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Aufmerksamkeit und Fürsorge des Fürsten und seiner Beamten für das Wohl der Untertanen, namentlich des geringen Mannes auf dem Lande, die unermüdliche und umsichtige Tätigkeit des Regenten, der mit warmfühlendem Herzen zu helfen und zu be- wahren suchte, was in seinen Kräften stand, wenn auch die Kriegs- ereignisse sich oft mächtiger erwiesen. Diesen rühmenswerten Eigenschaften des Landgrafen gegenüber berühren die von seinen Gegnern angewandten Kampfmittel um so unangenehmer; gerade- so wie bei seinem Vater suchte man auch Georgs religiöses Be- kenntnis zu verdächtigen und beschuldigte ihn der Hinneigung, wenn nicht gar des Uebertritts zur katholischen Kirche ¹06.
In einer Hinsicht scheint Georg allerdings der von ihm Jahre lang eingehaltenen Politik ungetreu gworden zu sein; er schloss sich nämlich im Jahre 1659 dem„rheinischen Bunde“ an, einem Bündnis, das unter Führung des Erzbischofs von Mainz eine Anzahl Fürsten des Reiches mit Frankreich und Schweden eingegangen waren, angeblich zur Aufrechthaltung des westfälischen Friedens, tatsächlich zur Behauptung der drohenden Stellung Frank- reichs am Oberrhein und Schwedens an der See, sowie auch der Freiheit der Reichsfürsten und des Reichsfriedens. ¹0- Für Georg II. hat offenbar bei dem Anschluss an diesen Bund der Gedanke an die Erhaltung des Friedens als Beweggrund eine grosse Rolle gespielt; ihn wollte er auf jeden Fall für seine Lande, die mehr wie irgend andere durch den furchtbaren Krieg mitgenommen worden waren, erhalten wissen. Nur bei möglichst langer Dauer des Friedens konnten die entkräfteten Länder sich erholen, konn- ten die bedeutenden Schulden getilgt werden. Fürsorge für sein Land hat also den Landgrafen veranlasst, sich diesem Bunde an- zuschliessen, weniger ist hierin eine Spitze gegen das Haus Habs-
müht war, Hanau den Schweden und ihrem General Ramsay zu entwinden. Man bedenkt dabei aber gar nicht, dass er als Landesherr der südl. an Hanau anstossenden Obergrafschaft Katzenelnbogen u. der nördlich davon ihm ver- pfändeten Grafschaft Isenburg im Interesse seiner gequälten Untertanen alles versuchen musste, um diesen„Pfahl im Fleische“ zu beseitigen. Denn bei der von Ramsay geübten Kriegsführung, die allerdings durch die Verhält- nisse ihm aufgezwungen war, war die schwedische Garnison von Hanau zu einer wahren Geissel für die ganze Nachbarschaft geworden.— Vgl. Wille, Hanau i. 30. Kriege; er vertritt durchaus den schwedischen Standpunkt, so dass er immer, wenn er auf Georg II. zu reden kommt, bitter und scharf wird. Widerlegung u. Richtigstellung bei W. Matthäi, Landgr. Georg II. u. Jakob Ramsay. AHG. NF. I, 783 ff.— L. Frohnhäuser, die Schweden in Mainz, AHG. NF. I, 7 ff.— Gotthold, d. Schweden in Frankfurt a. M. Jahresber. d. Klingerschule 1885.
¹03 Vgl. Tholuck, Lebenszeugen der luther. Kirche(1859), S. 81 ff. Be- sonders zu rühmen ist seine Fürsorge für die Schulen(Volksschulen, höhere Schulen, Universität), s. W. Diehl, Landgr. Georg II., S. 45— 59, 76— 85.— W. Diehl, die Schulordnungen im Grossh. Hessen, 3 Bde, Berlin 1905.
10⁄ W. Boehm, d. Rheinbund u. s. Geschichte. Z. f. preuss. Gesch. u. Landeskunde Bo. V.— A. Cheéruel, ligue ou alliance du Rhin 85.— E. Joa- chim, die Entwicklung d. Rheinb. 86.— A. F. Pribram, Beitr. z. Gesch. d. Rheinb. 87.— Rommel, HG. IX, 239—255.


