Aufsatz 
Robert Boyle : ein christlicher Natur- und Schriftforscher / dargestellt von Karl Fischer
Entstehung
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5 Darſtellung wird beweiſen, daß das Gegenteil der Fall iſt: daß Boyle ſich nämlich gerade durch die höchſte, nämlich bibliſche Toleranz gegen alle chriſtlichen Konfeſſionen auch Sekten wie die Sozinianer auszeichnet. Das was Sprenger als finſtere und ſtrenge Altgläubigkeit bezeichnet, iſt bibliſches Chriſtentum. Boyle iſt nur ein ausgezeichneter Vertreter deſſen, was ich anderwärts bibliſchen Realismus genannt und auf die Grundlagen der Pſychologie(Bibliſche Pſychologie, Bio⸗ logie und Pädagogik Gotha 1889), der Geſchichtsphiloſophie (Dillenburg Progr. 89) und des Erkennens überhaupt(Glauben oder Wiſſen? Gotha 90) anzuwenden verſucht habe. Und wenn Poggendorf a. a. O. Boylls Frömmigkeit aus ſeiner Erziehung, ſeiner Gemütsanlage und dem Geiſt der Zeit zu erklären ſucht und ſagt:alles dies gab ihm eine religiöſe Richtung, wie ſie heutzutage außerhalb Englands nur ſelten angetroffen wird, dort aber ſelbſt bei Naturforſchern ziemlich häufig iſt, ſo konnte ich darin nur verſtärkten Anlaß finden, ein, wenn auch ſkizzenhaftes Bild dieſes Mannes in deutſcher Sprache zu entwerfen.

Die Grundlage der nachfolgenden Arbeit iſt die Geſamt⸗ ausgabe der Werke nebſt vorgeſetzter Biographie von Birch 1744 5 Bde. Fol. Die Ausgabe von 1772 6 Bde. Quart habe ich nicht einſehen können; die Ausgabe von Boulton 3 Bde. kl. 8. London 1715, die auch Birch ganz übergeht, enthält eine wortreiche Biographie mit wenig ſachlichem Gehalt und die meiſten theologiſchen Werke in zum Teil verwaſchenem Anzug. Recht brauchbar iſt Boyles Biographie in der Biogr. Britannica II. S. 913 34(1748), darnach verkürzt, aber in beſſerer wiſſenſchaftlicher Würdigung iſt die Biographie in der Encycl. Britannica 9. ed. Edinbourgh 1876 vol. IV, wo ſich, ſoweit ich mich erinnere, auch die Notiz findet, daß Boyles Porträt von Kerſſeboom jetzt im Beſitz der Roy. Soc. iſt.*) Recht

*) Einzelne verwertbare Notizen enthalten auch die Biographien in der Biogr. univers. Paris 1812 Bd. 5 S. 427 ff., ſowie der Nouv. Biogr. générale Bd. 7, S. 190 ff.