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kleinliche und engherzige Verwaltung dem durch seine wissenschaftlichen Erfolge bereits bekannten jungen Gelehrten sogar die Abhaltung des pädagogischen Probe- jahrs verweigert, um die Anstellungsfähigkeit des jungen jüdischen Lehrers zu hinter- treiben— da führt ihn dieser sitiliche Ernst sofort auf die rechte Bahn: In noch eifrigerem Studium auf dem Gebiet der Geschichte des deutschen Vaterlandes, in trefflichen wissenschaftlichen Leistungen zeigt sich jenen voreingenommenen Machthabern ein festgefügter Charaker, in dem sich in inniger Harmonie die Treue zu der Vater Glauben mit der zum teuren Vaterlande eint. Diese doppelte Treue halt seinen Lebensmut und seine Schaffenskraft aufrecht auch in dem benachbarten Reich, das er des Lebensunterhalts wegen aufsuchen muss, bis es ihm endlich gelingt, im Vaterlande, zunachst im Schulwesen der Berliner jüdischen Gemeinde und bald als Leiter unserer Anstalt die Ideale zur Verwirk- lichung zu bringen, die sein Inneres erfüllen.— Sein sittlicher Ernst überträgt sich hier schnell auf seine Mitarbeiter wie auf seine Zöglinge: Unentwegte Pflicht- erfüllung, musterhafte Treue auch im Kleinsten: Dieses Gepräge drückt der Leiter dem Philanthropin auf! Pflichtgefühl und Treue lassen den trefflichen Mann selbst nach Jahrzehnten eifrigster Arbeit, auch als die Fülle der Jahre und die sich immer mehr häufende Arbeitslast gebieterisch eine Entlastung fordern, an der schweren und verantwortungsvollen Stelle ausharren: erst als er die Hemmnisse, die das weitere Gedeihen der Anstalt zu gefährden drohen, beseitigt sieht, tritt er von der Leitung der Anstalt zurück. Aber weiter bleibt sein Sinnen und Trachten mit Vorliebe der Stàâtte seiner Lebensarbeit zugewandt; es ist ihm eine Herzensfreude, so oft er Gelegenheit findet, mit seinem Amtsnachfolger alle schwebenden Schulfragen zu erörtern, und nie wird aus meinem Herzen das dank- bare Gefuhl weichen für die Anregungen und wertvollen Hinweise, die der verehrte Mann mir aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen, aus der Tiefe seines um- fassenden Wissens durch alle die Jahre unseres trauten, niemals getrübten Bei- sammenlebens geboten hat.
Das segensvolle Wirken des teuren Toten hat sich aber mit der Taàtigkeit in und für die Schule keineswegs erschöpft, sondern sich noch in ausserordent- lichem Umfang namentlich auf dem Gebiet der humanitâren Wirk- samkeit betatigt. Mit dem sittlichen Ernst paarte sich nâmlich in ihm ein warmes, mitfühlendes Herz, das sich in liebevoller Teilnahme besonders denjenigen erschloss, die gleich ihm zu den Hôhen des wahren Lebens empor- strebten, deren Tatkraft aber durch äussere Hiadernisse gehemmt zu werden drohte. Diese Hindernisse zu beseitigen hielt der edle Mann für eine seiner dringlichsten Aufgaben; ihr widmete er sich unablässig, selbst noch in den schmerzvollen Stunden seines letzten Lebensjahrs. Unermüdlich war er, bei den Freunden, die sein Wirken ihm in reicher Zahl zugeführt, immer und immer wieder das Gefühl der sittlichen Verpflichtung zu erwecken und rege zu halten, die Stellung und Reichtum ihnen gegenüber den Armen und Emporstrebenden auferlegen, und herrlichen Erfolg hat dieses sein Bemühen gekrönt! Die grossartigen Stiftungen, die in hiesiger Stadt für Studierende und Seminaristen bestehen, sind zum wesentlichen Teile auf


