Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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Das Geburtsfest Sr. Majestät des deutschen Kaisers wurde mit einer Schulfeier in hergebrachter Weise be- gangen; Instrumentalvorträge, Gesänge und Deklamationen der Schüler wechselten mit einander ab, und Kollege Rudershausen stellte in seiner Festrede der Versammlung das Gottvertrauen und die Arbeitsfreudigkeit des seligen Kaisers Wilhelm I. als die Wurzeln seiner Grösse dar.

Am 12. Februar promovierte Gymnasiallehrer Dr. Jung bei der philosophischen Falkultät der Universität Tübingen auf Grund seiner DoktordissertationCäsar in Aegypten, historisch-kritische Untersuchung.

Vom 14. bis 16. Febrnar besuchte der hochw. Herr Bischof in Begleitung des Herrn Domkapitular Dr. Selbst das Gymnasium, um sich von dem Stande des katholischen Religionsunterrichtes in allen Klassen zu überzeugen.

Abgesehen von kürzeren Erkrankungsfällen im Lehrerkollegium waren im Laufe des Monats Februar be- sonders für die erkrankten Herren Prof. Klein, Freund und Grünschlag vVertretungen anzuordnen. Im Kreis der Schüler traten hauptsächlich in der Vorschule und hier in besonders zahlreicher Weise in der Klasse III O Krank- heitsfälle an Masern, Mumps, Husten u. s. w. auf.

Die am 7. März unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrats Soldan abgehaltene Reifeprüfung beehrte auch Se. Excellenz Herr Wirkl. Geheimerat von Knorr mit seiner Gegenwart. Vom 12. März bis zum 17. April wurde der Lehramtsassessor Dr. Schwarz zu einem Aufenthalt in der französischen Schweiz und in Frankreich beurlaubt-

Am 26. März wurde das Winterhalbjahr mit einer Schulfeier beschlossen, bei welcher zuerst das Melodrama Columbus aufgeführt und dann die Abiturienten mit einer Ansprache des Direktors entlassen wurden.

Schon am Schlusse des Winterhalbjahres konnte der Gesundheitszustand einiger Mitglieder des Lehrer- kollegiums Besorgnis erregen. Die Ruhe der Osterferien hatte leider bei dem Lehramtsassessor Dr. Schneider und dem Lehrer der Vorschule Grünschlag nicht die erhoffte Wirkung gehabt. Beiden musste zur Wiederher- stellung der Gesundheit ein längerer Urlaub bewilligt werden. Aus Mangel an verfügbaren Lehrkräften und in- folge anderer widriger Umstände konnte zunächst für keinen der beiden Kranken ein Stellvertreter ernannt werden, so dass das Sommerhalbjahr mit einer empfindlichen Störung des Unterrichtsbetriebs beginnen musste.

Die Osterferien währten vom 27. März bis 18. April, an welchem Tage das Sommerhalbjahr anfing. Am 10. Mai fänd der zur Erinnerung an den Frankfurter Frieden angeordnete Ausflug aller Klassen statt. Je nach dem Ziel kamen einige Klassen in den Regen, doch zeigten sich glücklicherweise nirgends schädliche Folgen. Vom 2. Mai an fehlten in täglich zunehmender Weise von den Schülern der neu aufgenommenen Vorschulklasse eine Zahl, die bis zum 16. Mai(mit 22 von 50) ihren Höhepunkt erreichte; auch diesmal war bei der Mehrzahl die Erkrankung an den Masern die Ursache des Fehlens; gegen Pfingsten trat wieder der gewöhnliche Gesundheitszustand ein.

Am 21. Mai wurde der Lehramtsassessor Dr. Dippel auf Grund seiner AbhandlungQuae ratio intercedat inter Xenophontis historiam Graecam et Plutarchi vitas, quaeritur von der philosophischen Fakultät der Univer- sität Giessen zum Doktor promoviert.

Durch Dekrete vom 11. Mai wurden die Lehramtsassessoren Dr. Schneider und Dr. Schwarz definitiv zu Lehrern am hiesigen Gymnasium ernannt.

Der von der kgl. bayerischen und grossh. hess. Regierung angeordnetearchäologische Anschauungskursus begann am 29. Mai in Würzburg und endigte am 8. Juni in Mainz in hergebrachter Weise unter der Leitung des Geh. Oberschulrats Soldan und des Univ.-Prof. Dr. Sittl aus Würzburg. Als Prklirer der hiesigen Sammlungen war dabei thätig Prof. Dr. Körber, Teilnehmer am Kursus war Dr. Jung.

Vom Schlusse der Pfingstferien an(6.22. Juni) musste Gymnasiallehrer Dr. Wittich wegen plötzlicher Erkrankung vertreten werden. Dieser Krankheitsfall hat in Verbindung mit dem vorerwähnten des Dr. Schneider hauptsächlich auf den Unterricht der Klassen im alten Gymnasium recht ungünstig gewirkt. Glücklicherweise war es möglich geworden, für den beurlaubten Lehrer Grünschlag einen Stellvertreter in der Person des Schul- gehülfen Justus Dexheimer vom 6. Juni an bis zum Schluss des Sommerhalbjahres zu ernennen, so dass von jenem Zeitpunkt an der Unterricht der Vorschule wieder ordnungsmässig eingerichtet war.

Im Gymnasium und in der Vorschule trat neue Störung ein durch die Einberafung der Grossh. Gymnasial- lehrer Braun und Dr. Reeb und des Lehrers Schmidt an der Vorschule zu militärischen Uebungen. Leider verlief für den Ersteren eine Uebung am 13. Juli recht unglücklich, indem er infolge eines Sturzes mit dem Pferde sich schwere Verletzungen zuzog. Wir dürfen die begründete Hoffnung hegen, dass die Heilung einen guten Verlauf nimmt. Durch die endlich möglich gewordene Bestellung eines Stellvertreters für Dr. Schneider in der Person des Lehramtsaccessisten Weisser und ferner des Schulgehülfen Zahn, konnte der Unterrichts- betrieb in Gymnasium und Vorschule weitergeführt werden.

Von den 18 Schülern, welche im Winter bei Lehrer Schöpp die Gabelsberger'sche Stenographie erlernten, beteiligten sich während des Sommers 10 an den Uebungen in der Schnellschrift.