Chronik des Gymnasiums vom vergangenen Wintersemester.
Von den Lehrern.
Im Lehrercollegium fand wäührend des nun abgelaufenen Winterhalbjahrs keine weitere Veränderung Statt, als dafs der Director des Gymnasiums, Prof. Dr. Wifs, in Gemäfsheit einer hohen Verfügung Kurfürstlichen Ministeriums des Innern, sich im Anfange des Monates Januar nach Cassel begab, um, als Mitglied einer für das Kirchen- und Schulwesen daselbst errichteten Commission, die nöthigen sowohl der Zeit, als der Verfassung angemessenen Verbesserungen in diesen hochwichtigen An- gelegenheiten mit zu berathen. Durch einen Beschlufs Kurfürstl. Schulrathes vom u1ten Jan. d. J. wurde daher die Leitung des Gymnasiums, während der Abwesen- heit des Directors, dem Rector Dr. Schiek übertragen, mit den Geschäften der Schulbibliothek aber Dr. Fuldner beauftragt.
Von den Schülern.
Die Zahl der Schüler betrug im Winterhalbjahr 116, und zwar 21 in Classe I, 25 in Classe II, 33 in Classe III, 37 in Classe IV. Von diesen waren 45 aus Rinteln selbst, 55 andere Inländer, 16 Ausländer. Im Allgemeinen herrschte unter denselben, bei einem gesetzmäfsigen, anständigen Betragen, ein regsamer öffent- licher und häuslicher Fleifs. Wie sonst, bezog sich auch dieses Mal der Privat- fleifs auf fast alle Unterrichtsfächer, vorzugsweise jedoch: auf das Memoriren bald gröfserer, bald kleinerer Stücke aus griechischen, römischen, deutschen und französi- schen Classikern, so dafs mehrere Schüler 200 bis 300 Verse, der Secundaner E. Meyer, aus Bomte im Osnabr. über 900 V. meist aus Virg. Aen. auswendig gelernt hatte;— auf das Lesen eines oder mehrerer Bücher oder Gesänge aus griechischen, römi- schen, französischen Dichtern und Prosaikern, z. B. aus Homer, Sophocles, LEuripi- des, Aristophanes, Plato, Demosthenes, Plutarch, Lucian etc.; aus Virgil, Ovid, Horaz, Catull, Tibull, Caesar, Cicero, Sallust, Livius, Cornel. Nep., Tacitus, Plinius, Quinctil., Sueton, Justin, Vellej. Paterc. etc.; aus Voltaire, Mollière, Flo- rian etc.;— auf metrische UÜbersetzungen der gelesenen Dichter;— auf Karfenzeich- nen und Auswendiglernen der wichtigen historischen Jahrzahlen;— auf Ausarbei- tungen in der Algebra und neue Auflösungen geometrischer Aufgaben;— endlich auf deutsche und lateinische Stylübungen.
Zu denen, welche sich durch öffentlichen und häuslichen Fleifs hervorthaten, verdienen gerechnet zu werden: die Primaner: Piderit aus Rinteln, v. Cornberg aus Auburg im Hannöv., v. Meibom aus Oldendorf, Hartmann aus Marburg,
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