Aufsatz 
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
Entstehung
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Prinz Kasimir machte den Feldzug, nachdem er zu seiner Ausrüstung zuvor eine eilige Reise in die Heimat unternommen hatte, unter der Leitung des Königs mit. Sein Regiment gehörte zur Besatzung der Festung Wismar, die von 4000 Dänen im Juli des Jahres 1715 ein- geschlossen und belagert wurde. Als auch Hannover im Oktober eine förmliche Kriegserklärung gegen Schweden erlassen und mit Russland einen Allianztraktat abgeschlossen hatte, stiessen 4000 Hannoveraner unter dem General Pentz zu den dänischen Truppen vor Wismar und endlich vereinigte sich auch noch ein preussisches Kontingent von gleicher Stärke mit dem Belagerungs- korps. Die Kapitulation von Stralsund war für die Belagerer günstig, während es den Schweden in den letzten Tagen des Jahres gelang, eine für das gefallene Stralsund bestimmte Schiffsladung Proviant glücklich in den Hafen von Wismar zu bringen. Vergeblich hoffte Prinz Kasimir mit den eingeschlossenen Offizieren auf Ersatz durch Karl XII. Doch dieser war erschöpft. Als die Verbündeten im Frühjahr 1716 die Einfahrt in den Hafen mit Baumstämmen sperrten, im April auch noch 12 000 Russen nördlich von der Stadt ihr Lager aufschlugen und alle Vorräte in der Stadt aufgezehrt waren, schien jeder weitere Widerstand aussichtslos. Wismar, das letzte Boll- werk Schwedens auf dem Kontinente, musste sich nach tapferer Verteidigung am 19. April der Uebermacht der Alliierten ergeben, und der Landgraf hatte abermals das Unglück, samt seinem Regimente in Kriegsgefangenschaft zu geraten. Hierdurch wurde auch seinen schwedischen Diensten ein zwar nicht unrühmliches, aber leider doch allzufrühes Ende bereitet. Denn der unglückliche Zustand, in dem sich Schweden nach dem Tode Karls XII. befand, zwang die schwedische Staatsregierung zur äussersten Sparsamkeit!¹) und erlaubte ihr nicht länger, ein solch zahlreiches Militär zu unterhalten, wie es unter dem kriegerischen König Karl der Fall gewesen war. Zu den Regimentern, die nach Beendigung des Krieges eingezogen wurden, gehörte auch das Regiment des Landgrafen Kasimir.²) Um seine stolzen Erwartungen und die Aussicht auf kriegerischen Ruhm vom Kriegsglück abermals schmählich betrogen, reiste der Landgraf am 27. April als Kriegsgefangener von Wismar nach Oebisfelde. Eine unmittelbar sich anschliessende Reise führte ihn in Angelegenheit seiner Gefangenschaft mit dem Droste Herold nach Berlin und letzteren in gleicher Sache nach Leipaig.

Die Jahre 1716— 21 werden in dem Leben des Prinzen fast ununterbrochen durch zahl- reiche Reisen ausgefüllt, die er im Interesse des Gesamthauses und in eigenen Angelegenheiten durch den grösseren Teil Norddeutschlands, durch Mitteldeutschland und wiederholt an den Rhein unternahm. Der Landgraf, der von Jugend auf ein ebenso erfahrener als geschickter Jäger war, huldigte dabei in ausgedehntem Masse seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, wovon sein noch erhaltenes, genau geführtes Jagdbuch interessante Kunde gibt. Auf diese Zeit des unruhigen, unbefriedigten Hin- und Herreisens von Hof zu Hof bezieht sich wohl in erster Linie die un- mutige Bemerkung des Landgrafen in seinen„Erinnerungen“, dass er die meiste Zeit seines Lebens„come vagabond dans le monde“ zugebracht habe. ¹)

¹) Die Ausgaben betrugen unter Karl XII. jährlich über 100 Millionen Mark; die ordentlichen Einkünfte reichten dazu nur auf 14 Tage aus; ausserdem hatte der König 105 Millionen wertlose Notmünzen prägen und Papiergeld drucken lassen. Vgl. Philippson, Das Zeitalter Ludwigs des Vierzehnten, S. 500.

²) de Verdy du Vernois: Histoire généalogique et chronologique de la sérénissime maison de Hesse-Hom- burg, Berlin 1791, S. 131.

³) In die Jahre 1716— 1721 fallen folgende grössere Reisen des Prinzen: Abreise Jahr 1716. 3. Juli. Von Oebisfelde über Braunschweig, Wolfenbüttel nach Kassel; von hier mit Mylord Wraton über Marburg, Giessen, Hungen nach Braunfels und Homburg. 2. September. Von Homburg nach Oebisfelde; von hier nach Hötensleben und zurück.

17. Oktober. Von Oebisfelde über Celle, Bremen, Delmenhorst, Oldenburg nach Varel zum Besuche des Grafen

Anton von Oldenburg.