Aufsatz 
Die stillen Freunde unserer Schüler. Eine gemeinsame Sorge für Schule und Haus
Entstehung
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Einleitung: Schönes und Unschönes von meinem Schulweg.

Mein täglicher Schulweg führt mich durch einen idyllischen Teil unserer großen Handelsstadt, an prächtigen Villen mit schön ge- pflegten Gärten vorbei, längs des großen von Rothschildschen Be- sitztumes, der Grüneburg, zwischen dem herrlichen Palmengarten und dem neuangelegten botanischen Garten hindurch über freies, wohlbebautes Feld. Der Hintergrund des wechselvollen, reizenden Naturbildes wird von den dichtbewaldeten und duftumwobenen Höhen des nahen Taunus gebildet, an dessen Fuß sich die internationalen Bäder und Luftkurorte Soden, Königstein, Oberursel, Homburg u. a. anschmiegen. Majestätisch winken der hohe Feldberg und Altkönig herüber, einladend zu froher Bergesfahrt. Und wenn am frühen Morgen die Sonne mit ihren ersten Strahlen dieses köstliche Land- schaftsbild überflutet und vergoldet, dann dehnt sich des Wan- derers Brust, höher schlägt ihm das Herz, und hinausjubeln möchte er mit dem laut singenden und fröhlich musizierenden Vögelchor: 0 Welt, wie bist du so schön!

Leider scheinen aber nicht alle, welche mit mir denselben Weg durch diese schöne Gottesnatur zu machen haben, so zu denken, vor allem nicht mancher Schüler, Lehrjunge, Handlungsgehilfe, welche alle durch eine andere, wichtigere Beschäftigung in Anspruch genommen sind: Neugierigen, gespannten, Entsetzen erfüllten, befrie- digten Blickes halten sie ein broschiertes Heft mit grellbemalter Ein- banddecke vor sich und verschlingen gierig seinen Inhalt; sie sehen nicht nach rechts und nicht nach links; die Straße gehört ihnen allein, alles muß ihnen ausweichen; für die sie Dumgebende Natur haben sie weder Auge noch Ohr, Pflanzenpracht, Blumenduft, Vogel- sang, Bergeshöhen, Lerchenschlag, Himmelsblau und Sonnenschein sind für sie nicht da: Ihr ganzes Denken und Fühlen drängt sich offenbar zusammen in der Lektüre des krampfhaft festgehaltenen Heftes mit der grellbemalten Einbanddecke. Fast täglich, um ¼ 7 Uhr Morgens so gut wie zur Mittags- und Abendstunde, konnte ich diese Beobachtung machen, wie die jungen Leute sich den Weg zur Schule, Werkstatt oder Arbeitsstätte mit dem Lesen der Druck- hefte mit der grellbemalten Einbanddecke zu verkürzen suchten. Selbst in der Straßenbahn traf ich die eifrigen Leser hinter der grellbemalten Einbanddecke an. Ja, bis in die Schule hinein verfolgte mich der Anblick der Leser solcher Hefte. Da diese an meiner Berufsstätte zuweilen die Schulbücher zurücktreten ließen und alle Berufsanstrengungen zunichte zu machen suchten, beschloß ich endlich, mich näher mit den Heften und der grellbemalten Ein- banddecke zu befassen. Was ich bei dieser Untersuchung gefunden und bei mir erwogen habe, möge in folgenden Zeilen dargelegt werden:

den Heften mit der grellbemalten Einbanddecke zum Trutz,

unseren Schülern, ihren Eltern und der Schule zu Nutz.