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Thukydides ſagt(I. 18.), daß, von dem Ende des peloponneſiſchen Kriegs zurück zu rechnen, die Lakedämonier ihre Staatsverfaſſung bereits 400 und etliche Jahre unverändert beibehalten hätten;— ſo daß die Lykurgiſche Geſetzgebung hiernach etwas über 804 J. v. Ch. G. erfolgt ſei. Mit dem Thukgydides ſcheint auch Diodoros überein zu ſtimmen, der in ſeinen Fragmenten zu VII. bis IX. 6. ſagt, daß die Lakedämonier ſich durch Lykurgs Geſetze aus ihrer Niedrigkeit zu den mächtigſten unter den Griechen empor geſchwungen, und ſo ihre Herrſchaft über 400 Jahre lang behauptet hätten; ſpäter aber, da ſie die Geſetze allmälig aufgehoben, und durch den Gebrauch der Münze und die Reichthümer entartet ſeien, verloren ſie ihre Herrſchaft.— Da dieſe Entartung vorzüglich während des peloponneſiſchen Krieges begann, etwa mit der Regierung des Königs Agis, wie oben bei Plutarchos bemerkt, gegen 427 J. v. Ch. G., ſo würde alſo Diodoros, dem Thukydides ſich annähernd, die Entſtehung der Lykurgiſchen Geſetze um 827 J v. Ch. G. annehmen, denn 427+ 400= 827. Aber von Iphitos, oder einer Gemeinſchaft des Lykurgos mit Iphitos, oder einer Zeitgenoſſenſchaft Beider mit einander leſen wir weder hier noch dort irgend Etwas, und die Zahl 400 iſt bei Beiden wohl nur eine runde Zahl.
Eratoſthenes ſetzet, nach Clem. Alex. Strom. I. P. 336, die Herrſchaft des Lykurgos als Vormund (Prodikos), wo er ſeine Geſetze gab, 299 Jahre nach Troja's Zerſtörung; dieſes wäre wohl 884 J. v. Ch. G., denn 1183— 299= 884; oder auch 108 Jahre vor der Olympiade des Koröbos, alſo 776+ 108= 884 J. v. Ch. G. Und Plutarchos im Anfang ſeiner Lebensbeſchreibung des Lykurchos berichtet, daß Apollodoros mit dem Eratoſthenes überein geſtimmt.
Clemens von Alexandria nimmt in ſeinen Stromat. I. pP. 309 und 327 an, Lykurgos habe 150 Jahre vor den Olympiaden, d. h. im Jahre 926 v. Ch. G.(776+ 150= 926) ſeine Geſetze gegeben, und ſagt zugleich, was wir auch bei Plutarchos und Strabon angedeutet finden, er ſei mit Homer in ſeinen jungen Jah⸗ ren umgegangen. Dieſe Angabe ſcheint mit Pauſanias überein zu ſtimmen, der den Lykurgos ebenfalls in's 10te Jahrhundert v. Ch. G. unter die Regierung des ſpartaniſchen Königs Ageſilaos, des Sohnes von Doryſ⸗ ſos ſetzte.
Tatianos, ein Spyrer(in der letzten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Ch. G.) nimmt in ſeinem Lorο ο E(gegen das Ende bin) die Geſetzgebung des Lykurgos nur 100 Jahre vor den Olympia⸗ den an, oder um das Jahr 876 v. Ch. G., und Enſebius hat dieſe Zahl aus dem Tatianos in ſeine Praep. evangel. X. 11. p. 496. aufgenommen.
Euſebius ſetzt in ſeiner Chronik(lib. post. P. 108.) den Lykurgos gegen 882 J. v. Ch. G., und behauptet nachher, Apollodoros habe die Geſetzgebung des Lykurgos in das Jahr 798 v. Ch. G. gebracht.
Georgius Syncellus(in der zweiten Hälfte des ſiebenten Jahrhunderts n. Ch. G.) meldet in ſeiner Chrono⸗ graphie S. 196: Iphitos, der Herrſcher von Elis, habe die mit einander Krieg führenden peloponneſiſchen Städte nach der Weiſung des Pythiſchen Orakels überredet, Frieden und Freundſchaft zu ſchließen; darauf habe er mit Lykurgos, ſeinem Verwandten, welche Beide Herakliden waren, die Olympiſchen Kampfſpiele wieder bergeſtellt. Eine nähere Zeitbeſtimmung gibt er aber nicht an.
Die Marmortafeln reden unbegreiflich weder von Iphitos, noch überhaupt von den Olympiaden, noch von Lykurgos; nirgends findet ſich eine Spur von dieſen berühmten Männern und ihrem Wirken.
Und hiermit ſchließen wir die Hauptnachrichten, welche wir im Alterthum in Beziehung auf die Zeit der Wiederherſtellung der Olympiſchen Spiele durch Iphitos mit Lykurgos finden; wohl mögen noch einige andere vorhanden ſein, aber nähere Beſtimmungen bieten auch ſie nicht. Wir ſehen daraus, daß alle Zeit⸗Angaben ſehr ſchwankend, ſich oft widerſprechend und ungenau ſind; und wenn wir hin und wieder ſchon im Alterthum von der Annahme mehrer Iphitos und mehrer Lykurgos leſen, zu der man ſeine Zuflucht genommen, um die ſich


