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Dieſe aus dem lebendigen Glauben an Gott geſchoͤpfte, in die trefflichſten Sit⸗ tengebote ſich aufloͤſende, und alle Verhäͤltniſſe des Lebens umfaſſende chriſtliche Religionslehre, iſt gewiß die einfachſte, kraͤftigſte und heilſamſte, die je ein Mund verkuͤndet hat; weil ſie auf die reinſte Kenntniß der Wahrheit gebauet iſt, die ſittliche Freiheit und die Veredlung unſres Geſchlechtes befoͤrdert, es durch Liebe und Wohlthun zu Gott erhebt, und ihm eine Quelle der Freude eroͤffnet, die kein Wechſel des Schickſals zu truͤben vermag.« von Ammon im a. W. Wegen der angefuͤhrten vortrefflichen Eigenſchaften der chriſtlichen Re⸗ ligion verdient ſie allein im wahren Sinne des Wortes den erhaben Namen Religion.
V. Worin beſteht der eigne Werth der allgemeinen Religion?
Unter dem eigenen Werthe derſelben verſtehe ich das Gute, was den Menſchen durch ſie allein zu Theil werden kann. Dazu gehoͤrt Folgendes:
1. Muß die allgemeine Religion im Keime vorausgeſetzt werden als Bo⸗ den, um die Lehren der geoffenbarten Religion darauf zu pflanzen. Denn laͤge der Glaube an Gott, an die Freiheit und Unſterblichkeit der Seele, und an ein unwandelbares heiliges Geſetz im Herzen des Menſchen fuͤr Geſinnung und That— nicht ſchon als Keim vor aller Offenbarung in der Vernunft des Menſchen; ſo wuͤrde der von der ſinnlichen Natur umgebene und vielfach ge⸗ draͤngte Menſch durch keine Offenbarung zum Glauben an dieſe der Natur widerſtreitenden Lehren gebracht werden koͤnnen, eben ſo wenig als jetzt zum Glauben an fliegende, in der Luft wohnende Menſchen. Daß der Glaube an das Daſein Gottes durch die Vernunft aller Offenbarung als gewiß vor⸗ ausgeſetzt werden muͤſſe, verſteht ſich von ſelbſt, und wird auch von Theologen zugegeben.»Die Vernunftreligion bleibt immer noch ein nothwendiges Mittel zur Erreichung unſerer Beſtimmung, wenn ſie gleich fuͤr ſich nicht hinreichend


