete doch gerade das Gebirge mit seinen undurchdringlichen Wäldern und sumpfigen Tälern eine Art Citadelle, von der aus die Ala- mannen ihre Vorstösse gegen die Römer in aller Ruhe vorbereiten konnten und wo sie stets eine sichere Zuflucht fanden.
Fragen wir nach der Ansiedelungsweise der Alamannen, so war ihnen eine ausschliesslich bevorzugte Ansiedelungsmethode ebensowenig eigen, wie den übrigen germanischen Stämmen. Für die Art der Niederlassung war das Gelände, die Ortlichkeit entscheidend und massgebend. (W. Schultze, die fränk. Gaugrafschaften, S. XIX.)
In der Ebene haben wir in volkstümlicher Weise angelegte geschlossene Dörfer mit Gemenglage der Grundstücke anzunehmen, im Gebirge die für den Odenwald heute noch charakteristischen Weiler und Einzelhöfe. UÜber diese Siedelungsweise erhalten wir wertvolle Aufschlüsse durch Ammianus Marcellinus(XVII, 1), der den Feldzug des Julian(361— 363)


