Aufsatz 
Das Kloster Fulda im Karolinger Zeitalter : 2. Buch, 2. Abteilung. Das Grabfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 9—

felde her ¹) über die Mottener Haube hinzieht. Hier liegt nun auf dem N. O.⸗Abhange das Dorf Uttrichshauſen, das uns die Ur⸗ kunde vom Jahre 811 als im pago Grapfeld gelegen angiebt, „in pago Grapfelde, in loco qui dicitur Orthereshusa.²)“ Wir werden unten ſehen, daß dieſer Ort noch einmal in einer ſpäteren Gränzbeſchreibung durch die an demſelben vorüberfließende Scamun- fulda bezeichnet wird, man alſo nicht an Ottenhauſen im Amte Maßfeld denken darf. ²) Von hier an den ſog. Fuldaiſchen Höhen hin zeigt uns das urkundlich erwähnte Kalbach die Richtung der Grenzlinie weiter an.) Dieſe Urkunde vom Jahre 826 beſtimmt nicht nur die Lage des Orts Calbaha genau in dem Grabfelde, ſondern ſie ſcheidet auch ausdrücklich von dieſem Gebiet einen Ort, der im Saalgau lag und den ſie in ſehr verderbter Form Chinzihu cruogus) nennt. Es iſt das nämlich ſchon um deswillen von Bedeu⸗ tung, weil die Landau'ſche Karte ſowohl, als wie ſeine ganze Beweis⸗ führung darauf hinausgeht, die Gemarkung von Flieden als im Saalgau gelegen darzuſtellen. Dieſes Kalbach, wir laſſen ganz dahingeſtellt, welches von den jetzigen Kalbach darunter gemeint iſt, liegt an dem Flüßchen Kalbach, welches ſich bei Neuhof in die Flieden ergießt; es liegt ganz auf gleicher Breite mit Flieden, theilweiſe ſo⸗ gar noch ſüdlicher; wenn man nun von dieſem Kalbach aus eine Linie an den Höhen ſich hergezogen denkt, wo dieſe in dem ſog. Diſtelraſen auf das Vogelsgebirge ſtoßen, und wo urkundlich wieder zwei Ort⸗ ſchaften ansdrücklich in den Gau Grabfeld geſetzt werden, ſo iſt es ganz offenbar, daß die öſtlich davor liegende Mark von Flieden un⸗ möglich zum Saalgau gehört habe, denn ſie wäre ja ſonſt eine Enclave im neuern Sinne, auf allen Seiten vom Grabfeld umfloſſen, eine Annahme, welche durch die ganze geographiſche Lage auf einer und derſelben Seite des Nordabhangs der Fuldaiſchen Höhen bis zum Diſtelraſen ausgeſchloſſen wird. Die beiden oben erwähnten Orte ſind Kautz und Lauchendorf. Kautz liegt ebenfalls ganz ſüdlich von Flieden an der Heerſtraße über den Diſtelraſen und Lauchendorf etwa in gleicher Breite, aber mehr weſtlich nach den Höhen des Vogelsgebirgs hin, uns die Grenze des Gaues Grabfeld weiter bezeichnend. Das heutige Lauchendorf, das alte Lucheso, kommt

¹) Die Schreibweiſe Staberesfeld iſt verderbt für Dagamaresfelt. Roth, kl. B. S. 29; ähnlich wie Dammersbach aus Dagamaresbah.

²) Dronke, c. d. Nr. 257. Schann. trad. Nr. 227.

³) Förſtemann, II. 1178.

*) Dronke, c. d. 467. Schann. trad. 387. Schann. Summ. 1, 73.

⁵) Eine Wüſtung an der Kinzig, Kinzichero marcu. Dronke, c. d. nr. 467.