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laut werden ließen, iſt nur in der Natur der Sache begründet. Kein Kind iſt, wie ſehr auch der Schein ein anderes Urtheil an die Hand geben mag, unverbeſſerlich. Die Schule aber iſt eine Erziehungsanſtalt, welche die Pflicht hat, alle in ihrer Macht liegenden Mittel anzuwenden, den Zögling auf den Pfad der Pflicht zurück⸗ zuführen, den er etwa verlaſſen, und ſie muß in angemeſſener Weiſe langmüthig ſein, wie es der beſorgte Vater, die liebende Mutter iſt, ſo lange nur irgend für ihren Geſammtzweck keine wirkliche Gefahr droht. Es iſt wahrlich eine ſehr leichte Sache, durch eine conſequent und unerbittlich in Anwendung kommende äußere mi⸗ litäriſche Strenge unbedingten Gehorſam und Legalität in einer Schule zu erzeugen, und die Lehrerwirkſamkeit würde ungemein erleichtert, wenn man der guten Ordnung und Sitte nicht willig ſich fügende Schüler mit möglichſter Eile aus der Schule entfernen wollte. Aber Alles an ſeinem Orte. Die militäriſche Disciplin iſt zweckmäßig in militäriſchen Verhältniſſen. Die Schuldisciplin jedoch iſt anderer, erziehlicher Art. Sie ſoll dem Knaben behülflich ſein, von der Stufe des rein äußerlichen, unbedingten Gehorſams ſich empor zu arbeiten zu dem aus dem Innern hervorquellenden, freien Gehorſam, dem Gehorſam der Kinder Gottes, welcher in dem von außen kommenden Gebote, das Gebot der eigenen Vernunft, das Gebot Gottes anerkennt und dem nach⸗ lebt, auch wenn keine äußere Strafe von Menſchen ihm droht. Die Erziehung in der Schule wie im Hauſe muß nothwendig vom unbedingten äußerlichen Gebote ausgehen, ſie darf aber den Zögling auf dieſer Stufe nicht für immer feſthalten wollen. Es iſt ihre Pflicht, den Uebergang zum freien, kindlichen Gehorſam zu ver⸗ mitteln. Daß dieſer Uebergang nicht ohne vielfachen Mißbrauch der Freiheit möglich iſt, darf nicht Wunder nehmen. Nur durch den Gebrauch der Freiheit lernt der Knabe dieſe recht gebrauchen. Der Gebrauch aber ſchließt wenigſtens anfangs den Mißbrauch in ſich, und kann nur nach und nach denſelben von ſich fern halten. Es giebt eine Ruhe und Stille, eine Ordnung und Regelmäßigkeit, welche, wenn ſie ſich unter einer Kinder⸗ ſchaar, in einer Klaſſe und Schule findet, auf den erſten Blick ungemein beſticht, aber auf den Kenner und tiefer Blickenden nur einen unangenehmen Eindruck macht, weil ſie ſelbſt in der ganzen Haltung der Schüler als Product einer rein äußerlichen Strenge, als eine Frucht des ſchulmeiſterlichen Pedantismus erſcheint. Mögen ſich auch Manche viel darauf einbilden, ſie bewirkt zu haben und bewirken zu können, in den Augen des wahren Erziehers ſchrumpft ihr Verdienſt zu einer ſehr kleinen Größe zuſammen.
Doch, ich muß dieſe allgemeinen, für das rechte Verſtändniß der von uns angenommenen disciplinariſchen Grundſätze und Marimen aber nicht überflüſſigen Bemerkungen abbrechen, um zu dem beſondern Gegenſtande zurückzukehren, der uns hier beſchäftigt.
Wenn oben die Reſultate der Disciplin in der Realſchule mit Berückſichtigung der gegebenen Verhältniſſe im Allgemeinen für zufriedenſtellend erklärt wurden und nur bei einzelnen Schülern eine Ausnahme zugegeben werden mußte: ſo können wir doch auch nicht verſchweigen, daß wir im Hinblick auf das uns vorſchwebende Ideal noch lange nicht befriedigt ſind. In der ſtädtiſchen Jugend wurzeln gewiſſe Mängel und Fehler doch tiefer, als wir früher glaubten. Namentlich hat das Betragen der Schüler beim Kommen und Gehen, ſowie das Verhalten derſelben außer der Schulzeit auf der Straße noch ſehr viel zu wünſchen übrig gelaſſen. Durch Schüler der Realſchule iſt Straßenunfug verübt worden, der in hohem Grade Mißbilligung verdient; es ſind einzelne Rohheiten im Betragen hervorgetreten, die in einer höhern Schule ganz unerwartet kommen. Wir Alle haben uns darüber betrübt, aber uns auch nicht verhehlen können, daß unter den obwaltenden Verhält⸗ niſſen und Umſtänden kaum zu erwarten war, die Schule werde in dem kurzen Zeitraume von zwei Jahren alle durch die Gewohnheit vieler Jahre in der Jugend dieſer Stadt eingewurzelten Untugenden ausrotten, oder überhaupt die von innen und außen der Wirkſamkeit der Schuldisciplin entgegentretenden Hinderniſſe jemals völlig beſiegen können. Die Anzahl der an der Realſchule wirkenden Individualitäten iſt zu groß, als daß eine völlig gleichmäßige Durchführung der disciplinariſchen Grundſätze und Maximen möglich wäre; das Zuſammenwirken Aller für einen Zweck wird dadurch erſchwert; die vielfach in einander greifenden Thätigkeiten ſind nicht leicht zu regeln und abzumeſſen; der Eine verläßt ſich unwillkührlich auf den Andern; die Möglichkeit des Irrthums wird vervielfältigt. Dieſe Mängel ſind von einer ausgedehnten Schule unzertrennlich, wie ſehr auch in dem


