Meine urſprüngliche Abſicht, eine ausführlichere Abhandlung zur Methodik des geographiſchen Unterrichtes und anhangsweiſe eine Reihe von Vorlagen zur Vorbereitung und Unterſtützung des geo⸗ graphiſchen Skizzierens auf geometriſcher Grundlage zu geben, hat ſich als undurchführbar erwieſen, da die lithographiſchen Arbeiten den feſtſtehenden, unüberſchreitbaren Credit ſoweit in Anſpruch genommen haben, daß mir außer den nachfolgenden 11 Tafeln nur wenige Seiten zur Verfügung bleiben.
Die folgenden Tafeln ſind alſo Hauptgegenſtand des Programms geworden, bezüglich der einleiten⸗ den Worte aber bin ich gezwungen, mich auf's äußerſte zu beſchränken. Erleichtert wird mir eine noth⸗ gedrungene Beſchränkung durch die unter der Hand in Berlin ſtattgehabten Verhandlungen des erſten deutſchen Geographentages. Es iſt nämlich daſelbſt die Frage nach dem geographiſchen Zeichnen und der Art, wie daſſelbe in der Schule zu betreiben ſei, unter anderem Hauptgegenſtand der Verhandlungen geweſen und durch dieſelben in einer Weiſe präciſiert auch für weitere Kreiſe in den Vordergrund der Betrachtung gerückt, welche weiter ausholende Erläuterungen überflüſſig macht. Ich knüpfe alſo an die Berliner Verhandlungen an, bemerke jedoch im voraus, daß mir nur die in Berlin angenommenen Theſen zur Verfügung ſtehen, nicht aber ein zureichender Bericht über die betr. Verhandlungen, nach dem ich bis jetzt vergebens geforſcht habe, da es mir nicht möglich war, der Verſammlung ſelbſt beizuwohnen.
Mit den 3 Theſen des Herrn Prof. Kirchhoff(Halle):
„1) Die Geographie verdient auch auf Schulen volle Selbſtändigkeit; ihre Verknüpfung mit der Ge⸗ ſchichte als deren nebenſächliches Anhängſel führt erfahrungsmäßig zu ihrer den geſammten Schul⸗ unterricht ſchädigenden Vernachläſſigung. 2) Die Geographie als das einzige Fach, welches natur⸗ wiſſenſchaftlich⸗mathematiſches mit geſchichtlichem Wiſſen verbindet, hat gerade für die oberen Claſſen hohe Bedeutung, da in ihnen jenes doppelſeitige Wiſſen ſeinen Gipfel erreicht; auch mit nur wenigen Stunden bedacht, wird ſie ſtets das kräftigſte Gegenmittel gegen ſchädliche Zerſplitterung liefern. 3) Unwandelbar iſt die Geographie„die ſichere Grundlage des Studiums und Unterrichts in den phyſikaliſchen und hiſtoriſchen Wiſſenſchaften“ nach Karl Ritters bekanntem Ausſpruch. Darum iſt es in hohem Grade wünſchenswerth, daß dieſelbe in der Staatsprüfung der Lehrer nicht nur als ſelbſtſtändiges Fach anerkannt, ſondern auch anderen Fächern als weſentlich zu unterſtützendes Neben⸗ fach angereiht werde. Nur wenn bereits in nächſter Zukunft außer den eigentlichen Fachgeographen eine möglichſt große Anzahl von naturwiſſenſchaftlich⸗mathematiſchen und philologiſch⸗hiſtoriſchen Lehrern mit geographiſcher Lehrbefähigung für untere, beziehentlich mittlere Claſſen zur Verfügung ſtehen wird, kann dem drückenden Mangel zu ſachgemäß vorgebildeten Geographielehrern zeitgemäße Abhülfe ge⸗ ſchafft werden.“
erkläre ich mich in jeder Beziehung vollſtändig einverſtanden.
Von größerer Bedeutung für die vorliegende Arbeit ſind die gleichfalls angenommenen folgenden Theſen des Herrn Prof. Wagner(Göttingen):
„1) Der Deutſche Geographentag empfiehlt das Zeichnen im geographiſchen Unterricht als ein unerläßliches
Mittel zur Förderung klarer Anſchauung und einen trefflichen Hebel zur Erweckung der Selbſtthätigkeit
der Schüler. 2) Die Verſammlung erklärt ſich auf das entſchiedenſte gegen die noch weit verbreitete
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