15 28. Nov. nachmittags fand die kirchliche Trauung des Königs mit der üblichen verschwenderischen Pracht im Dome statt, wohin der König und die Königin unter zwei kostbaren Thronhimmeln sich zu Fuss begaben. Die Köuigin ward von dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dem Markgrafen Philipp geleitet; vier gleich gekleidete Prinzessinnen trugen den Mantel und sechs Gräfinnen, in Silberstoff gekleidet, die Schleppe. Die Kleidung des Königspaares war von Diamanten und Perlen übersäet und der Weg bis zum Dome mit rotem Tuche belegt. Am nämlichen Abend fand zur Feier der Vermählung eine grosse Oper statt, die den Titel führte: „Alexanders und Roxanens Heyrath“ ¹). Die Festlichkeiten zu Schwerin aber dauerten nach der Rückkehr des Hofes von der Landesgrenze, wohin man der Königin das Geleite gegeben hatte, ununterbrochen bis zum Januar.
In diesem Monat reiste der Landgraf in einer Angelegenheit seines Hauses bei fürchter- licher Kälte ²) nach der preussischen Landeshauptstadt. Es handelte sich um die Begleichung einer alten, noch aus der Zeit seines Vaters herrührenden Schuld, bei der die Zinsen das eigentliche Kapital bereits überstiegen hatten. Durch das edelmütige Eintreten der Königin wurden dem Prinzen die nicht unbeträchtlichen Zinsen als Geschenk überreicht. Doch weigerte er sich, die wohlgemeinte Gabe anzunehmen; auf seinen Vorschlag kam die Schenkung dem Gesamthause zu gute, wofür er nachmals wenig Dank erntete. Denn man weigerte sich später, ihm auch nur die Hälfte seiner persönlichen Ausgaben für diese Reise, die er mit so gutem Erfolge unternommen hatte, zurückazuerstatten.
Nach 6wöchentlichem Aufenthalte in Berlin kehrte Landgraf Kasimir nach den Homburger Besitzungen Hötensleben und Winningen zurück, um verschiedene Aenderungen in den Aemtern zu überwachen und begab sich dann im März nach Homburg, um sich für die bevorstehende Kampagne des Jahres 1709 zu rüsten. Von hier aus reiste der Prinz über Frankfurt zum Besuche des Hofes des Landgrafen Ernst Ludwig nach Darmstadt, der ihm beim Abschiede für den Feldzug einen Rotschimmel mit. Sattel und Zeug verehrte. ³)
Im Monat Mai 1709 brach der Prinz mit seinem Bruder Friedrich Jakob, mit 12 Pferden und der entsprechenden Begleitung nach dem Kriegsschauplatz in Brabant auf. So war endlich sein sehnlichster Wunsch, sich gleich seinem ruhmreichen Vater und wie seine Brüder kriegerischen Lorbeer erwerben zu können, in Erfüllung gegangen. Die Brüder fuhren mit der Post den Rhein hinab bis nach Köln und trafen hier vier kaiserliche Kapitäne, die 1200 Ersatz- pferde ihren Regimentern zuführten. Bei Düsseldorf stiess man auf die pfälzischen Truppen unter dem Kommando des Generals von Zobel und zog ihnen zur Seite bis Courtray, wo man ein Infanterie- und Kavalleriekorps der Verbündeten antraf. Die Truppen wurden nun kriegs- mässig ausgerüstet und vereinigten sich mit der grossen Armee, die vor Lille stand. Am näm- lichen Abend noch, da der Prinz mit seiner Begleitung zur Armee stiess, marschierte man nach Tournay weiter. Am folgenden Tage griff der Prinz von Oranien mit 30 Bataillonen Infanterie
¹) Die Ehe Friedrichs I. mit der Herzogin Sophie von Mecklenburg war überaus unglücklich, da sie nicht aus Neigung geschlossen war, und die Prinzessin am Schweriner Hof streng lutherisch erzogen an dem religiös
freisinnigen Hofe von Gewissensbissen verfolgt in Schwermut und schliesslich in Wahnsinn verfiJl. Vgl. K. v.
Ledebur: König Friedrich I. von Preussen, Leipzig 1878, S. 589. ²¹) Die Kälte hatte am Dreikönigstag 1709 eingesetzt und dauerte, nur auf kurze Zeit von Tauwetter
unterbrochen, bis zum 13. März. Seit dem Jahre 1606 hatten die Witterungsberichte keinen Frost von gleicher Heftigkeit und Dauer verzeichnet. Sie erstreckte sich über ganz Europa; in Paris erfroren viele Hunderte von Menschen, im königlichen Schlosse erstarrten Wasser und Wein vor dem Kamine(Ranke, Briefe d. Elisabeth Charlotte vom 12. Jan. und 2. März 1709). Die meisten Obstbäume erfroren, und die Folge der fürchterlichen Kälte war eine allgemeine Hungersnot, die selbst einen Ludwig XIV. veranlasste, seine Ausgaben einzuschränken und seine Hoffestlichkeiten auszusetzen. Vgl. v. Noorden: Europ. Gesch. im 18. Jahrh. Ia, S. 453 ff.
³) Ein gleiches tat der Graf von Braunfels, der ihm einen Schimmel zum Präsent machte. Das Pferd wurde in der Schlacht bei Malplaquet tödlich getroffen und musste am Tage nach der Schlacht erschossen werden-


