Aufsatz 
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
Entstehung
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gezwungen werden sollte, drei Pferde zu nehmen, berief er sich auf den Gouverneur von Schlettstadt; als dies nicht verfangen wollte, schnitt er die Stränge des vorgespannten Pferdes durch und behauptete, ein Kurier des Königs zu sein. Infolgedessen war man froh, ihn los zu werden. Doch die Strafe dafür blieb nicht aus. Der Kutscher, der die Sache durchschaut hatte, beschloss auf seine Weise Rache zu nehmen. Als der Prinz, mit dem kranken Kammerdiener im Wagen sitzend, über eine Brücke fuhr, warf jener den Wagen um, dass er ins Wasser fiel und beide fast ihr Leben verloren hätten.

Bevor man nach Schlettstadt kam, hatten die Reisenden ein anderes Erlebnis, das ebenso leicht schlimme Folgen hätte haben können. Der Prinz und sein Sekretär nämlich ritten eines Tages der Kutsche voraus, in der der kranke Kammerdiener folgte; sie traten in eine Herberge ein und tranken ein Glas Milch. Inzwischen fuhr der Wagen vorbei, der Prinz folgte, während Seifert zahlte, die Richtung verlor und sich vollständig im Gebirge verirrte. Vergeblich wartete der Landgraf in einem Gasthause beim Uebergang eines Flusses auf seinen Sekretär, der zu allem Unglück die Börse mit sich führte. Aller Mittel bar, war an eine Weiterreise vorläufig nieht zu denken; der ausgeschickte Postillion konnte von Seifert keine Spur entdecken. Der Wirt aber versicherte dem Prinzen, dass der Sekretär im Gebirge wahrscheinlich von Räubern überfallen oder beim Versuche, den Fluss auf einer Furt zu überschreiten, ums Leben gekommen sei. Währenddessen kehrte eine Schar angetrunkener Bauern in der Herberge ein, die den Prinzen für einen Werbeoffizier hielten und nicht übel Lust zeigten, mit ihm anzubinden. Zum Glück für den Prinzen betrat in diesem Augenblicke ein neuer Ankömmling das Gastzimmer, der ihn ehrfurchtsvoll grüsste und sich zur Schar der lärmenden Bauern gesellte. Er hatte den Wagen des Prinzen Kasimir als dem Herrn von Walbrunn gehörig erkannt, der wegen der Ablieferung des Wagens an ihn geschrieben hatte, und half dem fürstlichen Reisenden aus aller Verlegenheit. Auf einer Fähre setzte man nunmehr über den Fluss, und auch der verirrte Sekretär fand sich wieder ein; er war allerdings so erschöpft, dass er vom Pferde gestiegen alsbald auf einer Bank einschlief und erst nach einer Stunde aus seinem tiefen, ohnmachtähnlichen Schlaf erwachte.

Von Schlettstadt gelangte der Prinz ungefährdet nach Strassburg, wo er von seiner Tante, einer Schwester seiner Stiefmutter, überaus herzlich empfangen wurde. Der Erzbischof von Strassburg, Prinz Soubise, überhäufte ihn mit Beweisen seines Wohlwollens, und ein Gleiches tat der alte Fürst von Birkenfeld, der sich damals mit zahlreichem Gefolge in Strassburg aufhielt. Drei weitere Wochen verbrachte der Landgraf bei seiner Tante in Oberbrunn im fröhlichen Kreise junger Edelleute auf der Jagd und mit sonstigen Belustigungen. Auf die sorgenlosen Vergnügungen aber sollte bald schweres Leid folgen. Landgraf Friedrich schickte von Homburg aus wiederholt Nachricht, dass sein Sohn unverzüglich in die Heimat zurückkehren solle, und schweren Herzens musste dieser dem väterlichen Rufe Folge leisten.

Am Hofe zu Homburg fühlte sich der Prinz nach seiner Heimkehr fortan nicht recht glücklich. Es verdross ihn, wenn er sah, wie seine Brüder ins Feld zogen, und sein Vater nicht einmal wollte, dass er auch nur davon spreche. Auch die Stiefmutter bereitete ihm allerlei Schwierig- keiten, da sie fürchtete, dass seine Equipierung zuviel koste und ihre eigenen Söhne dadurch zu kurz kämen. Endlich schien sich dem Prinzen eine Möglichkeit zu bieten, zum ersehnten Ziele zu gelangen. Prinz Eugen und der Herzog v. Marlborough, die beiden berühmten Heer- führer jener Zeit, beabsichtigten, sich zu einer Besprechung in Frankfurt a. M. zu treffen. Zwei Schwestern des Prinzom sowie der Graf von Braunfels ermutigten den jungen Landgrafen, nach Frankfurt zu gehen und den Fürsten seine Aufwartung zu machen. Zuvor suchte er bei seinem Vater um Erlaubnis nach, doch ohne eine bestimmte Antwort zu erhalten. Diesen Umstand machte sich Kasimir zu nutze, eilte nach Frankfurt und stellte sich dem Prinzen Eugen vor,