Aufsatz 
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
Entstehung
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Auch das Schweriner Regiment Kasimir Wilhelms war in Douay, der kleinen, aber wichtigen Grenzfestung an der Schelde, von den Franzosen eingeschlossen worden, und die Stadt, die mit Amsterdam in Wasserverbindung stand und für die Verbündeten einen vorteilhaft gelegenen Stützpunkt zum Einfall in Frankreich bildete, wurde von den Franzosen belagert. Um seine eigene Stellung gegen einen etwaigen Angriff von aussen zu sichern, hatte Marschall Villars rings um sein Lager starke Verschanzungen aufführen lassen. Da der Prinz unter diesen Um- ständen bei seiner Truppe keinen Dienst versehen konnte, beteiligte er sich als Volontär an der Einschliessung von Quesnoy. Am 1. Juli wurden von den Alliierten die äusseren Graben- böschungen dieser Festung auf beiden Angriffsseiten mit grosser Tapferkeit erstürmt. Obwohl der Feind sich auf den Minenkrieg verlegte, so drangen doch die Belagerer, von kundigen Berg- leuten unterstützt, mit wahrer Todesverachtung vor und setzten sich in den eroberten Werken fest. Bei einem Besuche der Laufgräben in Begleitung des Prinzen Karl von Philippsthal schwebte Kasimir Wilhelm durch das unvermutete Auffliegen einer feindlichen Mine in höchster Lebens- gefahr. Nachdem ein abermaliger Fieberanfall im Lager von Quesnoy von ihm glücklich über- standen und diese Festung von ihrem tapferen Kommandanten, Generalleutnant Labadie, über- geben worden war, erwachte in dem Landgrafen der unbezwingliche Wunsch, seinem hart be- drängten Regimente in Douay zu Hilfe zu eilen. Er unternahm das kühne Wagnis und begab sich am 16. August in Verkleidung und unter fremdem Namen, nur mit einer Partisane bewaffnet, auf allerlei Umwegen nach Douay und gelangte nach mancherlei Mühen und Ge- fahren mitten durch die französischen Verschanzungen am 18. August glücklich zu seinem Regimente. Douay zu entsetzen, Villars aufs Haupt zu schlagen und damit dem Kriege eine völlig neue Wendung zu geben, war damals der feste Entschluss Prinz Eugens. Trotz aller Hindernisse, die es zu überwinden galt, hatte er rastlos alle Vorbereitungen dazu getroffen und persönlich die feindlichen Stellungen erkundet. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Kasimir Wilhelm, der sich des persönlichen Umganges mit Eugen erfreute, in diese Pläne eingeweiht war und eine darauf bezügliche Kunde in die Festung zu überbringen hatte. Doch als der Feldherr den wohl durchdachten Entsatz- und Angriffsplan den holländischen Deputierten vorlegte, stiess er auf den hartnäckigsten Widerspruch, da sie der Meinung waren, dass Douay in dem bevorstehenden Frieden ohnedies nicht an Holland fallen werde und sein Gewinn oder Verlust daher von keinem Werte sei. Prinz Eugen sah sich deshalb zu seinem grossen Verdrusse gezwungen, nicht allein auf eine Entscheidungsschlacht zu verzichten, sondern auch Douay den Franzosen preiszugeben. ¹) So sollte leider auch der hohe Mut des Prinzen Kasimir nicht den wohlverdienten Lohn finden und infolge der unversehens geänderten Kriegslage ihm selbst zum Verderben aus- schlagen. Gerade am Tage seiner Ankunft in der belagerten Stadt waren die französischen Batterien fertig in Stellung gebracht worden. Die Stadt wurde am 8. September, da die er-

¹) Prinz Eugen schreibt am 17. August 1712 an den Kaiser:„In der nacht zwischen den 14— 15 dises

hat der feindt an 2 Orten die trancheen vor Douay eröffnet und Ich habe zwar diese täg über mit recognoscirung des Terrains zugebracht, um zu sehen, wo etwa dem feind beyzukomben und die Statt zu erhalten sein möchte, allein... ist der muth der Deputierten und holländischen Generalitet solcher gestalt gefallen und verlohren, dass nachdem Sye hiernegst auch in Kopf haben, dass Ihnen Douay nicht bleiben solle, diselbe sich dessen Ver- lust halber um so weniger bekümmern.... absonderlich die staatisch extraordinaere Deputierte in nichts zur Sache thun sondern lauther Unmöglichkeiten vorschutzen wollen, obschon die intercipirte brieff selbsten.... vorstellen, wie sehr der Feind über meinen Anmarche hiehero embarassiret und wie es bey Ihme bestellet seye.“ VFgl. A. Arneth, Prinz Eugen von Savoyen, Bd. II, S. 500. 2— 9-