II. Chronik des Gymnasiums.
Von den Kriegsstürmen, welche im vorigen Jahre einen grossen Theil von Deutschland erschüttert haben, ist die Stadt Rinteln nicht unmittelbar berührt worden, und wir dürfen es als ein Glück preisen, dass unsere An- stalt während des vergangenen Schuljahres ihre Thätigkeit ohne äussere Störungen ununterbrochen fortführen konnte. Wenn aber auch die kriegerischen Bewegungen selbst an uns vorübergegangen sind, so haben wir doch an den Wir- kungen und Ergebnissen des Krieges Theil, indem wir nach Aufhebung der Selbstständigkeit Kurhessens und Ver- bindung desselben mit der Preussischen Monarchie nun- mehr einem grösseren Staatsganzen angehören und Preussens König als unseren Landesherrn verehren. Am 18. März 1867 leisteten alle Lehrer der Anstalt den neuen Diensteid in der durch die Königliche Verordnung vom 22. Januar vorgeschriebenen Form, und am 22. März feierte das Gym- nasium zum ersten Male den Geburtstag Seiner Majestät des Königs Wilhelm I. Im grossen Hörsaale wurden von Schülern Chorgesänge, mit Declamation von Gedichten abwechselnd, vorgetragen. Die Festrede hielt Dr. Braun. Eine grosse Anzahl von Angehörigen der Schüler und Freunden der Anstalt hatte sich zur Theilnahme an der Feier eingefunden..
Das Schuljahr wurde nach Abhaltung der Aufnahme- prüfungen am 9. April mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet. Tags darauf nahm der Unterricht seinen Anfang. Das Sommersemester schloss am 18. September mit einer Prüfung der Klassen und mit Entlassung der zur Univer- sität abgehenden Schüler. Das Wintersemester begann am- 8. Oktober.
Eine längere Unterbrechung erfuhren die Lehrstunden des Directors dadurch, dass derselbe vom 2. bis 25. Juli und vom 13. bis 20. August nach Beschluss Kurfürstlichen Ministeriums der in Fulda zusammentretenden Schulcom- mission für Gymnasialangelegenheiten beizuwohnen hatte.


