Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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ungeheure Massen getrockneter Heringe, die infolge der zahlreichen kirchlich gebotenen Fasten überall in Deutschland in groſsen Mengen verbraucht wurden. Jede grössere deutsche Seestadt hatte ihren besonderen Lagerplatz auf Schonen, Fitte genannt, aber den ansehn- lichsten wiederum Lübeck. Er lag bei Falsterbo und war mit einer Kirche verbunden, die den Deutschen auch als Begräbnisstätte diente. England, das im 13. Jahrhundert noch sehr wenig Schiff- fahrt und Gewerbe trieb, brachte fast ausschliefslich Wolle und Häute auf den Markt und bezog dafür flandrische Tuche, rheinischen Wein und andere Dinge. Aus Flandern endlich und Nordfrankreich führten die Lübecker feine Tuche und Teppiche aus, sowie alles, was der Süden auf den dortigen Markt lieferte, Gewürze besonders Pfeffer, den man damals überall im Abendlande massenhaft verbrauchte, Feigen, Mandeln, Rosinen, Reis und Baumwolle.

Zu Lande liefen von Lübeck drei Hauptstralsen aus, nach Ham- burg im Südwesten, nach Mecklenburg im Osten und über die Elbe nach Lüneburg im Süden. Hier schieden sich dann die Wege nach Magdeburg, Braunschweig, Hannover und Westfalen. Solcher Haupt- handelsstraſsen sind uns aus dem Osten noch mehrere bekannt. An sie war der Verkehr ein für allemal gebunden, teils um die Zoll- einkünfte der Landesherrn sicher zu stellen, teils um die reisenden Kaufleute besser schützen zu können; niemand durfte sie pei hoher Strafe umgehen und etwa einen Nebenweg einschlagen, um eine Zollstätte zu vermeiden. Eine vielbenutzte Stralse der Art führte z. B. vom preufsischen Ordenslande durch Groſspolen nach dem mittleren Deutschland; sie berührte die Städte Thorn, Gnesen, Posen, Bentschen und Guben und besaſs, soweit sie durch Polen ging, drei Zollstätten, an denen die Kaufleute einen bestimmten Teil vom Werte ihrer Waren als Zoll zu entrichten hatten. Der Verkehr auf ihr und die Abgaben waren für den Orden und seine Unterthanen durch einen Vertrag, den er schon im Jahre 1238 deshalb mit Polen abschlols, genau geregelt.

Einen so ausgebreiteten Handel wie Lübeck hatte nun freilich nicht einmal eine Stadt des Mutterlandes, geschweige denn des eben erschlossenen Ostens aufzuweisen. Am nächsten kamen ihm hier wohl an der Küste Rostock, Stralsund, Stettin, Elbing und Riga und im Binnenlande Breslau, Posen, Thorn, Görlitz und Preiberg. Vor allem Breslau scheint schon um 1260 eine recht ansehnliche Handelsstadt gewesen zu sein; es hatte Verbindungen nach allen