Aufsatz 
Entwicklungsgeschichte Hessen-Darmstadts. 1. Teil. Vom Tode Philipps des Großmütigen bis zur französischen Revolution
Entstehung
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Beginn des Die so zu Tage getretene Entfremdung zwischen den Land-

503. Krieges. grafen Moritz und Ludwig V. wurde noch gesteigert durch die von ihnen eingenommene politische Stellung. Es war die Zeit, da unser deutsches Vaterland in zwei politisch-religiöse Parteien geteilt war, die sich nur zu bald in den offenen Feldschlachten des dreissigjährigen Krieges gegenübertreten sollten. Wie das Haupt der lutherischen Fürsten, der Kurfürst von Sachsen, schloss sich Ludwig V. eng an den Kaiser und das Haus Habsburg an; Moritz dagegen war eines der tätigsten Mitglieder der Union und, als der Kampf offen losbrach, halb geneigt, sich den Feinden des Kaisers anzuschliessen. Je bessere Aussichten seine Darm- städter Verwandten für ihre Ansprüche gewannen, um so mehr musste Moritz aber auf die Seite getrieben werden, nach der er in Politik und Religion von jeher neigteé?. Offen die Gegenpartei des Kaisers zu ergreifen, hielt ihn wohl vor allem die Erschöpfung seiner Kassen ab, sowie die Weigerung der Landstände zu Kriegs- rüstungen Gelder zu bewilligen.

In dem hessischen Erbschaftsstreit selbst trat durch die un- ruhigen Zeitverhältnisse, wie sie der dreissigjährige Krieg brachte, unwillkürlich eine Pause ein. Die treue Anhänglichkeit an den Kaiser, die Ludwig V. nicht gestattete, einem Bündnis der Union beizutreten, dessen Spitze gegen den Kaiser gerichtet war, konnte ihn allerdings nicht davor schützen, dass sein Land im böhmisch-pfälzischen Kriege schwer heimgesucht, er selbst gefangen genommen wurde!o. Bezeichnend war die dabei von Moritz eingenommene Haltung; sein Darmstädter Vetter hatte gemäss der Erbeinigung ihn gebeten, im Interesse der gemein- samen Wohlfahrt Hessens den Herzog Christian von Braun- schweig, denLandesverderber, dentollen Herzog durch gütliche Vorstellungen oder mit Gewalt an dem Einbruch in hes- sisches Gebiet zu hindern. Aber austatt dem an ihn gerichteten Verlangen Folge zu leisten, liess jener den Herzog ungehindert durch sein Land ziehen und unterstützte ihn noch mit Lebens- mitteln; er gab damit deutlich kund, wie er gesinnt war. Der bald aus der Gefangenschaft des Pfalzgrafen auf Zureden des Kasseler Vetters und der evangelischen Fürsten überhaupt wieder

so Nur von diesem Gesichtspunkte aus wird man auch die von Moritz angestrebten religiösen Reformen richtig deuten, er nahm sie vor, nicht als ob er geradezu die lutherische Kirche in die reformierte hätte umwandeln wollen, sondern um dem Gedanken der Union gemäss u. im Hinblick auf die gemeinsame Gefahr, die von den katholischen Mächten drohte, der Gesamt- richtung der von ihm eingeschlagenen Politik getreu zu bleiben, cf. Lenz, s. Art. über Moritz i. ADB. 22.

ꝛo Ueber seine Gefangenschaft vgl. Rommel, HG. V, 204 209. L. Schädel a. a 0. Ueber die Kriegsschäden d. Oberfürstentums 1622 A. Roeschen, QBl. NF. I, 352/55. K. v. Reitzenstein, der Feldzug des Jahres 1622 am' Oberrhein u. in Westfalen bis z. Schlacht v. Wimpfen, Wimpfen 1891. J. O. Opel, d. niedersächs.-dänische Krieg. 2 Bde. Halle-Magdeburg 1872/78. Wetterfelder Chronik a. a. O.