das Herbeischaffen des schweren Geschützes von Brüssel verzögerten. Das Regiment des Prinzen machte die Belagerung der Festung mit, und er versah bei ihm seinen Dienst. Bei dem Sturme des Regimentes auf den verdeckten Hohlweg fiel der tapfere Major Waldau, an dessen Stelle sein Vetter gleichen Namens aufrückte.⸗) Am 20. Oktober fiel Mons unter der Bedingung freien Abzuges für die Besatzung in die Hände der Sieger, und am 23. Oktober erhielt Land- graf Kasimir den ehrenvollen Auftrag, mit 500 Grenadieren und 4 Offzieren von der eroberten Stadt Besitz zu ergreifen. Durch die Einnahme dieser Festung wurden die Eroberungen der Verbündeten in Brabant und Flandern noch besser geschützt, als es bisher der Fall gewesen war. Kurze Zeit darauf empfing Prinz Kasimir den Besuch des Erbprinzen Ludwig von Hessen- Darmstadt, der sich damals auf einer Reise in den Niederlanden befand.— Der Feldzug dieses Jahres ging zu Ende, und die Regimenter bezogen die Winterquartiere. Der Landgraf schickte 4 Knechte mit 8 Pferden nach Homburg zurück; er selbst reiste in Begleitung des Barons v. Gaillardy, eines Jägers und Knechtes mit 5 Pferden bis Arnheim, sandte die Pferde nach Gröningen voraus und fuhr mit der Post über Utrecht-Leyden nach dem Haag. Vom Haag ging die Reise über Amsterdam nach dem Zuidersee bis Edam und Horn und alsdann zu Schiff nach Gröningen. Hier fand man die Pferde vor und kehrte über Laren, Dalen, Nordhorn, Embsdetten, Münster, Hamm, Hilbeck, Herborn nach Homburg zurück, wo man am 4. Dezember wohlbe- halten eintraf. Landgraf Kasimir hatte in seinem ersten Feldzugsjahre nicht weniger als zwei schwere Belagerungen, eine grosse Schlacht nebst 4 bis 5 Reiterattacken mitgemacht und an Tapferkeit und Mut sich als ein echter hessen-homburger Prinz erwiesen. ²)
Die Wintermonate benutzte der Prinz, um sich von den Strapazen des Feldzuges zu erholen und sich zugleich für die Kampagne des neuen Jahres vorzubereiten. Denn die PFriedensver- handlungen, die Ludwig XIV. zu Gertruidenberg mit den holländischen Deputierten führen liess, scheiterten an den masslosen Forderungen der Alliierten. Der Krieg ging weiter, und am 1. Mai 1710 reiste Prinz Kasimir abermals in Gesellschaft seines Bruders und des Herrn von Gaillardy nach dem Kriegsschauplatz ab. Bei Andernach stiess man zu den hessischen Truppen unter Generalleutnant von Wilkens und marschierte mit ihnen bis zur Armee, die vor der Festung Douay stand. Am 28. Mai kam man im Lager an. Zwei Tage später rückte Marschall v. Villars mit seinem ganzen Heer in die Ebene von Lens ein, während ihm gegenüber die Armee der Verbündeten eine wohlverschanzte, weit ausgedehnte Stellung bezog. Doch wagte Villars nicht, etwas gegen dieselbe zu unternehmen; er versuchte zwar wiederholt, seine Gegner aus ihrer günstigen Stellung herauszulocken, und als dies fruchtlos war, trat er den Rückzug an. Die Verbündeten konnten sich nicht entschliessen, dem abziebenden Feinde zu folgen, sondern beschränkten sich darauf, die Belagerung der Festung auf das nachdrücklichste fortzusetzen. Nachdem Douay am 29. Juni in die Hände der Alliierten gefallen war, begab sich der Landgraf am 8. Juli zu
¹) 1713 erscheint im Feldzug am Oberrhein ein Oberst von Waldau an der Spitze des Mecklenburger Regi- ments; er erregt den Unwillen des Kaisers dadurch, dass er auf Befehl seines Herzoges die Reichsarmee heim- lich mit seinem Regimente verlässt. Vgl. A. Arneth: Prinz Eugen von Savoyen, Bd. II, S. 283. ²) Die sog. alte Homburger Reim-Chronik, ein historisches Gelegenheitsgedicht von J. J. Flick, das aus Anlass des Majorennitäts- und Regierungsantritts-Festes des Landgrafen Friedrich Ludwig am 30. Januar 1766 erschien und die Geschichte des Homburger Hauses besingt, widmet deshalb dem Landgrafen Kasimir folgende Reime: „Casimir heischt nun mein Lied, Er verdient, dass ich Ihn singe, Und des Fürsten Ehr und Ruhm ein geweihtes Opfer bringe. Er besass nebst andern Gaben, Klugheit, Tapferkeit und Mut, Und in seinen Adern wallte seiner Ahnen Helden-Blut. Er scheut weder Krieg noch Schlacht; er hat nie dafür gezittert, Wenn das donnernde Geschütz Wall und Mauern krachend schüttert; Mehrmals fehlt das Bley den Helden, und trifft unter Ihm das Pferd...


