Aufsatz 
Festschrift des Großherzogl. Gymnasiums in Karlsruhe zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im September 1906
Entstehung
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Prolog zur Schillerfeier.

Ein reges Leben wogt jetzt allerorten;

Wo deutsches Wort aus deutschem Munde klingt, Da steigen Festesklänge heut empor,

Und einen großen Namen. feiern alle.

Wir schauen heut in die Vergangenheit;

Und heben voll. Bewunderung und Liebe

Den Blick empor auf unsern großen Dichter, Den seinem Volk der Tod zu früh entriß.

Was deutsche Brust je ernst und tief empfunden, Was deutscher Geist gedacht hat und ergründet, Er hats im tiefsten Innersten durchlebt,

Und mit der Macht des schwungvoll edeln Worts Sprach er zu uns. ‚Ja, was von guten Keimen Das Menschenherz in seinen Tiefen birgt:

Die Demut vor dem Göttlichen und Höchsten, Der Drang zur Tugend, die kein leerer Schall, Zu Recht und Freiheit, die mit uns geboren, Die heilge Liebe zu dem Vaterlande,

Der Mannesmut, der ohne Furcht und Zaudern Sein Alles gern an seine Ehre setzt,

Dem nicht das Leben als der Güter höchstes, Dem nur die Schuld als größtes Übel gilt Aus Schillers Dichtung klingt es uns entgegen Und immer neu entzündet es die Herzen,

Ein Quell der edelsten Begeisterung.

Jetzt, wo seit seinem Tod ein ganz Jahrhundert In mannigfachem Wechsel hingeeilt,

Wo unsers Dichters Leben, Ringen, Schaffen, Sein schweres Kämpfen und sein schönes Siegen Vollendet der Vergangenheit gehört,

Jetzt sprechen wir mit seinem großen Freunde Das stolze Wort: Er war, er bleibt der Unsere.