Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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Krieges, des traurigſten, der gedacht werden kann, weil er ein Bruderkrieg war, hatten Mich gezwungen, mein Land zu verlaſſen. Aber mein Herz war ſtets bei meinem guten Volke, und alle Drangſale, die mein Volk zu ertragen, alle Opfer, die es zu bringen hatte, in einem Kampf, den Wir für eine gerechte Sache zu führen glaubten, habe ich auf das Tiefſte mit ihm empfunden. Der Friede iſt hergeſtellt, und Ich kehre zurück in das Vaterland, mit dem ich in gegenſeitiger Treue verbunden bin.

Ich habe ſchmerzliche Zugeſtändniſſe machen müſſen, um meinem Heſſen den Frieden wiederzugeben. Einzelne Landesteile mußten von Mir abgetreten werden. Mögen die Bewohner der⸗ ſelben Meiner freundlich gedenken und ihrer neuen Regierung mit Vertrauen und Liebe entgegenkommen! Mögen ſie unter dieſer neuen Regierung ſo glücklich ſein, wie Ich ſie zu machen auf⸗ richtig bemüht war! Bedeutungsvoll iſt auch der Ausblick auf die Zukunft:Wir haben nicht bloß Wunden zu heilen, welche der Krieg unſerem Heſſen geſchlagen hat, wir haben auch mit der Neugeſtaltung unſeres gemeinſamen deutſchen Vaterlandes in einer die gerechten, die nationalen Anſprüche befriedigenden Weiſe zu beginnen. Der alte Rechtsboden, auf dem wir hätten fortbauen können, iſt zuſammengebrochen. Wir müſſen nun die Vervoll⸗ kommnung des durch die Macht der Tatſachen geſchaffenen neuen Rechtszuſtandes zum Gegenſtand unſerer Sorge machen.

Die Zeit der Neugeſtaltung des gemeinſamen deutſchen Vaterlandes war nahe, näher als man dachte; ein neuer Krieg brachte ſie, der Krieg von 1870/71.

10. Der Krieg von 1870/71.

Die jüngere Generation weiß nicht, welch fieberhafte Tätig⸗ keit Krieg und Kriegsgefahr entfachen, wie ſie aber auch die edelſte Opferwilligkeit wecken. Vielleicht können die folgenden Zeilen, welche die große Zeit in lokaler Beſchränkung und Färbung zeigen, ihr hiervon einen kleinen Begriff geben.

Wochenlang war die Kriegsgefahr drohend, dann ſchien ſie beſeitigt, auf einmal ward ſie zur Gewißheit. Früher als ſonſt ſchnitt man diesmal das Korn, um den Segen des Feldes in Sicherheit zu bringen.

Am 19. Juli erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs; am 21. Juli wurden die Bezirke des 8., 9., 10., 11., 2. und 1. Armee⸗ korps vom König von Preußen als dem oberſten Feldherrn des Norddeutſchen Bundes in Kriegszuſtand erklärt, als ein Teil des Bezirks vom 11. Armeekorps trat damit das ganze Großherzog⸗ tum Heſſen in Kriegszuſtand. In einer Stärke wie nie zuvor

¹ St. Pr. Nr. 76 vom 21. September 1866.