Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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V. Zur Beſchichte der Anſtalt. (Oſtern 1910 bis Oſtern 1911.)

Das Sommerhalbjahr begann Dienstag den 5. April und ſchloß Mittwoch den 28. September 1910. Das Winterhalbjahr begann Freitag den 14. Oktober 1910 und wird Samstag den 8. April 1911 ſchließen.

Kurz nach Beginn des Schuljahres ſchied Herr Profeſſor Lauteſchläger nach 16 jähriger Tätigkeit von uns, um die Direktion der Eleonorenſchule(höheren Mädchenſchule) zu Worms zu übernehmen; unſere Dankbarkeit für ſein vielſeitiges, erſprießliches Wirken an unſerer Anſtalt bleibt ihm unverloren. An ſeine Stelle trat Herr Oberlehrer Dr. Eugen Köſer*). Infolge Eingehens der zweiten Herbſt⸗ vorklaſſe wurde Herr Vorſchullehrer Kraft, der unſerer Vorſchule faſt 20 Jahre lang treue Dienſte geleiſtet hat, Herbſt 1910 an die hieſige Bezirksſchule IV verſetzt. Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Werle, der unſerem Lehrkörper ſeit Herbſt 1908 angehört, wird am 1. April 1911 eine Oberlehrerſtelle am Katharineum in Lübeck übernehmen; leider war in den letzten Monaten ſeine Geſundheit ſo angegriffen, daß er mehrmals kurzen Urlaub nehmen und ſchließlich vom 5. März bis zum 1. April beurlaubt werden mußte. Seine Stelle wird Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Hans Hinrichs übernehmen, der bisher am Gymnaſium zu Büdingen tätig war.

Von den unſerer Anſtalt zugewieſenen Lehramtsaſſeſſoren ſchied Herr Wilhelm Heyl Oſtern 1910, Herr Ludwig Emrich Herbſt 1910 aus, die Herren Auguſt Kleinſchmidt, Auguſt Kraus blieben das ganze Jahr hindurch, Herr Karl Emmel von Pfingſten ab unſerer Anſtalt zugeteilt; allerdings war der erſtere einmal, die beiden anderen je zweimal mit mehrwöchigen Vertretungen an auswärtigen Anſtalten beauftragt.

Im Auguſt und September war Herr Oberlehrer Schmidt II zu einer militäriſchen Uebung, Herr Profeſſor Dr. Lindt wegen Krankheit beurlaubt; ſie wurden von Herrn Lehramtsaſſeſſor Emmel und Herrn Lehramtsreferendar Auguſt Rühl vertreten. Gegenwärtig iſt vom 16. März bis zum 10. Mai Herr Oberlehrer Dr. Ranft zu einer militäriſchen Uebung eingezogen; ſein Vertreter iſt Herr Lehr⸗ amtsreferendar Karl Göbel.

Herr Profeſſor Dr. Neßling war vom 15. bis 28. Juni zu einer militäriſchen Uebung einge⸗ zogen; er erkrankte gleich darauf an Ischias und war bis zum 24. Auguſt dienſtunfähig. Herr Profeſſor Dr. Becker war vom 19. September bis zum 22. Oktober nach Italien beurlaubt. Bei dieſen Gelegen⸗ heiten, wie bei mehreren anderen längeren oder kürzeren Erkrankungen, übernahmen Mitglieder des Kollegiums den Dienſt der verhinderten Amtsgenoſſen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatte die Gnade, Herrn Profeſſor Dr. Baur zum 25. Nov. 1910 den Philippsorden 1I. Kl. zu verleihen.

Der Sedantag wurde, wie üblich, durch Ausflüge gefeiert. Am Vorabend des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde Schillers Glocke mit den Chören von C. A. Mangold aufgeführt; hierauf ſprach der Direktor über die Bedeutung der Männer, deren Büſten unſern Feſtſaal zieren. Für die Kaiſerfeier hatten wir als Hauptgegenſtand die Luftſchiffahrt gewählt. Mehrere Primaner hielten ſelbſtverfaßte kleine Vorträge über Luftſchiffe und Flugmaſchinen; auch einige von den vorgetragenen vaterländiſchen Gedichten und Geſängen gehörten dieſem Gebiete an. Bei beiden Feiern wirkte unſer junges Schülerorcheſter mit.

Die Herren Geheimerat Süffert und Geh. Oberſchulrat Nodnagel beſuchten die Anſtalt am 14. September und wohnten drei Lehrſtunden bei. Am 26., 28. und 30. Januar beſichtigte Herr Prälat D. Dr. Flöring den evangeliſchen Religionsunterricht faſt aller Klaſſen.

*) Eugen Köſer, geboren 1880 in Gießen, beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt, das er mit dem Zeugnis der Meile im Frühjahr 1898 verließ. In Gießen und Berlin ſtudierte er klaſſiſche Philologie und Geſchichte, promovierte im Juli 1902 in Gießen und beſtand daſelbſt im März 1903 die Seatzrüfänge Hierauf wurde er woͤhrend des Sommerhalbjahres an dem Herbſtgymnaſium in Mainz verwendet, im folgenden Winterhalbjahr war er Mitglied des Pädagogiſchen Seminars am Gymnaſium in Gießen. 85 April 1904 wurde er mit der Ver⸗ waltung einer Lehrerſtelle am Realgymnaſium in Darmſtadt betraut. Von dort wurde er, inzwiſchen zum Lehr⸗ amtsaſſeſſor ernannt, im Herbſt 1905 an das Realgymnaſium in Mainz verſetzt. Im Frühjahr 1906 an das Real⸗ gymnaſium in Darmſtadt zurückberufen, wirkte er, ſeit Oktober 1906 als Oberlehrer angeſtellt, an dieſer Anſtalt, bis er am 18. April 1910 an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium verſetzt wurde. 1

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