Aufsatz 
Zur Erinnerung an Dr. Hermann Baerwald, Direktor der Realschule der israel. Gemeinde (Philanthropin) 1868-1899
Entstehung
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den Wünschen, die ihm zu diesem Tage entgegengebracht wurden, nur noch kurze Zeit Erfüͤllung zuteil; die rasch nachlassende körperliche Kraft brachte ihn im Sommer 1899 zu dem Entschluss, die Bürde des Amtes, die er 31 Jahre getragen, jüngeren Schultern zu übertragen. Sein Abschied von der Stätte seines Lebens- werkes gestaltete sich zu einer imposanten Dankesfeier der verschiedenen Behörden, seiner Mitarbeiter und Zöglinge; ihren Höhepunkt erreichte sie in der bedeutsamen Abschiedsrede, in der der scheidende Direktor einen Ueberblick über die Zeit gab, in der er die Anstalt geleitet, dann den Ursprung und die Bedeutung des Philan- thropins für die israelitische Gemeinde Frankfurts berührte, und die in den uralten Priestersegen ausklang, mit dem er Gottes Schutz für seine Schulgemeinde erflehte. Mit warmen Worten erkannte auch die vorgesetzte staatliche Behörde die hervor- ragende Amtsführung Baerwalds an und wusste dieser Anerkennung durch Ver- leihung des Roten Adlerordens 3. Klasse mit der Schleife auch ein äusseres Zeichen zu geben.

In seiner Abschiedsrede hatte Baerwald darauf hingewiesen, dass derjenige, der den Umfang und die Verantwortlichkeit seiner Lebensaufgabe kennt, nimmer zur Ruhe gelangen kann so war es denn natürlich, dass er auch nach seinem dusseren Scheiden mit alter, lebendiger Teilnahme an unserer Anstalt hing. Diese seine Teilnahme kam vor allem mir, seinem Amtsnachfolger, zugute. In der väterlichen, von Jahr zu Jahr sich steigernden Freundschaft, deren er mich würdigte, erörterte er gar häufig auf Spaziergängen, auf dem Wege von und zum Gotteshause wie in seinem Heim alle Angelegenheiten der Anstalt und besprach die Plàne für ihr weiteres kraäftigeres Erblühen; in jugendlicher Lebendigkeit setzte er seine Ausicht auseinander, und nie trennte ich mich von ihm, ohne eine wertvolle Anregung mitzunehmen. Den Dank für all' die Liebe, die der edle Mann mir bewiesen, werde ich in seinem Sinne am besten betätigen, indem ich dem Philan- thropin die gleiche treue Fürsorge, die er der Anstalt alle die Jahre gezeigt hat, widme.

In der erwähnten letzten Rede, die Baerwald von dieser Stelle gehalten, hatte er auch der Institution der Sabbathruhe gedacht und die heilbringende, be- freiende Bedeutung des Ruhetages in weihevollen Worten gewürdigt. Gott hat die vollendete Arbeit durch den Ruhetag gesegnet und geheiligt; er will dem auf Erden sich strebend Múhenden, nach Vollendung Ringenden dadurch die Gewissheit geben, dass am Ende seiner Tage sein Werk gewürdigt, dass ihm dort, wo des Hochthronenden Gnade und Barmherzigkeit waltet, der würdige Lohn in seliger Ruhe werden wird. Diese feste Zuversicht der seligen Ruhe schöpfen wir für unseren heimgegangenen Leiter, Lehrer, Freund und Berater aus dem Rückblick uüber das, was er gewesen ist und geleistet hat. Uns Uberlebenden aber soll das Andenken an ihn dieses Gelöbnis wollen wir von dieser Stunde hinwegnehmen fortgeleiten als hehres Vorbild durch alle unsere Tage und überdauern Zeit und Grab!