Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / von Theodor Hartwig
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Der Unterzeichnete ſchenkte der Schule zu ihrem Jubiläum die Büſte des Kaiſers. Die Büſte des Kronprinzen wurde aus den für die Feſtfeier geſammelten Mitteln angeſchafft.

Aus den etatsmäßigen Fonds wurde eine Mineralienſammlung erworben und das Karten⸗ cabinet durch Anſchaffungen beträchtlich bereichert.

VII. Ordnung der öffentlichen Prüſung. Freitag den 19. September 1879.

2 3 Prima. Latein. Der Director. Mathematik. Prof. Diemer. 3 4 Secunda. Latein. Diemer. Mathematik. Dr. Glänzer. 4 5 Tertia A. Latein. Waldeck. III real. Engliſch. König.

Sonnabend den 20. September 1879. Morgens 7 Uhr Andacht. 7 8 III A und B. Mathematik. Dr. Glänzer. III B. Latein. Leiß. 8 9 IV Latein. Dr. Glänzer. Geſchichte. Waldeck. 9 10. V Latein. Angermann. Rechnen. Angermann. 10 11. VI Latein. Leiß. Rechnen Wettſtädt.

vIII. Mittheilungen der Schuſe an das Elternhaus.

Die Aufforderung, welche mein Amtsvorgänger in dem letzten Schulprogramm an die Eltern und Angehörigen unſerer Schüler richtete, nach Kräften dazu mitzuwirken, daß die Ge⸗ fahren, mit welchen das Verbindungsweſen auch in unſerer Anſtalt die Entwicklung der Schüler bedrohte, beſeitigt würden, iſt leider nicht von dem erwünſchten Erfolge begleitet geweſen. Es wurde in dieſem Sommer nothwendig, gegen eine Schülerverbindung mit Strenge einzuſchreiten und eine größere Anzahl Gymnaſiaſten entweder auszuweiſen oder mit anderen ſchweren Strafen zu belegen. Allein alle Strenge wird nicht im Stande ſein, dieſem Unweſen auf die Dauer ein Ende zu machen, wenn nicht die Angehörigen der Schüler ſelbſt der Anſtalt ihre Mitwirkung zu dieſem Zwecke leihen. Leider begegnet man aber ſelbſt bei den Eltern noch gar häufig der Anſicht, daß ſtrenge Maßregeln in einem ſolchen Falle wenig angebracht ſeien, da man der Jugend doch auch ihr Vergnügen laſſen müſſe und das Verbindungsweſen doch eigentlich nichts ſei als eine ziemlich harmloſe Spielerei, die höchſtens etwas Geld koſte. Es iſt dies eine Auffaſſung, welche, wie die Dinge jetzt liegen, nicht genug bekämpft werden kann. Sie mag wohl in früheren Zeiten den hieſigen Schulvervältniſſen gegenüber bis zu einem gewiſſen Grade berechtigt geweſen ſein. Jetzt iſt ſie dies entſchieden nicht mehr. Wer Gelegenheit hat den Einfluß zu beobachten, welchen das Verbindungsleben auf die Schüler übt, der kann nicht mehr im Zweifel darüber ſein, daß hier die Symptome einer ſchweren ſittlichen Krankheit vorliegen. Die Wirkungen derſelben äußern ſich natürlich graduell verſchieden, am ſtärkſten bei denen, welche ſich mit ganzer Seele in dieſes Treiben hineinwerfen. Nicht allein, daß ſolche Schüler ſich häufig in Conflict mit der Schulordnung ſetzen und namentlich eine bedenkliche Neigung zu häufigem Wirthshausbeſuch und zu einer Genußſucht an den Tag legen, welche ſich wenig verträgt mit den Anforderungen, die die Schule an den Fleiß und die ſittliche Führung ihrer Zöglinge zu ſtellen hat: am verderblichſten zeigt ſich jedenfalls

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