Aufsatz 
Festschrift zur Einweihung des Neubaues der höheren Bürgerschule zu Dieburg am 6. August 1908
Entstehung
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erwachſen könne, warf er ſeinen Überrock um und ging in den Gaſthof. Wen fand er da? Kaiſer Napoleon, den er noch in Rußland glaubte! Von ſeinem Unglück in Rußland ſprach der Kaiſer mit erheuchelter Gleichgültigkeit und Zuverſicht. Aber Albini ſtand doch ſchon anders vor dem Gefürchteten als etwa 1806 in Aſchaffenburg und 1809 in Regensburg! Nicht ganz ein Jahr ſpäter ſah Albini den Kaiſer wieder, es war auf der Flucht nach der Völkerſchlacht bei Leipzig; gegen die Bayern(unter Wrede), am 30. Oktober bei Hanau, hatte Napoleon ſich den Rückzug über den Rhein erzwungen; unter einer alten Linde in Frankfurt(jetzt im Zoologiſchen Garten ſtehend) hielt er tags darauf eine Truppen⸗ ſchau. Hanau ſtand in Flammen.

Als der deutſche Bund errichtet wurde, ernannte Kaiſer Franz I. von Oſterreich den Freiherrn von Albini zu ſeinem Präſidial⸗ geſandten in Frankfurt. Dem letzten Reichstag in Regensburg hatte Albini präſidiert, nun ſollte er den erſten Bundestag in Frank⸗ furt eröffnen. Den Vorbereitungen hierzu widmete der nun Siebenundſechzigjährige ſeine gewohnte Arbeitskraft im Herbſt 1815 zu Frankfurt. Unter den vielen Wechſelfällen ſeines Lebens hatte ſeine Geſundheit doch gelitten. Er erkrankte; in der zweiten Hälfte des Dezember fuhr er nach Hanau zurück; auch dort fand er keine Ruhe; er ließ ſich ins Schloß nach Dieburg zu ſeiner Familie bringen. Dort(?) ſtarb er am 8. Januar 1816 an der Waſſerſucht. Er hinterließ einen Sohn, Friedrich Karl Joſeph, und drei Töchter; die eine Tochter war verheiratet an den Herzogl. Naſſauiſchen Appellations⸗Gerichtspräſidenten Freiherrn v. Preuſchen zu Dillenburg, die andere an den Kammerherrn v. Varicourt zu Bamberg; die jüngſte, mit dem Freiherrn von Uichtritz vermählt, folgte ihrem Vater am 15. Januar 1817 ins Grab.

z Über den Ort, wo Albini ſtarb, lauten die Angaben merlwürdig verſchieden. Nach der allgemeinen deutſchen Biographie ſtarb Albini auf einem ſeiner Güter in Hanau; nach dem Konverſationslexikon von Pierer und dem von Brockhaus in Dieburg. K. G. Bockenheimer, der rühmlichſt bekannte Mainzer Geſchichtsforſcher, läßt Albini in Offenbach a. M. ſterben(Wie Mainz zum zweitenmal an Frankreich kam S. 13/14). Alſo bei einer geſchichtlichen Perſönlichkeit von der Bedeutung dieſes Kur⸗ mainzer Miniſters noch keine 100 Jahre nach ſeinem Tod ein ſolches Schwanken der Ortsangabe! Nach der freundlichen Mitteilung des Herrn Pfarrers Kemmerer in Dieburg enthält das Kirchenbuch in Dieburg unterm 9. Januar 1816, dem Tage des Begräbniſſes, folgenden Eintrag: Excellentissimus ac Perillustris Dominus Franciscus Josephus L. Baro de Albini Caesarei ac regii Ordinis St. Stephani Commendator Caesareae ac Regiae Majestati Austriacae Consiliarius intimus et actualis et Minister plenipotentiarius in Comitiis Confoederationis Germaniae, Dominus in Dürenried et Messel etc. etc. aestatis suae circiter 68 annorum in quantum fieri potuit provisus.

² Ihre Grabſtätte fanden der Freiherr und ſeine Tochter in der Dieburger Wallfahrtskirche zwiſchen dem Marien⸗ und dem Joſephsaltar.