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V. Zur Geſchichte der Rnſtalt. (Oſtern 1906 6is Oſtern 1907.)
Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 24. April und ſchloß Samstag den 22. September 1906 Das Winterhalbjahr begann Dienstag den 9. Oktober 1906 und wird Mittwoch den 20. März 1907 ſchließen.
. Mit Beginn des Sommerhalbjahrs wurde Herr Dr. Carl Ausfeld*) als Oberlehrer angeſtellt die Herren Jakob Müller, Richard Vogel und Johannes Adler ſchieden als Lehramtsaſſeſſoren aus dem Vorbereitungsdienſt aus.— Mit Beginn des Winterhalbjahrs ſchieden drei Lehrer vyn uns. Herr Profeſſor Dr. Staudinger wurde auf ſein Nachſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen treuen Dienſte in den Ruheſtand verſetzt, nachdem er ſieben Jahre an unſrer Anſtalt gewirkt hatte. Herr Profeſſor Dr. Eger verließ unſre Anſtalt, wo er ſeit Oſtern 1892 tätig geweſen war, um die Direktion des Progymnaſiums und der Realſchule zu Alzey zu übernehmen. Herr Turnlehrer Völſing, deſſen Tätigkeit als Hilfslehrer an unſrer Anſtalt bis ins Jahr 1868 zurückreicht, ſah fich durch ſeinen Ge⸗ ſundheitszuſtand gezwungen, dies Nebenamt aufzugeben. Herr Rabbiner Dr. Selver ließ ſich nach längerer vorausgegangener Beurlaubung bereits am 1. Auguſt 1906 mit Rückſicht auf ſeine Geſundheit ven der Stelle des israelitiſchen Religionslehrers unſrer Anſtalt entheben; er hatte ſie ſeit Januar 1890 ekleidet.
An Stelle des Herrn Profeſſor Staudinger trat Herr Lehramtsaſſeſſor Theodor Ranft, an Stelle des Herrn Profeſſor Eger Herr Lehramtsreferendar Dr. Wilhelm Schmidt. Die Stunden des Herrn Völſing ſind vorläufig unter andere Mitglieder des Lehrkörpers verteilt. Die israelitiſche Religionsſtunde der unteren Abteilung hält Herr Kantor Simon weiter; für die mittlere und obere Abteilung ſind keine Schüler vorhanden.
Am 25. Oktober wurde uns Herr Lehramtsaſſeſſor Wilhelm Friedrich zur Beſchäftigung als Volontär zugewieſen; er wurde aber bereits am 7. November 1906 wieder abberufen zur Verwaltung einer Lehrerſtelle an dem Gymnaſium zu Offenbach.
Herr Profeſſor Laufer mußte zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit für die Monate Januar, Februar und März beurlaubt werden; er wurde durch Herrn Kaplan Kaſtell vertreten. Andere Herren wurden während kürzerer Krankheiten durch Mitglieder des Lehrkörpers vertreten, ebenſo Herr Dr. Neßling während einer 14 tägigen militäriſchen Uebung vom 12. bis 25. Juni 1906. Für Herrn Aſſeſſor Ranft, der vom 1. März 1907 ab zu einer achtwöchigen militäriſchen Uebung einberufen iſt, wurde uns Herr Lehramtsreferendar Wilhelm Jakob zugewieſen.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatte die Gnade, am 25. November 1906 Herrn Ober⸗ lehrer Profeſſor Dr. Matthäi das Ritterkreuz I. Klaſſe des Philipps⸗Ordens zu verleihen und Herrn Stadtrechner Daub den Charakter als Rechnungsrat zu erteilen, ferner die Herren Oberlehrer Kiſſinger und D. Dr. Preuſchen am 1. April, bezw. am 1. Oktober 1906 zu Profeſſoren zu ernennen.
Die Reifeprüfung unſrer Herbſt-⸗Abiturienten fand am 12. September 1906 unter dem Vorſitz des Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel, die der Oſter⸗Abiturienten am 1. und 2. März 1907 unter dem Vorſitz des unterzeichneten Direktors ſtatt. Es beſtanden 15, bezw. 22(ſ. die Namen unter IV d).
Der Sedantag wurde in üblicher Weiſe(diesmal Samistag den 1. September) durch Ausflüge gefeiert.— Als am 8. November kurz vor Beginn der Schule Kanonendonner die Geburt des Erb⸗ großherzogs verkündete, verſammelte der Direktor die ganze Schule im Feſtſaal, gab der allgemeinen, hohen Freude über dies langerſehnte, bedeutungsvolle Ereignis Ausdruck und erklärte dann dieſen Tag zum Feiertag.— Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde am
*) Carl Ausfeld, geboren 1877 zu Schlitz, Kreis Lauterbach, beſuchte bis 1889 die Privatſchule ſeiner Heimatſtadt, war von Herbſt 1889 bis Oſtern 1892 Zögling der Salzmannſchen Erziehungsanſtalt Schnepfenthal, und beſuchte dann das Gymnaſium zu Hildburghauſen bis Oſtern 1896. Er ſtudierte von Oſtern 1896 bis Oſtern 1901 in Gießen und Berlin klaſſiſche Philologie und Geſchichte und promovierte in Gießen mit der Diſſertation „De Graecornm precibus quaestiones“. März 1901 bis Oſtern 1902 war er als Aſſiſtent am Thesaurus linguae latinae in München tätig. Tarauf begann er ſeinen Vorbereitungsdienſt mit einer Verwendung am Herbſt⸗ ymnaſium zu Mainz; im Auguſt trat er in das Seminar am Neuen Gymnaſium u Darmſtadt ein, wo er von Reujahr bis Oktober 1903 eine Lehrerſtelle verwaltete. Nach Ableiſtung ſeiner Militärpflicht erhielt er die Ver⸗
waltung einer Lehrerſtelle am Gymnaſium zu Laubach; von dort wurde er am 16. Januar 1906 an das Ludwig⸗ Georgs⸗Gymnaſium verſetzt.


