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Die Sommerferien begannen am 11. Juli und schlossen am 18. August. Wegen des deutschen Turnfestes, das in der ersten Ferienwoche abgehalten wurde, begann die Schule erst eine Woche später, um denjenigen, die zum Zwecke der turnerischen Vorführungen in Frankfurt geblieben waren, keine Verkürzung der Ferien eintreten zu lassen.
Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers wurde in herkömmlicher Weise durch Deklamation patriotischer Gedichte und durch Vortrag ebensolcher Lieder begangen. Die Festrede hielt Herr Dr. Josef Breuer. Das von Sr. Majestät zur Auszeichnung eines besonders pflichttreuen Schülers geschenkte Buch„Deutschlands Seemacht“ von Wislicenus, wurde nach Konferenzbeschluss dem Primaner M ax Meyer zugesprochen.
Der Gesundheitszustand der Schüler sowohl als der Lehrer war im abgelaufenen Schuljahr, besonders im Wintersemester, kein befriedigender. Es kamen unter den Schülern viele Scharlach-, Masern- und Influenzafälle vor. Auch innerhalb des Lehrerkollegiums gab es so häufige Erkrankungen, dass es oft kaum möglich war, den regelmässigen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Insbesondere bedauern wir, dass Herr Widmann wührend der Dauer von vier Monaten nicht im Stande war, seinen Unterricht zu erteilen.
Auch einiger Todesfälle haben wir leider zu gedenken. Am 18. November ver- schied nach kurzem Krankenlager Herr Oberlehrer Professor Rönnberg, der seit fast 30 Jahren an der Schule tätig gewesen und aufs innigste mit ihr verknüpft war. Noch zwei Tage vor seinem Tode hatte er seinen Unterricht voll und ganz gegeben. Da die sterb- lichen Reste des Heimgegangenen nach seinem Geburtsorte überführt werden sollten, ver- sammelte der Unterzeichnete am 20. November die Schule in der Aula, um dort eine Trauerfeierlichkeit abzuhalten. Er hob besonders die pünktliche Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue des Heimgegangenen, der nur für die Schule gelebt habe hervor, und ermahnte seine Schüler und Schülerinnen, das Andenken des Verblichenen dadurch zu ehren, dass sie in seinem Sinne sich zur Pflichttreue erzögen. Der Verlust, den die Schule mit seinem Heimgange erlitten, ist ein empfindlicher. Die Verdienste, die er sich um die naturwissen- schaftlichen Sammlungen erworben hat, können gar nicht genügend in diesem kurzen Abrisse gewürdigt werden.
Noch ein zweiter Verlust hat uns im Laufe des Winters betroffen. Am 24. Dezember verschied unerwartet Herr Israsl Rosenthaler, nachdem er schon fast 2 Jahre sein Amt nicht hatte versehen können und deshalb vor etwa Jahresfrist in den Ruhestand ge-
treten war. An seinem Grabe gab der Unterzeichnete den Gefühlen der Trauer, die das gesamte Kollegium und alle seine Schüler beseelte, Ausdruck und suchte die Verdienste, die er sich um viele Schülergenerationen erworben hatte, hervorzuheben. Die zahlreiche Trauer- versammlung, die es sich nicht hatte nehmen lassen, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, legte beredtes Zeugnis für dessen Wirksamkeit ab.
Innig betroffen wurde unsere Schule auch durch den Tod eines Mannes, der zwar im eigentlichen Sinne dem Lehrerkollegium nicht angehörte, aber doch der Schule, an der er mit ganzem Herzen hing, auch dadurch seine Liebe bewiesen, dass er, ein vielbeschäftigter Kaufmann, sein reiches Wissen in ihren Dienst stellte. Herr Jacob EL. Posen war als- bald nach Umgestaltung der Selekta dem Wunsche der Schulleitung, die an ihn mit der Bitte herangetreten war, den Unterricht in Kunstgeschichte in der genannten Klasse zu er- teilen, auf das bereitwilligste entgegengekommen. Es waren nicht nur seine seltenen Kennt- nisse auf diesem Gebiete, sondern auch die Freudigkeit und Hingebung, mit der er schon


