Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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versicht, Zueifel und Ungeicißheit, bittere Enttäuschung, empfindlichste Rat- und Hohynungslosigkeit, Ohnmacht und Mut, zuletzt Erlösung durch das Anerbieten eines VFerräters.

Im einzelnen verdienen folgende interessanten Züge hervorgehoben zu werden. Leonidas war von vornherein zum Opfertod bereit. Daher die Auswahl von dreihundert Männern, die alle Söhne in der Heimat zurückließen.(&xlm◻ςα ε⁴αρμ νκρ έõνραςα ts οꝓα zatsorso- Gras Tpty²oeion xàl roiat Srb-, ſ2νον xαεοεςα vrsc, Kap. 205.) Schon daraus ist der Schluß erlaubt, daß es dem Leonidas nicht auf einen militärisch zu rechtfertigenden Vorstoß ankam, sondern lediglich auf eine kriegerisch ehrenvolle That. Vor allem aber ließ sich Leonidas in seinem Verhalten durch den Inhalt des Orakel- spruches bestimmen(Kap. 220). Er hielt es mit seiner militärischen Ehre und mit seiner Liebe zum Val⸗uland für unvereinbar, dem Opfertod aus dem Weg zu gehen.(& E/sty sösεαιςα επmυπmηv r-y räst und später: atc Artsyaot eee fety, Kap. 220.)

Die Griechen führen den Persern gut sichtbar vor der Schlacht noch gymnastische Ubungen aus und schmücken sich zum Kampfe wie zu einem Feste¹)(vgl. Xen. An. III, 2, 7 Ssvoρν 2viratxt ra,SvO x 6NSB,Ov 6 55vAo 26Ara vrX., wo wir auch die nähere Begründung dieser Gepflogenheit erfahren. Ebenso be- kränzt sich Chirisophus beim UÜbergang über den Kentrites. Ibid. IV, 3, 17); dagegen müssen die Perser mitunter durch Geißelhiebe vorwärts getrieben werden(Kap. 223). Was Leonidas für Heldenmut hält, ist dem Xerxes in seinem UÜbermut nur Thorheit und Un- verschämtheit(ot ꝓᷣαiνοντο dναι⁸si s zarl 2oXi ievo: béysty Kap. 210). Des Demaratus Auseinandersetzungen finden bei Xerxes auch jetzt noch keinen Glauben(Kap. 209 und 210). Die Perser schlagen sich notgedrungen sehr tapfer(Ertrro? ‿oi. àD d εοναπαασσννχν sἀάσ⁵υάQ aiενεκ εεκανικαμᷣ ροοπσεαεονεετ Kap. 210), was man nicht erwarten sollte; denn innere Beweg- gründe zur Tapferkeit fehlen ja durchaus, aber 3ri e o Trtsbvse rOy TaX& EJOytS LH.eti- ρ⁴αeνακι‿ειον va kvda, del« r S00 Srorpbvoytss(Kap. 223). Auf die Zahl der Menschenopfer kommt

¹) Es wäre viel darüber zu sagen, welchen Wert die Hellenen auf alles gelegt, was die Idee der Schönheit in ihren Herzen zu erwecken ge- eignet war. Man könnte sie vorzugsweise das Volk der Schönheit und Kunst nennen. So trieben sie selbst die fürchterlichen Geschäfte der Schlachten mit einem Sinne, der noch im Momente des Todes des Schönen eingedenk war, und mit Anstand zu fallen gehörte unter ihre Bestrebungen um ein rühmliches Ende. Die Spartaner schmückten sich zur Schlacht, wie zu einem Feste, und die schönen und malerischen Stellungen, zu welchen die Künste der Ringschule Gelegenheit gaben, waren selbst an Fechtenden im Kampfe zu schauen, ohne daß man mit Schauspielerstudium auf dergleichen ausgegangen wäre. Denn die Virtuosität erreichte dies Volk in allem gerade deswegen, weil es nicht auf Effekte ausging.) Weber, Die elegischen Dichter der Hellenen, Frankfurt a. M., 1826, S. 640 ff.

Helm, Herodotlektüre. 6