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IV. Zur Ohronilk der Anstalt.
Nachträglich zur Cbronik des vorigen Schuljahres sei hier bemerkt, dass Herr Oberlehrer Dr. Reis vom 5. März an erkrankte und bis zum Beginn der Osterferien seinen Unterricht nicht mehr aufzunehmen vermochte.
Durch Allerhöchste Entschliessung vom 23. März wurde dem Oberlehrer Dr. Fink der Charakter als Professor erteilt.
Am 23. März wurde das Schuljahr geschlossen. In der Schlussfeier wurde das Melodrama„Das Meer“, Dichtung von Joh. Weber, Komposition von Klughardt, zum Vortrag gebracht und zwar von unserem Gesangs- chor die Gesänge und von dem Unterprimaner Schorn der verbindende Text. Hierauf entliess der Direktor die Abiturienten.
Die Krankheit des Herrn Dr. Reis erwies sich als hartnäckiger, als man anfänglich glaubte; zur Heilung seines Leidens musste er den ganzen Sommer weiter beurlaubt werden. Zu seiner Vertretung wurde der Lehramts- accessist Herr GComo hierher berufen.
Mit Wirkung vom 16. April 1901 an wurde der seit 7 Jahren an unserer Vorschule beschäftigte Lehrer Gleiser an eine definitive Stelle der hiesigen Volksschule berufen. Für seine Thätigkeit an der Vorschule sei ihm auch hier die verdiente Anerkennung ausgesprochen. Als sein Nachfolger wurde der seither an der hiesigen Volksschule thätige Schulvikar Beringer berufen, der bereits am 15. April in seinen neuen Dienst ein- gewiesen wurde.
Das Schuljahr begann am 15. April. Eingeleitet wurde es ebenso wie der Schlusstag des vorigen Schul- jahres durch Gottesdienst für die Katholiken in St. Peter und für die Eyvangelischen in dem Saal des evangelischen Vereinshauses.
Der zur Erinnerung an den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 übliche Ausflug fand diesmal der Witterung wegen am 15. Mai statt. Überall und bei allen Klassen verlief der Tag aufs angenehmste; auch das am Nachmittag einsetzende Gewitter hatte nur die Wirkung, die allzu fühlbar gewordene Hitze zu mildern.
Mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde hielt der Grossherzogliche Turninspektor Schmuck, unseren Wünschen aufs freundlichste und in dankenswerter Weise nachkommend, in der Zeit vom 3. bis 11. Juni in unserer Turnhalle Musterlektionen im stufenmässigen Turnunterricht ab. Als Teilnehmer fanden sich ausser den Direktoren der hiesigen höheren Lehranstalten die mit dem Turnunterricht betrauten Lehrer dieser Anstalten und sonstige Mitglieder des Turnlehrervereins ein. Die jeder einzelnen Ubungsstunde sich anschliessende Besprechung liess es zweckmässig erscheinen, dass nach den praktischen Vorführungen der Herr Turninspektor am 18. Juni in einem zusammenfassenden theoretischen Vortrag die Fortschritte in der Methodik des Turnunterrichtes erörterte und sie als ganz übereinstimmend mit jener der wissenschaftlichen Fächer darstellte. Eine anregende allgemeine Besprechung und allseitiger Dank für die gebotenen neuen Gesichtspunkte bildeten den Schluss der Vorführungen, von denen wir für unseren Turnunterricht das Beste erhoffen.
Vom 1. Juli an erkrankten in bald zunehmender Weise Schüler der 3. Vorschulklasse an Husten, der wohl bei den meisten als Keuchhusten erkannt wurde. Der Höhepunkt der Erkrankung wurde mit 29 erkrankten Schülern am Schlusse des Sommerhalbjahres erreicht, so dass in dieser Zeit nur 19 Schüler anwesend waren. Die Herbstferien brachten volle Genesung.
In der hergebrachten Weise wurde am 3. August das Sommerhalbjahr geschlossen. An diesem Tage endete auch die Stellvertretung für Herrn Dr. Reis; mit Dank für die uns geleisteten Dienste wurde der Accessist Herr Como entlassen.
Im Laufe der Oster- und Pfingstferien begannen die Arbeiten zur Herstellung der Centralheizungsanlage in unserem Gebäude, die während der Herbstferien kräftig gefördert wurden. Mit dem Beginn der Heizungszeit konnte die von der Firma Käuffer u. Cie. hergestellte Anlage mit dem besten Erfolge in den Betrieb ge- nommen werden.
Am 9. September begann das Winterhalbjahr, eingeleitet in der üblichen Weise mit dem Gottesdienst beider Bekenntnisse. Am folgenden Tag fand die Beerdigung des nach langer, schwerer Krankheit in Bodenheim ver- storbenen Schülers Falkenstein statt; das Gymnasium betrauert in dem allzu früh Verblichenen den Verlust eines sehr braven und fleissigen Schülers. Seine Mitschüler(Klasse Vz) erwiesen unter der Leitung des Klassen- führers Herrn Oberlehrers Matthes auf dem Friedhof in Bodenheim ihrem Kameraden die letzte Ehre.
Herr Lehramtsaccessist Glückert trat am 4. November zur Ableistung des zweiten Accessjahres in unsere Anstalt ein. Seine Thätigkeit hier wurde nur durch eine ihm befohlene, kurze Zeit währende Stellvertretung am Gymnasium in Worms unterbrochen.


