5 pfündige Brote gebacken werden. Die der Aufhebung der Brot⸗ taxe vom Kreisamt Dieburg beigegebene ſozialpolitiſche Begrün⸗ dung iſt für uns überaus intereſſant; ſind wir hierin doch wieder „reaktionärer“ geworden. ¹
Mitten hinein in dieſe ſoziale und ſozialpolitiſche Umwandlung fällt der Krieg!
Es war, als gingen ihm Zeichen vorher, wie ja auch in alten Zeiten Kometen und Ungeheuer den Krieg verkündeten. Ein Wolf machte den Odenwald unſicher, den bayeriſchen und badiſchen Teil vor allem, aber auch den heſſiſchen; in der Gemarkung Höchſt ſoll er vom 14. auf 15. Februar 1865 gegen 33 Schafe zerriſſen haben. Das ganze Jahr hindurch ängſtigte er die Leute, die ihn im Waldesdüſter plötzlich mit Schrecken erblickten.
Herr Forſtmeiſter Hoffmann veröffentlichte über das Auf⸗ treten dieſes Wolfes, über ſeine Spuren, über die Art und Weiſe, wie man dem Wolf begegnen ſoll, in der Starkenburger Provinzial⸗ zeitung Nr. 13 vom 10. Februar 1866 zur größeren Beruhigung der aufgeregten Gemüter einen längeren Aufſatz.
So kündigte ſich der Krieg im Fühlen des Volkes an, deſſen Neigungen für OÖſterreich waren. Man ſprach von der Verge⸗ waltigung der Elbherzogtümer durch Preußen, von Störung der Ruhe und Verletzung des Rechtes; man verdammte als rechts⸗ widrig und undeutſch die Annexionspolitik des Herrn von Bis⸗ marck, der allein die Schuld an der unheilvollen Lage des Vater⸗ landes trage.
Großherzogs Geburtstag, 9. Juni, wurde 1866 in Dieburg, das ſchon Einquartierung heſſiſcher Truppen hatte, mit großer Begeiſterung gefeiert. In Petermanns Garten hatten die Sol⸗ daten Tanzmuſik, im ſinnig geſchmückten Saal des Herrn Mar⸗ tini die Unteroffiziere eine zahlreich beſuchte Abendunterhaltung. ² Am 14. Juni beſchloß der Bundestag in Frankfurt auf Antrag Oſterreichs die Mobilmachung des 7., 8., 9. und 10. Bundesarmee⸗ korps. Der preußiſche Geſandte verließ unter Proteſt die Sitzung. Das 8. Armeekorps umfaßte die Truppen von Württemberg, Baden und dem Großherzogtum Heſſen. Reglement, Signale, Uniformierung waren verſchieden, ſo verſchieden, daß man wenigſtens ein äußeres Erkennungszeichen für nötig hielt: die Soldaten erhielten daher ſchwarz⸗rot⸗gelbe Binden.“ Die Generäle kannten ſich kaum gegen⸗ ſeitig, dem Oberkommandanten waren ſie gleichfalls fremd. Prinz Alexander von Heſſen, der Bruder des Großherzogs, war zum Oberbefehlshaber ernannt; im italieniſchen Feldzug 1859 hatte er
¹ Starkenburger Provinzialzeitung(künftig zitiert: St. Pr.) Nr. 22, 16. März 1866. St. Pr. Nr. 47, 12. Juni 1866. 3³ St. Pr. Nr. 52, 29. Juni 1866.


