— 25—
des Herzens durch mächtige Affekte ſteht, z. B. mentes et pectora terror habet (Verg. Aen. XI, 357); ferner da, wo es unſerem Inſichhaben, Mitſichbringen, Ver⸗ anlaſſen entſpricht, z. B. Dissimilitudo locorum nonne dissimiles hominum pro- creationes habet:(Cic. div. II, 96.)
Mittere und Compoſita.
Indirekter und deßhalb ſchwächer iſt der lateiniſche Ausdruck in den Phraſen: Tigna in parietem immittere, die Balken einfügen, aurum filis immittur, das Gold wird eingewirkt; demittere voltum, den Blick ſenken, demittere animum in artes den Geiſt in die Künſte verſenken; amorem, timorem, vires immittere, Liebe, Furcht, Kräfte einflößen; proelium committere, den Kampf beginnen; crimen com- mittere, ein Verbrechen verüben. Noch matter erſcheint die Anwendung von m. und Comp. auf ſchnelle, leidenſchaftliche Bewegung, z. B.: Se in medios hostes immittere ſich mitten in die Feinde ſtürzen; Cum se Deucalion saxo misisset ab alto, als ſich Deukalion vom hohen Felſen herabgeſtürzt hatte.
Für den Anfang einer Bewegung haben wir zwar daſſelbe Bild: Er ſchickte ſich an zu gehen, aber für leidenſchaftliche Sitnationen läßt ſich dieſer Tropus nicht brauchen.— Endlich ſteht das Wort auch für ſchnelle und heftige Beförderung frem⸗ der Gegenſtände und Perſonen, z. B. Jugulo demittere ferrum, das Eiſen in die Gurgel ſtoßen, praecipitem aliquem ex arce mittere, Jemanden kopfüber von der Burg herabſchleudern.
Die in der Armuth der lateiniſchen Sprache an Subſtantivis begründete Vor⸗ liebe für den Gebrauch des Neutrums von Adjektivis und Pronominibus trägt auch viel dazu bei, um den lat. Ausdruck im Vergleich zum Deutſchen als den farbloſeren erſcheinen zu laſſen. Da jedes grammatiſche und ſtiliſtiſche Handbuch die Aufmerk⸗ ſamkeit des jugendlichen Latiniſten auf dieſe Thatſache lenkt, ſo ſollen hier nur einige der auffallendſten Beiſpiele Platz finden.
Im neunten Buch der Aeneide heißt es V. 398 von Euryalus, der vergebliche Verſuche macht, ſich aus der Hand ſeiner Feinde zu befreien: manus(hostium) rapit conantem plurima frustra. Wie matt würde hier eine wörtliche Ueberſetzung klin⸗ gen: Die Schaar reißt ihn mit ſich, der vergebens ſehr Vieles verſucht.
Voß freilich erhöht wo möglich noch die Geſchmackloſigkeit des Originals, wenn er überſetzt:„Den die ſämmtliche Menge, wie er Vieles umſonſt noch trachtete, wegreißt.“
Daß Schiller und Göthe nie ſo geſchrieben haben würden, iſt wohl ebenſo ge⸗ wiß, als die Thatſache, daß jener brave aber zuweilen verzweifelt hoͤlzerne Dollmetſcher der antiken Poeſie weder die Iphigenie noch den Wallenſtein dichten konnte.
In demſelben Buche V. 323 ſagt Niſus zu Euryalus: Haec ego vasta dabo; Hier werde ich Bahn machen. Auch an dieſer Stelle kann ſich Voß vom lat. Neutrum nicht trennen und überſetzt:„Hier will ich's aufräumen.“ An der Ueberſetzung wäre nicht's zu tadeln, wenn er den einzigen Buchſtaben's weggelaſſen hätte. Dem lat.


