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nämlich brach ein Brand aus; man schlug in der ganzen Stadt Alarm und die Folge davon war, dass die ermüdeten Reisenden die Nacht fast gar nicht schlafen konnten. Aus Arger darüber äusserte der Prinz zu seinem Kammerdiener und den anderen, die mit ihm im gleichen Zimmer schliefen, er wünsche wohl, einst wieder hierherzukommen, aber an der Spitze seines Regimentes, um dieses elende Nest erobern zu helfen, wo man nicht einmal in Ruhe schlafen könne. Ja, er möchte beinahe wetten, dass dieser Alarm ein Zeichen dafür sei, dass es einst so kommen werde. Der Prinz ahnte damals im Erust wohl selbst nicht, dass dieser etwas kühne Wunsch ungefähr zwei Jahre später in fast buchstäbliche Erfüllung gehen sollte.
Endlich nach einer Reise von 5— 6 Tagen kamen die Reisenden in Paris an. Man wohnte zuerst in einer unansehnlichen Herberge, bis man nach 2— Ztägigem Suchen ein möbliertes Haus fand, in dem die Prinzen zwei Stockwerke mieteten. Nachdem man sich wohnlich ein- gerichtet hatte, wurde eine hübsche Karosse gekauft, die aber weniger von den Prinzen als von deren Dienern zur Promenade benutzt wurde. Denn wie in Brüssel, so hielt auch in Paris der Hofmeister von Benkendorf seine Zöglinge zu ernsten Studien und Übungen an. Prin⸗z Kasimir suchte sich unter der Anleitung eines Königl. Ingenieurs im Festungsbau weiter zu bilden; der Prinz von Weimar besuchte die Akademie, und beide wurden nach damaliger Sitte
Nach einiger Zeit jedoch hielt es der Hofmeister für erforderlich, dass die beiden Prinzen am Hofe zu Versailles sich vorstellten, um so mehr, als auch die Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans Nachforschungen hatte anstellen lassen, wo ihre deutschen Vettern wohn- ten, ohne ihr bisher die schuldige Aufwartung zu machen ¹). Ausserdem hatte Prinz Kasimir Briefe seines Vaters an den König, die Herzogin und das Ministerium zu überbringen, die sich auf einen Konfiskationsprozess des Oberbrunner Landes aus dem Erbe der Stiefmutter bezogen. Nach vielen Vorbereitungen, um dem höfischen Zeremoniell ²) nach jeder Hinsicht zu genügen, machten sich die beiden Prinzen auf den Weg nach Versailles. Nachdem sie sich hatten an- melden lassen, wurden sie von déer Herzogin von Orléans sehr freundlich empfangen. Der
¹) Sie war bekanntlich eine geb. pfälzische Prinzessin und mit dem Bruder Ludwigs XIV., dem Herzog Philipp von Orléans, vermählt. Wie ihre zahlreichen Briefe zeigen, hatte sich„Lieselotte“ ihre pfälzische Unbe- fangenheit inmitten des glänzenden Scheinwesens am französischen Hofe bewahrt. Durch ihre Mutter, eine hessen-kasselsche Prinzessin(Charlotte, Tochter des Landgrafen Wilhelm V.), war sie mit beiden Prinzen nahe verwandt.
Die Herzogin nahm sich der deutschen Prinzen, die damals häufig Paris und den Hof Ludwigs XIV. be- suchten, mit besonderer Fürsorge an. So schreibt sie in einem ihrer Briefe(vom 31. Juli 1699) anlässlich des bevorstehenden Besuches eines Stiefbruders Kasimirs, des jungen Grafen von Leiningen, an ihre Schwester Luise:
„Der junge graff von Leiningen ist noch nicht hir, wen er aber sich bey mir wirdt ahnmelden, werde ich nicht unterlassen, ihm meinen raht trewlich mitzuteilen. Dass bitte ich Euch J. L. der fraw landtgräffin von Homburg sambt viellen complimenten zu versichern. Sie hette ihm keine severer hoffmeisterin geben können, als mich; den ich lasse den jungen leutten, vor welche ich mich interessire, nicht vorbey gehen.... Ich werde allezeit fro sein, wen ich ehrlichen Teutschen werde in etwass dinnen können undt gutt hir sein. Von meinen Warnungen kan ich woll versprechen, allein denen ich sie gebe, müssen sie auch folgen wollen.“
In einem anderen Briefe an ihre Schwester(vom 20. März 1699) schreibt sie:
„Wir haben hir nun viel teutsche fürsten, vorgestern hatte ich ein stück 6 umb mich herumb, pfaltzgraff Christian, den cardinal von Fürstenberg, den hertzog von Mecklenburg, ein printz von Saksen Gotha, dessen fraw mutter, des fürsten von Waldecks tochter, den kleinen printzen von Anspach und ein printz von Württen- berg, dess administrators sohn, 4 teutsche graffen und sonsten noch viel teutsche cavalliere; wir wahren 21 Teutschen in meiner cammer und wurde mehr teutsch als französisch gesprochen, wie Ihr woll gedenken könnt.“
Vgl. Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans: Bibliothek des literarischen Vereins zu Stutt- gart, Bd. II.
²) Der Landgraf schreibt bezeichnender Weise in seinen Erinnerungen:„Enfin apres bien de preparatifs come harlequin qui s'en va parler au Roy.“
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