Die elektrische Starkstromanlage
für den physikalischen Unterricht am Ostergymnasium zu Mainz.
Von Professor Dr. J. Fink.
In den letzten Jahren sind mehrfach Beschreibungen von Starkstromanlagen für die Zwecke des naturwissenschaftlichen Unterrichtes an höheren Schulen erschienen. Der Nutzen, den solche Veröffentlichungen für den Fachlehrer bei Neueinrichtungen oder dem weiteren Ausbau schon bestehender Anlagen durch die dort mitgeteilten, unter ähnlichen Verhältnissen gemachten Erfahrungen bieten können, ist ohne weiteres einleuchtend. Bei der Durchsicht der hier ein- schlägigen Litteratur¹), soweit sie mir zu Gebote stand, zeigte es sich nun, dass weitaus die meisten der beschriebenen Einrichtungen Gleichstromanlagen bezw. Anschlüsse an Gleichstromwerke sind. Nur in der Beschreibung des Neubaues des Realgymnasiums zu Elberfeld findet sich die Angabe, dass die Stromentnahme aus einem zur Zeit der Programmausgabe noch im Bau befind- lichen Wechselstromwerk erfolgen werde, wobei die Umwandlung in Gleichstrom durch einen in einem Kellerraum aufgestellten Wechselstrom-Gleichstrom-Umformer geschehen soll. Da der An- schluss unserer Anstalt an ein Drehstromwerk erfolgt ist, so dürfte eine Beschreibung der hiesigen Anlage nicht ohne Interesse sein, zumal für die Umformung des Drehstroms in Gleichstrom, wie sie für manche Zwecke des Unterrichtes erforderlich ist, mehrere Verfahren sich darbieten.
Das städtische Elektrizitätswerk, welches von der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert& Co. erbaut wurde und sich seit Oktober 1899 in Betrieb befindet, erzeugt in der ausserhalb der Stadt gelegenen Zentrale hochgespannten Dreiphasen-Wechselstrom(Drehstrom). In den Strassen wird durch Transformatoren die Spannung von 3000 Volt auf 120 erniedrigt und Strom von letzterer Spannung den Abnehmern geliefert. Die Zahl der Polwechsel beträgt 100 in der Sekunde.
Die Errichtung dieses Elektrizitätswerkes gab uns Veranlassung, die Versorgung unseres physikalischen Lehrzimmers mit Starkstrom anstatt, wie früher geplant, durch Gasmotor und Gleichstromdynamo, nunmehr auf einfachere und billigere Weise auszuführen, wobei sich zugleich eine grössere Mannigfaltigkeit in der Stromversorgung erreichen liess.
¹) Progr. Oberrealschule Innsbruck 1895, Hammerl: Die elektrische Anlage im physikalischen Kabinett; Progr. Realgymn. Gera 1895, Beschreibung des Neubaues; Progr. Gymn. Elberfeld 1897, Lenz: Die Einrichtungen und Lehrmittel für den naturwissenschaftlichen Unterricht; Progr. K. Wilhelms- Gymn. Berlin 1896/97, Schlegel: Die Einrichtungen für den physikalischen Unterricht an Gymnasien; Progr. Realprogymn. Lennep 1897, Rittinghaus: Die elektrische Starkstromanlage der Lenneper Realschule; Progr. Altstädt. Gymn. Königsberg 1898, Troje: Neuere Unterrichtsmittel am Altstädt. Gymnasium; Progr. Oberrealschule Cassel 1899, Beschreibung des Neubaues; Progr. Realgymn. Giessen 1901, Die Einrichtungen für den physikalischen und chemischen Unterricht in dem Erweiterungsbau; Progr. Realgymn. Elberfeld 1900, Beschreibung des Neubaues.


