Die sommerlichen Regengebiete in West- und Mitteleuropa.
Von Friedrich Gagelmann.
Die vorliegende Arbeit ist angeregt durch eine Abhandlung von E. Leß in Berlin;: „Uber die Wanderung der. sommerlichen Regengebiete durch Deutschland“.*) In dieser untersucht Leß die sommerlichen Regengebiete in Deutschland nach Regendichte, Größen- verhältnissen. Zugstraßen und Zusammenhang mit den Luftdruckverhältnissen, und zwar im Jahre 1901.
Aus der Arbeit geht hervor, daß durch ein solches Studium der Regengebiete unsere Kenntnisse von den Witterungserscheinungen wesentlich erweitert werden können. Insbesondere werden dabei die Einflüsse der kleinen, schwachen Depressionen, der sogenannten Teilminima, näher erfaßt. Diese haben ja bekanntlich einen ganz wesentlichen Einfluß auf das Wetter. Denn wenn auch der Kern eines Minimums gewöhnlich die meisten Nieder- schläge bringt, so wird das Regenwetter beim Herannahen eines solchen doch fast regel- mäßig weit von ihm entfernt eingeleitet durch vorlaufende und mitlaufende Teilminima. Diesem Verhältnis entsprechen deutlich zu unterscheidende Regengebiete der Hauptminima und solche der Teilminima.
Einen praktischen Zweck haben die Untersuchungen, weil sie die Vorausbestimmung des Wetters fördern helfen. Diese stützt sich ja hauptsächlich auf die Luftdruckverteilung und berücksichtigt weniger die Eigenschaſten und Besonderheiten der einzelnen Minima. Diese haben wohl als Glieder einer großen Art eine Reihe von Eigenschaften gemein, aber sie sind doch auch wieder selbständige Individuen und als solche zu behandeln. Wir müssen deshalb die Minima sofort bei ihrem Erscheinen untersuchen und möglichst viele ihrer Eigenschaften feststellen. um zu sehen, welche Einwirkung auf das Wetter wir von ihnen zu erwarten haben. Für die Prognose ist aber stets die Frage am wichtigsten: Was für Niederschläge bringt uns ein herannahendes Minimum?
Wenn die Wanderungsverhältnisse der Regengebiete bei der Beantwortung dieser Frage herangezogen werden sollen, müssen sie natürlich über viele Jahre hin untersucht und durchforscht sein. Dazu soll diese Arbeit eine Anregung und ein Beitrag sein.
Wenn nur ein Jahr in den Bereich der Untersuchung gezogen ist, So liegt das in der Fülle des Materials, das zu verarbeiten ist. Das Jahr 1905 wurde aus praktischen Gründen gewählt, weil von diesem Jahre die meisten Angaben über die täglichen Nieder- schläagsmengen zur Verfügung standen.
*) Zeitschrift für Meteorologie 1905 S. 406 und 5338 ff.


