Aufsatz 
Staats-, Wirtschafts- und Sozialpolitik auf höheren Lehranstalten : ein Entwurf / von Karl Fischer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 83—

Papstes, den der Kronprinz beantwortete. Die Milsgriffe in den Mai- gesetzen, zumal in deren Handhabung, die auch die evangelische Kirche und die evangelischen Geistlichen getroffen hatten und weiter trafen; der Unmut der Gemälsigten, noch weiter gesteigert durch die Wirkungen der„liberalen“ Gesetzgebung(unbedingte Freizügig- keit und Gewerbefreiheit, Milde des Strafgesetzes); die Unkirchlich- keit und Irreligiosität der Massen, die zusehends wuchs;(der Anti- semitismus wollte sich dem„Wachsen des jüdischen Einflusses“, die christlich-soziale Partei vor allem dem herrschenden„Manchester- tum“ entgegen setzen); das Anwachsen der Sozialdemokratie, die Verschlechterung der auswärtigen Lage, beschleunigten den Um- schwung der Politik. Die beiden letzten Punkte: Sozialdemokratie und auswärtige Politik pedürfen deshalb einer kurzen Betrachtung. Die Darlegung über erstere ist im wesentlichen nach obigen Darlegungen gegeben und sodann darauf aufmerksam gemacht worden, dals die Zurückdrängung der Religion und Kirche, die Arbeit des radikalen Liberalismus, die verkehrte Parteibildung, der Fraktions- Patriotismus, der Mammonismus etc.(der„groſse Krach“ von 1873 veranlaſste allein den Verlust von 2 Milliarden an Schwindelpapieren an der Berliner Börse) die Lage unermesslich verschimmert hatten. Zunächst wurde nach den Attentaten das Soialistengesetz (19./10. 1878) gegeben; auf die Reichsjustizgesetze folgten das Reichszollgesetz Juli 1879(Bedeutung für Industrie und Landwirt- schaft), das Wuchergesetz(1880), Hebung der Verkehrswege(29./2. 1880 der Gotthardt durchstochen), der Kölner Dom vollendet. Nachdem Mac Mahon durch einen Staatsstreich die Republik in einer klerikal-monarchischen Restauration hatte verschwinden lassen wollen, die Sucht nach einem Bundesgenossen zur Kühlung der Revanchelust immer deutlicher hervorgetreten war, und eine weitere Annäherung zwischen Deutschland und Italien stattgefunden hatte, hatten die Unruhen auf der Balkanhalbinsel zum russisch- türkischen Krieg und dieser zum Frieden von San Stefano am 3./3. 1878 geführt. Da die Engländer diesen in erster Linie anfochten und der russische Reichskanzler Gortschakoff in seiner eitlen Kurz- sichtigkeit russische Interessen selbst in dem Berliner Frieden preis- gab(Juli 1878), so wulste er, namentlich durch die russisch-fran- zösische Presse, den deutschen Reichskanzler als die Ursache alles Übels hinzustellen. Mit dieser Gefahr des russisch-französischen Bündnisses wuchs das Bedürfnis nach einem Gegenbündnis und

6*