Aufsatz 
Das dreihundertjährige Jubiläum des Gymnasiums / von Theodor Hartwig
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und ſang ſtehend einen Vers desHeil dir im Siegerkranz. Mit gleicher Begeiſterung wurde eingeſtimmt in das Hoch, welches der Herr Landesdirector auf Se. Durchlaucht ſelbſt ausbrachte. Der folgende Trinkſpruch ebenfalls von Sr. Durchlaucht ausgebracht galt der Jubilarin, der Schule. In die gehobenſte und freudigſte Stimmung aber wurde die Feſtverſammlung durch Verleſung dreier Telegramme verſetzt, welche Ihre Dnrchlaucht die Fürſtin, Ihre Majeſtät die Königin von Holland und Ihre Königliche Hoheit die Prinzeſſin Wilhelm von Württemberg geſandt hatten. Die Worte des Dankes, welche der Unterzeichnete an die Verleſung der Tele⸗ gramme knüpfte, und das Hoch, welches er den Fürſtlichen Damen widmete, fanden begeiſterten Wiederhall. Den nächſten Trinkſpruch brachte Herr Provinzial⸗Schulrath Rumpel auf den gegenwärtigen Leiter des Gymnaſiums aus. Dieſer dankte und antwortete anknüpfend an das Rückertſche Wort:Wenn die Roſe ſelbſt ſich ſchmückt, ſchmückt ſie auch den Garten mit einem Hoch auf die wohlgerathenen Kinder der alma mater Corbacensis. Herr Pfarrer R. Seehausen, Mitglied des Curatoriums, gedachte des Provinzial⸗Schul⸗Collegiums zu Caſſel und feierte den gegenwärtigen Vertreter der Behörde durch ein ausgebrachtes Hoch. Herr Conſiſtorialrath Al- bracht aus Wernigerode, früher Mitglied des Conſiſtoriums zu Arolſen und Schulreferent, ließ die anweſenden drei letzten Directoren des Gymnaſiums hochleben, Profeſſor Orth aus Berlin toaſtete auf die Stadt Corbach und Director Dr. Genthe pries endlich mit Worten warmer Aner⸗ kennung die Verdienſte der Damen. Erhöht wurde die Feſtſtimmung noch durch den Geſang einiger Feſtlieder, deren altbekannte Töne in mancher Bruſt Erinnerungen an längſt geſchwan⸗ dene Zeiten weckten.

Um 8 Uhr fand das Feſtmahl ſein Ende. Se. Durchlaucht der Fürſt ſchied mit dem huld⸗ vollſten Ausdruck ſeiner Befriedigung über den ganzen Verlauf der Feier. Die Feſtlichkeiten des Tages ſchloſſen mit einem Balle, zu welchem Jung und Alt aus Stadt und Land ſich zahl⸗ reich zuſammengefunden hatte. Auch der nächſte Tag vereinigte noch viele Feſtgäſte zu einem Frühſtück und Nachmittags zu einem Concert in dem Feſtlocal. Noch manche alte Erinnerungen wurden ausgetauſcht und manch altes Freundſchaftsband von neuem feſter geknüpft. Se. Durch⸗ laucht der Erbprinz betheiligte ſich an der Feier bis zu ihrem Schluſſe. 9

Dies die kurze Schilderung des Feſtes, welches in ſeinem ganzen Verlauf durch keinen Mißklang eine Störung erfuhr. Noch lange wird es gewiß in der Erinnerung aller Theilnehmer fortleben.

Zum Schluſſe des Berichtes noch eine Aufzählung der aus Anlaß des Jubiläums erſchiene⸗ nen Druckſchriften! Die eigentliche Feſtſchrift hatte ſchon während ſeines Directoriums an dem hieſigen Gymnaſium Profeſſor Dr. Genthe zum größten Theile ausgearbeitet und ſie in dan⸗ kenswerther Weiſe ſpäter vollendet. Sie enthält eine Geſchichte der Stadt Corbach und einen Abriß der Gymnaſialgeſchichte. Profeſſor Diemer hatte zur Feier ein carmen saeculare gedichtet. Von auswärts giengen ein: von Rector und Senat der Univerſität zu Marburg eine Votivtafel, von Herrn Gymnaſial⸗Director Dr. Münscher zu Marburg eine von ihm im Namen ſeines Lehrercollegs verfaßte Abhandlung über den hiſtoriſchen Charakter der Gymnaſien, von dem Gymnaſium zu Rinteln eine epistula gratulatoria, von dem Gymnaſium zu Caſſel eine Votiv⸗ tafel, endlich von Herrn Gymnaſialdirector Dr. C. Goebel zu Soeſt, einem früheren Schüler des

hieſigen Gymnaſiums, eine lateiniſche Diſſertation de conjunctione Quom.