Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 2. Teil
Entstehung
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Mi der Behandlung des achten und neunten Buches der herodotischen Geschichte betreten wir dasjenige Gebiet, auf welchem das welthistorische Schauspiel des griechischen Freiheitskampfes den Höhepunkt der Entwicklung und damit die grösste Kraft seiner Wirkung auf menschliches Denken und Empfinden erreicht.

Es handelt sich um weltgeschichtliche Entscheidungs- schlachten. Die Machtverhältnisse der bedeutendsten Staaten ¹) wurden hier bestimmt, dem Geschicke der Menschheit neue Bahnen gewiesen. Nur einmal hat die griechische Stadt- verfassung die Probe bestanden, nur einmal hat sie eine welt- geschichtliche Aufgabe grossen Stiles glatt gelöst, und das war hier. Durch den Sieg der Griechen wurde das politische Uebergewicht von Asien auf Europa übertragen, von dem es seitdem nicht mehr gewichen ist.

Bei einer übersichtlichen Betrachtung zur Auswahl des Stoffes aus dem achten Buche könnten sich die Kapitel 126, welche die Kämpfe bei Artemisium erzählen, als erste sachliche Einheit auch für die Behandlung in der Schule empfehlen. An die erste Begegnung der beiderseitigen Streitkräfte zur See knüpft sich immerhin ein gewisses Interesse. Indes die für die Herodotlektüre zur Verfügung stehende Zeit und die Rück- sicht auf den Grundsatz, aus dem Guten immer nur das Beste herauszugreifen, lässt uns eine andere Entscheidung treffen. Wir ziehen mündliche Berichterstattung des Lehrers für diesen Abschnitt vor und beginnen mit der Lektüre der im Kap. 40 42 und 49 55 enthaltenen Einheit(Einnahme Athens).

Uebrigens versagen wir uns nicht, den Kapiteln 2, 3, 22, 24, 25 einen kurzen Besuch abzustatten. Er lohnt sich durch- aus. In Kap. 2 und 3 interessiert uns die Führerfrage. Die Verhandlungen darüber und die schliesslich getroffene Ent-

¹) Sehr verdienstlich wäre die Herstellung einer Schulwandkarte über die Weltlage zur Zeit des Entscheidungskampfes vom Jahre 480, auf der man ausser einer Uebersicht über die Verteilung des Machtgebiètes aller politischen Staaten eine klare Anschauung gewinnen könnte von dem zum Perserreich gehörigen bewohnten Kulturland einerseits und den unter der Hoheit des persischen Reiches stehenden Wüsten- und Steppengebieten andererseits. Der Entwurf, den Bduard Meyer dem dritten Band seiner Geschichte des Altertums beigegeben hat, könnte als Grundlage dienen.

VIII, 2 u. 3.