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des. Begreiflicher iſt uns der auch vorkommende umgekehrte Fall, daß das Eiſen den Körper beißt. Von den Wurzeln des Baumes, welche in den Boden eingreifen, heißt es bei Statius:(Theb. IX, 499) Arbor mordet humum.
Von elementaren Gegenſtänden ſchreiben auch wir, wie oben erwähnt, wohl dem Rauch eine beißende Wirkung zu, der Lateiner geht noch weiter und dehnt das Bild auch auf Hitze, Froſt, Winde und Aehnliches aus,
Matutina parum cautos jam frigora mordent(Hor. Sat. II, 6, 45) die wört⸗ liche Ueberſetzung:„Der Froſt beißt die Unvorſichtigen“ wäre hier unſtatthaft.
Ebenſo Epist. I, 8, 5: Oleam momorderit aestus. Und Martial VIII, 14: Mordeat et tenerum fortior aura nemus.
Unſere Uebertragung des Wortes auf das Bereich der Gemüthsbewegung iſt nur bei Subſtantivis, Adjektivis und der participialen Form des Verbums üblich; wir ſprechen von Gewiſſensbiſſen, biſſigen Recenſenten, beißendem Spott und dergleichen aber die Phraſe„Mein Gewiſſen beißt mich nicht“ iſt vom hohen, namentlich tragi⸗ ſchen Stil ausgeſchloſſen, während modere ſowie das griechiſche 3Axvew auch im er⸗ habendſten Pathos als Prädikat mit jedem Subſtantivum verbunden wird, welches eine unangenehme Gemüthsbewegung ausdrückt.
Von Sorgen, Kummer, Aerger, Armuth ſagen wir weniger ſtark, daß ſie am Leben nagen, während der tropiſche Gebrauch das rodere, obwohl nicht ohne Beiſpiele, we⸗ niger beliebt geweſen zu ſein ſcheint als das energiſche mordere. Doch iſt zu bemer⸗ ken: Arrosor stultorum divitum(Sen. Ep. III, 6), was kaum durch„Benager“ reicher Dummköpfe wiedergegeben werden kann, und rodunt in conviviis(Cic. pro Balbo 57) wo rodunt als Synonym von carpunt und vellicant in der Bedeutung „Läſtern“ gebraucht iſt.
Gänzlich fallen laſſen müſſen wir das lateiniſche Bild bei der Ueberſetzrng von Stellen wie:
Epistolae tuae me valde momorderunt.(Cic. ad Att. XIII, 12).
Deine Briefe haben mich ſehr beunruhigt.
Scribis morderi te quod non simul sis(Cic. ad Att. VI, 62).
Du ſchreibſt, daß es dich quäle u. ſ. w.
Tu cave defendas, quamvis mordebere dictis(Ovid. Trist. I, 1, 25),
Vertheidige Dich nicht, ſo ſehr Du auch gereizt wirſt.
Mordear opprobriis falsis(Hor. Ep. 1, 16, 30),
Soll ich mich ärgern über falſche Beſchuldigungen?
Endlich wird das Wort mordere in einer für uns auffälligen Weiſe auf intellek⸗ tuelle Verhältniſſe übertragen, wo es den Begriff des Feſthaltens veranſchaulicht.
z. B: Hoc tene, hoc morde(Seu. Ep. X, 2), das halte feſt. Ebenſo: Derspicuitatem, quam mordicus tenere debemus (Cic. Acad. II, 51). Verba tenent mordicus(Cic. Fin. IV, 78).— 2


