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wartete Hilfe ausblieb, erobert, und die kleine tapfere Besatzung— 9 Bataillone unter dem Kommando des Grafen Hompesch— musste sich ergeben. Auch Prinz Kasimir teilte das Los der übrigen und fiel in französische Kriegsgefangenschaft. Doch erlangte er kurze Zeit darauf von dem Marschall v. Villars einen Freipass, der ihm und seinem Gefolge nach verpfändetem Ehrenworte freies Geleite auf drei Wochen zusicherte.1) Der Landgraf reiste zur Armee zurück und von hier weiter nach Homburg, da er seinem Worte gemäss in diesem Jahre und bis zu dem— bereits im nächsten Jahre erfolgten— Friedensschlusse keine Kriegsdienste mehr tun durfte.
Die unfreiwillige Musse, zu der sich Prinz Kasimir verurteilt sah und die er in seinem stürmischen Tatendrang nur ungern ertrug, benutzte er zu verschiedenen Reisen. Am Ende des Jahres 1712 reiste er nach Oebisfelde und im Januar des neuen Jahres über Magdeburg nach Schwerin. Von hier besuchte er Hamburg und hielt sich einen Monat lang dort auf. Im Mai begleitete er seinen Wohltäter, den erkrankten Herzog Friedrich Wilhelm von Schwerin, auf einem Teil des Weges nach dem Bade Schwalbach, von dessen Quellen der Fürst vergeblich Heilung erhoffte. ²)
Im Sommer weilte der Prinz zur Jagd an den Höfen zu Homburg, Braunfels und Hungen; im Winter 1713/14 treffen wir ihn wieder in Oebisfelde, wo er sich— abgesehen von kürzeren Reisen nach Schwerin, Rostock und Berlin— bis zum Anfang des Jahres 1715 aufhielt.
In diesem Jahre bot sich dem Landgrafen nach der Rückkehr Karls XII. aus der Türkei die ersehnte Gelegenheit, in schwedischen Kriegsdiensten am Nordischen Kriege teilzunehmen. Im März 1715 ernannte ihn der Schwedenkönig, zu dem Kasimir im gleichen Jahre auch in verwandtschaftliche Beziehungen ³) getreten war, zum Obersten eines National-Leib-Regimentes zu Fuss. Am 12. März war der Prinz vom Hofe zu Schwerin über Rostock nach Stralsund gereist, um sich dem König vorzustellen; am 19. März kehrte er von da wieder zurück. Als er halbwegs Rostock war, kam ein Expresse vom Herrn von Malsburg, der ihm die Ernennung zum Obersten überbrachte, worauf er sofort nach Stralsund zum König zurückreiste. Der Land- graf schien am Ziele seiner Wünsche angelangt zu sein und ahnte im entferntesten nicht, welches Schicksal seiner wartete. Denn nur eine kleine Armee vermochte Karl XII., wie man sich erinnert, der gewaltigen Uebermacht seiner Gegner entgegenzustellen. Die Preussen, im Bunde mit Dänemark und Polen, bemächtigten sich in raschem Zuge des schwedischen Teiles von Pommern und drängten die Schweden bis nach Stralsund zurück.
¹) Der Pass, durch Feuchtigkeit stark beschädigt, ist noch erhalten. Er trägt das Wappen des Marschalls und ist von ihm unterzeichnet. Er lautet im Auszuge: Louis Hector Duc de Villars Pair et mareschal de France Chevalier des Ordres du Roi, Gouverneur et Lieutenant Général des Provinces& Pays de Metz& Verdun, Gouverneur particulier des Ville et Citadelle de Metz, Commandant en chef les Armées de Sa Majesté en Flandres. Laissés librement passer M. le P. ce de hesse Lieut. Colonel au Service des Etats généraux allant de leur armée chés luy en allemagne avec ses domestiques, hardes et Bagages, trente chevaux et Equipages passant sur les terres de la comunication des alliés et pays de neutre, avec ou sans Escortes.... à cond. on..... de n'approcher plus prêès de deux lieus les camps et armées du Roi..... le prescrit Passeport bon pour trois
semaines fait au camp de... le Deux octobre 1712.
le Duc de Villars, pair de france.. ²) Er starb auf dieser Reise 1713 zu Mainz, nachdem er auch vergeblich zu Pyrmont und Ems Hilfe gegen sein Leiden gesucht hatte. Vgl. v. Rommel, Geschichte von Hessen, Bd. X, 8. 64. ²) Ulrike Eleonore, die Schwester Karls XII., hatte den Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel geheiratet; die Hochzeit fand am 4. April 1715 im Schlosse zu Stockholm statt.—
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