Aufsatz 
Die Olympischen Spiele : ihre Gründung, Einführung und Zeitrechnung / Georg Graff
Entstehung
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in das Jahr 870(895 7) v. Chr. G. anſetzen, ſo kann die 8. Olympiade des Pheidon nicht die 8. von der erſten des Koroͤbos ſein(denn dieſe würde bis gegen 748 v. Chr. G. herabkommen), ſondern die 8. Olympiade nach der Erneuerung der Spiele durch Iphitos, die etwa mit 856 J. v. Chr. G., nach der gewöhnlichen An⸗ nahme, zuſammentreffen müßte; denn 28 884= 856; und ſo würde denn auch eine Annäherung zu den Marmor, aber freilich noch keine Uebereinſtimmung mit denſelben, erreicht ſein.

Phlegon berichtet in ſeiner Geſchichte der Olympiaden(Fragm. de Olymp. p. 98, ſ. Euseb. Chron. lib. prior. p. 39), daß zwiſchen dem Iphitos und Koröbos 27 Olympiaden geweſen, die man nicht gerechnet habe; weiter finden wir nichts.

Syncellus in ſeiner Chronographie(196) meldet, nachdem er von der Erneuerung der Spiele durch Iphitos geredet, daß bis zur 28. Olympiade, da Koröbos von Elis den Sieg davon getragen, kein Sieger aufgezeichnet worden ſei, daß es mit Koröbos zum erſten Male geſchehen und dieſes daher die erſte Olym⸗ piade ſei, von welcher die Griechen ihre Zeiten zu rechnen anfingen. Steht es alſo feſt, daß dieſe Olympiade des Koröbos im J. 776 v. Chr. G. begonnen, ſo muß hiernach allerdings, wie ſchon oben bemerkt, die Erneuerung der Spiele durch Iphitos 884 v. Chr. G. erfolgt ſein. Indeſſen in anderen bedeutenden Autoren finden wir durch⸗ aus gar keine beſtimmte Andeutungen für dieſe Annahme von 27 Olympiaden zwiſchen Iphitos und Koröbos, und ſo bleibt dieſelbe immer eine unſichere, wenig begründete Thatſache, und wir müſſen uns demnach damit begnügen, zu wiſſen, daß nach aſtronomiſchen Beobachtungen und verſchiedenen hiſtoriſchen Zeugniſſen und Berechnungen die Aera des Koröbos, d. h. das erſte Jahr der griechiſchen Olympiaden⸗Rechnung, mit dem Jahre 776 v. Chr. G. begann, und zwar um das Sommerſolſtitium im Monate Hekatombaion, welches zu des Koröbos Zeit, wie man gewöhn⸗ lich annimmt, am 15. Juli einfiel. Die Spiele dauerten fünf volle Tage, vom 11. bis zum 16. Monatstage; der letzte Tag der Spiele war der 15. mit dem vollen Mond, und am 16. folgte der Ausſpruch der Richter und die Belohnung der Sieger ¹4).

) So ſagt der Scholiaſt zu Pindaros(Oνιασ V. 44): errl rarre uεœs Sero aurd ra ayan ia tuara- dr ιdezdirns uiε‿ εοι εένðπQι⁴dezder. Er I) ardeαν 02εμαιμ☚ιαι*ς a+αν dyerat val 1* evνddeνder, Tirεra*σ ½αιια Der Scholiaſt rechnet nach dem attiſchen Mondjahre des Thales und Solon, welches 6 Monate von 30 und 6 von 29 Tagen hatte(im Ganzen 35 ¾ Tage), und welches der von Kleoſtratos von Tenedos gegen 543(½) v. Chr. G. eingeführten, verbeſſerten Oktaeteris zum Grunde lag. Dieſe Oktaeteris, von welcher Cenſorinus de die natali ſagt: quae tunc Errzaeryls vocitata, quia primus ejus annus nono quoque anno redibat, hatte drei ganze Schaltmonate von 30 Tagen, die dem dritten, fünften und achten Jahre angefügt wurden, ſo daß die Oktaeteris aus 99 Monaten und 2922 Tagen beſtand, und die Olympiſchen Spiele wurden hier⸗ nach alle 4 Jahre, d. h. einmal in 49 und einmal in 50 Monaten abgehalten, indem in der erſten Olympiade der Oktaeteris, nämlich nach dem dritten Jahre, ein Schaltmonat, und in der folgenden Olympiade zwei Schaltmonate, nämlich nach dem fünften Jahre der Oktaeteris einer und nach dem achten Jahre einer, zugefügt wurden, und ſomit der Anfang der Spiele, nach dem Sommerſolſtitium ſich richtend, mit den mittleren Monaten des Jahres, das damals noch mit dem Winterſolſtitium begann(ſpäter mit der Sommer⸗Sonnenwende), wechſeln mußte. Bald nach der Oktaeteris des Kleoſtratos mag indeſſen wohl die 19jährige Periode (Euveazaidezaerypic) des athenäiſchen Aſtronomen Meton(Diod. XlI. def Aelian var. hist. X. 7. Cenſorin ꝛc.) mit ihren 6940 Tagen und 235 Monaten, wovon 7, und zwar im 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahre eingeſchaltet waren, beſonders nach den, 100 Jahre ſpäter dazu gekommenen Verbeſſerungen des htematn⸗ Kalippos, allgemeinen Eingang gefunden haben, und ſo mögen auch damals die Monate, in welchen die Olympiſchen Spiele gefeiert wurden, andere geworden ſein. Die hierher gehörenden Schriften alter und neuer Zeit ſ. in Hermann's Lehrbuch der griech. Staatsalterthümer ꝛc. 2. Aufl. Heidelberg 1836 (§ 127, 6), und vergl. Müller's Geſchichten helleniſcher Stämme und Städte, wo im 3. Band 2, Abtheil. pD. 486 des Koröbos Sieg um einige Tage abweichend von unſerer Annahme beſtimmt wird.

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