Nur soviel sei beiläufig erwähnt, dass, wie aus den Grabfunden hervorgeht, bereits vor der Einwanderung der Gallier die Vorhöhen des Rhein-, Main- und Neckartales und einzelne Odenwaldtäler von zerstreut hausenden Horden einer unbekannten, vielleicht finnischen Bevölkerung zeitweilig und spärlich bewohnt waren.(Vgl. K. Morneweg in„der Odenwald“ von G. Volk S. 283 f.) In der keltischen Zeit wurde die Besiedelung dichter und rückte von Osten her dem Gebirgsstock des Odenwaldes näher. Dieser selbst jedoch blieb von der Besiedelung noch ausgeschlossen, wenn man auch annehmen muss, dass nicht nur am Rand und auf den Vorhöhen, sondern schon mehr im Innern des Gebirges Ringwälle und Volksburgen in Zeiten der Gefahr zeitweilig Schutz boten. Aus diesen Gründen verbietet sich die Annahme keltischer Ortsnamen im Odenwald von selbst. Etwas anderes ist es freilich mit den Flussnamen.
Ungefähr um das Jahr 100 v. Chr. müssen die Kelten germanischen Stämmen, die von Norden nach Süden vordrängen, weichen. Einzelne Reste halten sich indes noch in den östlichen Grenzgebieten bis in das 1. Jhd. n. Chr., wie die Toutonen bei Miltenberg, die Santonen bei Walldürn und die Kubier bei Obernburg.
Ob Scharen der Teutonen und Kimbern den Odenwald berührten, bleibt immerhin höchst zweifelhaft, hat auch auf unsere Untersuchung ebensowenig Einfluss wie die Frage, ob es Marko- mannen waren, die im letzten Jhd. v. Chr. die Vorhöhen des Odenwaldes inne hatten, ehe sie nach Böhmen wanderten. Jedenfalls waren aber schon vereinzelte Scharen nomadisierender Sueben südlich des Mains und am Neckar anzutreffen, wie die civitas Sueborum Nicretium, der Neckar- sueben, mit dem Vorort Lupodunum(Ladenburg) beweist. Ausser Germanen sassen aber auch noch zahlreiche Gallier in der Gegend, teils Reste der früheren Bevölkerung, teils neue Ein- wanderer, die über den Rhein kamen, wie aus der bekannten Stelle des Tacitus(Germ. 29) hervorgeht.
Im Zeitalter des Augustus erscheinen die Römer; die dauernde Okkupation vollzieht sich aber erst unter Vespasian und Domitian.
Es kann unsere Aufgabe nicht sein, die einzelnen Etappen der Besitzergreifung des sog. Dekumatenlandes zu verfolgen; es sei nur erwähnt, dass zu seinem Schutz der limes von Domitian nach seinem Siege über die Chatten begonnen und von Traian, Hadrian und Antoninus Pius ausgebaut wurde.
Für den Odenwald ist besonders die Mümlinglinie von Bedeutung mit den Kastellen bei Neckarburken, Oberscheidenthal, Schlossau, Hesselbach, Würzberg, Eulbach, Hainhaus, Lützelbach und Wörth a. M.— Auch als die Befestigungslinie an den Main verschoben wurde, wurde diese innere Linie der Sicherheit halber noch beibehalten.
Aber lange hatten sich die Römer im Dekumatenlande der Ruhe nicht zu erfreuen.
Im Anfang des 3. Jhd. erscheinen mehrere vereinigte Völkerschaften suebischen Stammes unter dem Namen Alamannen(&byeauòec aνν½ορορσον α dec— ein zusammengelaufenes Mischvolk— erklärt ihn Asinius Quadratus) am Main und werden 222 von Caracalla besiegt, auch Maximinus Thrax scheucht sie 235 noch einmal von den Grenzen zurück. Aber nicht lange darauf er- greifen sie Besitz von dem ganzen Dekumatenland, und um 250 bricht die Römerherrschaft auf dem rechten Rheinufer zusammen. Allerdings macht Probus(276— 282) noch einmal einen Vorstoss gegen sie und drängt sie vorübergehend über den Neckar zurück, Julian kämpft mit ihnen unter ihren Häuptlingen Suomar und Hortax, wahrscheinlich zwischen Mümling und, Main, und Valentinian schlägt sie 368 in den blutigen Treffen bei Ladenburg und Schwetzingen


